Die Trennung der Eltern ist für jedes Kind per se eine Katastrophe. An besonderen Feiertagen und Festtagen allerdings wird besonders schmerzlich bewusst, dass nicht mehr alle beisammen sitzen und gemeinsam feiern. Grade an solchen Tagen ist es wichtig, das Kind aufzufangen und die entstehenden Sehnsüchte und Verlustängste nicht einfach mit Plätzchen und Geschenken überspielen zu wollen. Wir präsentieren 10 Tips, um es dem Nachwuchs ein wenig leichter zu machen, mit der neuen Situation auch an diesen besonders emotionalen Tagen umzugehen.

 

  1. Wen interessiert die offizielle Umgangsregelung – Anrufen ist erlaubt.
    Wo auch immer das Kind am jeweiligen Weihnachtsfest oder Geburtstag ist und was die offizielle Umgangsregelung auch besagen mag – ein kurzer, zehnminütiger Anruf beim anderen Elternteil um frohe Weihnachten zu wünschen oder zu gratulieren bzw. sich gratulieren zu lassen sollte immer möglich sein, gesetz dem Fall, die Verhältnisse sind nicht derart angespannt, dass erst durch das Telefonat schwere Sehnsüchte beim Kind ausgelöst werden. Hier gilt grundsätzlich das Vorgehen wie allgemein bei Telefonkontakt als empfehlenswert.

  2. Geschenke für den abwesenden Elternteil zu basteln ist immer eine sehr elegante Möglichkeit, dem Kind zu vermitteln, dass es beide lieb haben darf, ohne sich selbst im Konkreten näher mit dem ehemaligen Partner befassen zu müssen und daher für viele Betroffene deutlich einfacher als Gespräche mit dem Kind über das andere Elternteil oder andere Gesten, die unmittelbar zwischen den Eltern stattfinden müssten. Durch das Basteln eines Geschenkes lässt sich zudem sinnvoll und kindgerecht die gemeinsame Zeit gestalten. Wenn Basteln so gar nicht Ihr Ding ist, kaufen Sie eben gemeinsam mit dem Kind eine Kleinigkeit und helfen Sie, diese hübsch zu verpacken.

  3. Auch das mitnehmen von selbstgebackenen Plätzchen zum anderen Elternteil ist für das Kind ein kleines Signal in die richtige Richtung. Es darf ein Stückchen „Hier“ mit nach „Dort“ nehmen. Was für die Erwachsenen oft völlig unproblematisch und damit auch kaum konfliktbeladen erscheint, bedeutet dem Kind viel, denn es gewinnt so eine Schnittstelle zwischen den beiden Zu-Hause-Welten in denen es sich bewegt. Auch ein Plätzchen kann ein – vergängliches – Übergangsobjekt sein.

  4. Bei der Auswahl und dem Kauf von Geschenken für das Kind empfiehlt es sich, da zumeist ja größere Geschenke oder auch Kleidung im Haushalt des schenkenden Elternteils verbleiben sollen, immer auch eine Kleinigkeit dazu zu kaufen, welche das Kind dann mit zum anderen Elternteil nehmen und dort behalten kann. Nicht nur entsteht so ein weiteres Übergangsobjekt, zudem werden abermals die Grenzen des beiden Zu-Hause-Welten aufgeweicht und so für das Kind emotionale Barrierefreiheit demonstriert.

  5. Grußkarten zum Fest und auch Glückwunschkarten zum Geburtstag sind eine weitere Gelegenheit, gemeinsam mit dem Kind aktiv andere Familienmitglieder in die Zeitgestaltung einzubeziehen. So lassen sich insbesondere für Großeltern, Tanten/Onkel und weitere Verwandte wunderbar Karten selbst gestalten und mit hübschen Dingen bekleben. Das vermittelt dem Kind ein Bild der Familie als Gesamtkonstrukt, unabhängig von Wohnorten und Haushalten.

