Zwei zu Hause zu haben ist merkwürdig. Mama und Papa nicht mehr als Paar zu erleben ist bedrohlich. Die Angst, einen von beiden oder sogar beide Elternteile zu verlieren ist nicht so weit weg, wie man als Erwachsener oft glaubt.

Wenn nach einer Trennung mit Kind die neue Situation verstanden und gelebt werden muss, sind alle Beteiligten häufig überfordert. Es passieren Fehler und Versäumnisse, die nicht selten zu Lasten des Kindes gehen.

Wir präsentieren Ihnen 15 Tricks, wie Sie es Ihrem Kind leichter machen können, sich mit der neuen Situation zu aklimatisieren, die Ängste vor Verlust der Familie zu überwinden und das allgemeine Miteinander konstruktiver zu gestalten:

1. Etablieren Sie ein Wechselobjekt, also ein Objekt – zum Beispiel ein Kuscheltier – welches das Kind bei allen Wechseln zwischen den Eltern begleitet. So nimmt das Kind immer ein wenig der einen Welt mit in die andere Welt. Das erleichtert, die neue Situation als großes Ganzes zu verstehen.

2. Hängen Sie ein Foto des abwesenden Elternteils im Zimmer des Kindes auf. Das hilft insbesondere kleinen Kindern dabei, den abwesenden Elternteil nicht als „unerreichbar“ wahrzunehmen, insbesondere wenn noch kein Verständnis von Zeit vorhanden ist.

3. Malen Sie in Ihrer Zeit gemeinsam mit dem Kind ein Bild für den anderen Elternteil, das es dann mitnehmen und verschenken kann oder basteln sie gemeinsam etwas für den anderen Elternteil. (Für das eigene Gemüt können ja Bilder für Oma, Opa, Nachbarin UND den anderen Elternteil gemalt werden)

4. Besorgen Sie gemeinsam mit dem Kind ein Oster-/Weihnachts-/Geburtstagsgeschenk für den anderen Elternteil, welches das Kind dann beim nächsten Wechsel mitnehmen und verschenken kann.

5. Bemühen Sie sich im Rahmen des Ihnen Möglichen darum, wichtige Ereignisse im Leben des Kindes wie z.Bsp. Kindergartenfeste, Vereinsfeiern und Schulveranstaltungen oder auch Arzttermine etc. grundsätzlich „gemeinsam“ zu besuchen, also sicher zu stellen, dass beide Eltern anwesend sind.

6. Ist das partout nicht möglich, ohne Konflikte zu provozieren, bemühen Sie sich um eine gleichmäßige Aufteilung dieser Termine, so dass dem Kind deutlich wird, dass beide Eltern nach wie vor präsent und interessiert sind. Es geht hierbei nicht(!) vorrangig darum, dass Sie nichts verpassen wollen sondern darum, dass ihr Kind sich zurückgesetzt fühlt, wenn ein Elternteil grundsätzlich oder überwiegend an solchen Veranstaltungen nicht teilnimmt.

7. Sprechen Sie mit dem Kind über den abwesenden Elternteil – neutral, freundlich und ohne jede Wertung. Lassen Sie das Kind von gemeinsamen Erlebnissen berichten und lassen Sie das Kind spüren, dass es okay ist, auch mit dem anderen Elternteil Spaß zu haben.

8. Wenn Sie das leisten können, schaffen Sie ein gemeinsames Projekt zusammen mit dem anderen Elternteil wie z.B. eine große Bastelarbeit, die das Kind abwechselnd mit Ihnen und dem anderen Elternteil weiter bearbeiten kann und immer beim Wechsel mitnimmt. Das ermöglicht dem Kind ein Gefühl der Gemeinsamkeit auch in der Trennungsrealität und verdeutlicht die Situation kindgerecht: Wir sind nicht mehr alle im selben Haus, aber wir arbeiten nach wie vor zusammen – du bist das Bindeglied, weil wir dich lieb haben.

9. Sind Gespräche mit dem anderen Elternteil problematisch und arten schnell in Streit aus – auch vor dem Kind – etablieren Sie ein Umgangsbuch. Also ein hübsches, kindgerechtes Notizbüchlein, in das Sie jeweils gemeinsam mit dem Kind einen kurzen Eintrag vor jedem Wechsel vornehmen, was in der Zwischenzeit erlebt wurde und passiert ist. Zudem können Sie wichtige Informationen so übermitteln, ohne miteinander sprechen zu müssen und dem Kind diesen Eindruck zu vermitteln.