  6. Möchten Sie in zwanzig Jahren Fotos von jedem zweiten Geburtstag oder Weihnachten Ihres Kindes haben? Sehen Sie.
    Auch wenn ansonsten der Austausch solcher Informationen zwischen den Eltern nur bedingt gut klappt, gehört das Überlassen einiger schöner Fotos des Kindes beim Fest, wenn es dieses im eigenen Haushalt verbracht hat, für den anderen Elternteil zum guten Ton. Gemeint sind damit ausdrücklich schöne Fotos vom Kind selbst und tendenziell alleine, um nicht unnötig Konfliktpotential zu entfalten.

  7. Grade rund um Feiertage und Ferien ergeben sich durch übliche Umgangsregelungen nicht selten ungünstige Wechseltakte. Dann soll das Kind womöglich wegen einiger Stunden noch einmal wechseln oder es wird organisatorisch hektisch, weil zwei Wechsel zu dicht aufeinanderfallen. Seien Sie kooperationsbereit und vernünftig. Es bringt niemanden weiter, wenn alle Beteiligten in Stress geraten, weil sich die Lebensrealität an einem Zeitplan aufhängt. Auch wenn sonst Umgangseinigungen außerhalb der Reihe nur bedingt klappen – in solchen Fällen können Sie es ruhig noch einmal probieren. Seien Sie pragmatisch und großzügig und stellen Sie das Ziel in den Fordergrund, allen Beteiligten gezielt Stress und Belastung zu ersparen.

  8. Für die ganz Mutigen besteht zu alledem noch die Möglichkeit, sich gemeinsam mit dem anderen Elternteil und ggf. den neuen Partnern für einen klar begrenzten Zeitraum mit dem Kind zu treffen, zum Beispiel in Form eines gemeinsamen Abendessens im Restaurant. So schön solche Momente für das Kind sein können, so wichtig ist es, dergleichen wirklich nur in Angriff zu nehmen, wenn es auch gelingen kann. Dabei sollte ein klarer zeitlicher Rahmen gesteckt sein – zum Beispiel zwei Stunden – und ein neutraler Ort gewählt werden, also ein Restaurant, ein Zoo, ein anderer externer Ort, der genug Ablenkungen bietet.

  9. Vergessen Sie niemals, dass Beeinflussung schon dort los geht, wo Sie die Existenz des anderen Elternteils mehr oder minder ausklammern. Grade an Feier- und Festtagen ist das Kind sich sehr bewusst, dass nicht alle anwesend sind. Nehmen Sie diese Gefühle und Wahrnehmungen des Kindes ernst und greifen Sie das Thema behutsam auf. Das Kind mit diesem Erleben alleine zu lassen und das Gefühl zu vermitteln, diese Sehnsüchte und Ängste seien „falsch“ oder „überzogen“ schadet dem Kind.

  10. Feiern Sie mal! Oft schweben Elternkonflikte latent über der gemeinsamen Zeit mit dem Kind. Veränderungen werden kritisch beäugt, Fehler des anderen Elternteils gesucht, Kleinigkeiten kritisiert und bemängelt. Lassen Sie das sein. Nutzen Sie diese besonderen Tage, um einmal los zu lassen von solchen Themen und sich bewusst und vollkommen auf einen gelungenen Tag für Ihr Kind zu konzentrieren, denn oft genug kommt dann der gelungene Tag für Sie selbst wie von alleine dabei mit heraus. Lassen Sie sich die Plätzchen schmecken und genießen Sie die festliche Stimmung. Lassen Sie fünfe grade sein und schauen Sie gemeinsam mit ihrem Kind einen der zahllosen Weihnachtsfilmklassiker. Schaffen Sie neue Traditionen für Ihre kleine Familie.

 

Und kommen Sie gut und gesund in´s neue Jahr.

Wir wünschen Ihnen allen Glück und Gesundheit und besinnliche, schöne Weihnachtsfeiertage.