10. In die Erstellung und Pflege des Büchleins können Sie das Kind gut einbeziehen, indem es zum Beispiel Bilder zu den Erlebnissen ins Buch malen darf oder – grade bei kleineren Kindern – Aufkleber oder Sticker passend zu den Themen einklebt. Auch können z.Bsp. bei Spaziergängen Blumen und Blätter gesammelt, getrocknet und ins Büchlein geklebt werden. Auch Fotos aus der eigenen Zeit mit dem Kind sind eine schöne Ergänzung. Das Kind kann z. Bsp. Aussuchen, welche Fotos eingeklebt werden sollen und sie selbst einkleben.

11. Wenn Sie so vernünftig mit dem Kind umgehen können, dass nicht mehr Schaden als Heil entsteht, etablieren Sie Telefontermine zwischen dem Kind und dem abwesenden Elternteil (das ist nur bei größeren Zeiträumen wie z.B. Urlaub oder Wechselmodell sinnvoll, ist das Kind nur 2 Tage beim anderen Elternteil, schadet der Kontakt oft mehr als er nützt). Achten Sie darauf, die Telefonate nicht z.B. unmittelbar vor das Zubettgehen zu legen oder an andere potentiell kritische Zeitpunkte, an denen Sehnsucht und Heimweh nach dem anderen Elternteil leicht entstehen kann. Gut sind Termine am Mittag oder Nachmittag, bei denen sich der abwesende Elternteil berichten lässt, was unternommen wurde und was besonders viel Spaß gemacht hat und weiterhin ganz viel Spaß wünschen kann. Der Satz „ich vermisse Dich“ in sämtlichen denkbaren Formulierungen ist in solchen Telefonaten strikt verboten. Thema ist grundsätzlich der aktuelle Aufenthalt, keinesfalls Ereignisse oder Themen aus dem anderen zu Hause, um keine Sehnsüchte auszulösen.

12. Vergessen Sie auch andere Bezugspersonen wie z.Bsp. die Großeltern nicht. Auch hier sind Telefonate möglich oder gemeinsame Kaffeekränzchen, sofern die Atmosphäre das zulässt. Das Kind erlebt so, dass die Einheit Familie nach wie vor existiert, auch ohne Mama und Papa als Paar.

13. Demonstrieren Sie Beständigkeit. Das können Sie z.Bsp. tun, indem Sie gemeinsam mit dem Kind langfristige Projekte angehen – einen Garten anlegen zum Beispiel. Bieten Sie dem Kind eine Perspektive, die verdeutlicht, dass aus der Trennung keine generelle Instabilität aller Dinge entstanden ist – so fühlt es sich für das Kind in der Regel an. Suchen Sie sich gemeinsam mit dem Kind eine Vereinsaktivität oder eine andere Beschäftigung, die das Kind in dem Verständnis unterstützt, dass sie über Monate und Jahre damit beschäftigt sein werden – Sie können also gar nicht „verschwinden“, wer soll denn dann die Tomaten gießen?

14. Verständigen Sie sich gemeinsam mit dem anderen Elternteil auf 1-2 feste Rituale, die Sie beide konsequent leben. Sie müssen nicht jedweden Erziehungsstil abgleichen, das ist gar nicht nötig. Mit 1-2 Ritualen, die sich in beiden Haushalten wiederfinden, erlebt das Kind Stabilität und Sicherheit. Es kann spüren und erleben, dass da eine Verbindung ist zwischen Mama und Papa, ohne dass die beiden länger zusammen sind. Rituale können zum Beispiel dasselbe Gutenachtlied oder ein Sprüchlein bei Tisch sein, ein Verabschiedungsritual oder ein Begrüßungsritual. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf oder fragen Sie einfach das Kind, was ihm gefallen würde.

15. Wenn Sie es können, schaffen Sie für das Kind einige überschaubare Momente im Jahr, in dem es beide Eltern zusammen erleben darf. Tun Sie das aber nur dann, wenn Sie beide in der Lage sind, sich vernünftig zu benehmen und nicht vor dem Kind in Streit ausbrechen. Gute Gelegenheiten bieten zum Beispiel Schulveranstaltungen, Aufführungen des Kindes oder der Geburtstag des Kindes. Insbesondere bei Letzterem ist es gut möglich, sich auf einen „neutralen“ Ort für die Feier zu einigen, so dass beide Familien daran Teil haben können. Der eine kümmert sich um das Essen, der andere um die Getränke etc. Dabei ist allerdings Gelassenheit oberste Pflicht. Natürlich sind die neuen Partner ebenfalls eingeladen und natürlich wird vor der Exfrau/dem Exmann nicht demonstrativ herumgeturtelt. Taktgefühl und gegenseitige Rücksichtnahme im Sinne des Kindes ist dann oberstes Gebot.