Bei Anlaufstellen von Selbsthilfevereinen und in einschlägigen Themenforen  stranden nach Trennung immer wieder Elternteile, die ihr Kind bereits seit Wochen, Monaten oder Jahren nicht mehr oder praktisch nicht gesehen haben. Manchmal gab es einige wenige Treffen mit dem Kind und dem anderen Elternteil, in anderen Fällen gab es während der Trennung zunächst eine Vereinbarung, die dann jedoch sehr schnell einseitig aufgekündigt wurde. Gemeinsam ist diesen Fällen, dass kein regelmäßiger Umgang stattfinden, wie ihn der Gesetzgeber als Recht des Kindes und für dessen Entwicklung wichtig ausweist.

Fatal hierbei, dass nicht Wenige Rat und Hilfe beim zuständigen Jugendamt oder einer caritativen Einrichtung suchten, nur um mit dem Rat nach Hause entlassen zu werden, gegen den Willen des anderen Elternteils sei das schwierig, da müsse man Einigungen finden.

Wenn sich der andere aber nicht einigen will?

 

 

Verbieten kann Ihnen den Kontakt nur ein Gericht

Häufig fühlen sich die Betroffenen vollkommen hilflos und sind auch selbst der Überzeugung, wenn der andere Elternteil den Kontakt nicht gestatte, sei dem nichts entgegen zu setzen. Insbesondere bezüglich des alleinigen Sorgerechts bestehen hier große Missverständnisse: Viele glauben, wer nach einer Trennung das alleinige Sorgerecht (bzw. Aufenthaltsbestimmungsrecht) inne habe, der könne auch alleine über den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil bestimmen.

Das ist falsch. Dieses verbreitete Gerücht geht vermutlich u.a. auf einen missverständlichen Wikipedia-Artikel zu diesem Thema zurück.

Der Gesetzgeber hat in §1626 Abs. 3 BGB festgehalten, dass der Umgang mit beiden Eltern zum Kindeswohl gehört. Grade nach Trennung wird dieser Paragraph besonders wichtig. Demnach müssten das Wohl des Kindes erheblich beeinträchtigende Gründe vorliegen, um den Umgang mit beiden Eltern nicht zu gewährleisten.

Demnach hat das Kind ein Recht auf die Beziehungspflege mit beiden Eltern – und weiteren wichtigen Bezugspersonen wie z.Bsp. den Großeltern – und diese haben dementsprechend ein Umgangsrecht mit dem Kind.

 

 

Und was nun?

Stellt sich ein Elternteil nach der Trennung quer, empfiehlt sich der sog. „Umgangsdreisprung“. Das beschreibt eine Eskalationsleiter, die den Wunsch, eine kooperative Lösung zu finden, in den Mittelpunkt stellt:

  1. Entwerfen Sie einen sinnvollen und möglichst alle wesentlichen Fragen klärenden Umgangsplan, den Sie dem anderen Elternteil direkt zukommen lassen mit der Bitte, sich auf diese Vorgehensweise außergerichtlich zu einigen. Berücksichtigen Sie in ihrem Plan unbedingt auch das zunehmende Alter des Kindes, Eintritt in Kindergarten oder Schule und ausgeübte Hobbies.
  2. Ist eine Einigung auf diesem Wege nicht möglich, weil man sich in der Hitze der Trennung über die genaue Ausgestaltung und den Umfang des Umganges nicht einigen kann oder der andere Elternteil sich einer Einigung ganz verweigert, ziehen Sie beratende Dritte hinzu. Entsprechende Gespräche bieten zum Beispiel die örtlichen Erziehungsberatungen und Jugendämter sowie Kinderschutzbund und Caritas an. (siehe Beratungs- und Hilfsangebote) Versuchen Sie dort mit Hilfe des Mediators/der Mediatoren eine Einigung zu treffen, welche Sie schriftlich festhalten.
  3. Bringt auch die Beratung keine verbindliche Einigung oder wird die dort getroffene Vereinbarung nicht eingehalten, steht am Ende der Eskalationsleiter das Familiengericht. Nicht nur ist die Bereitschaft, sich an einen gerichtlichen Beschluss zu halten in der Regel größer, darüber hinaus sollte in einen Umgangsbeschluss auch immer die Androhung von Ordnungsmitteln bei Zuwiderhandlung mit aufgenommen werden. Wer dann dem Beschluss nicht folge leistet, kann mit einem empfindlichen Ordnungsgeld bestraft werden.

 

 

Gute Kontinuität und böse Kontinuität

Bei aller Friedfertigkeit und dem Wunsch, sich nach der Trennung irgendwie mit dem anderen Elternteil des gemeinsamen Kindes zu verständigen, ohne „vor den Khadi“ zu ziehen, muss bedacht werden, dass der bestehende Zustand, insbesondere bei kleinen Kindern, im weiteren Verlauf eine große Rolle spielen kann.

Im Familienrecht ist häufig die Rede von der sog. Kontinuität, den Umständen also, die das Kind gewohnt ist. Mit Trennung gewinnt dieser Faktor an besonderem Gewicht. Um eine einmal eingetretene Kontinuität gerichtlich zu ändern müssen erhebliche Argumente vorgebracht werden. Nun schließen Gerichte zwar das Argument der schadhaften Kontinuität aus – es kann also z.B. ein Antrag auf Umgangsausschluss nicht erfolgreich mit der Erklärung begründet werden, es habe ja nie Umgang stattgefunden, daher sei das Kind es so gewöhnt – dennoch geht eine gerichtliche Regelung immer vom Status quo aus. Wenn also durch vehementen Umgangsboykott der Kontakt nach der Trennung über Monate oder Jahre gänzlich unterbunden wurde, dann ist das zwar kein Argument, um ihn weiterhin auszuschließen, allerdings wird dann mit der Begründung, es bestünde keine belastbare Bindung und Beziehung zum Umgangselternteil, erst einmal eine Kontaktanbahnung beschlossen werden, die begleitete, kurze und seltene Kontakte beinhalten kann.

Es sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen boykottierende Elternteile diese Anbahnungsphase immer wieder dazu genutzt haben, den Kontakt erneut einzuschränken oder zu verhindern, so dass es nie zum Aufbau einer belastbaren Beziehung kommen konnte.

Das zuständige Gericht steht dann immer und immer wieder vor demselben Problem: Mehr Umgang beschließen kann es nicht, weil erst eine Beziehung hergestellt werden muss. Dazu kommt es jedoch nicht. Schafft es auch eine Umgangspflegschaft nicht, den Beziehungsaufbau umzusetzen, entsteht im Laufe der Zeit eine sog. Präjudizierung durch Zeitablauf. Durch das Geschehene bzw. nicht Geschehene werden also die Entscheidungsmöglichkeiten des Gerichtes immer weiter eingeschränkt.

Viele Umgangselternteile reagieren nach Jahren und zahllosen Umgangsanträgen wütend auf diese Hilflosigkeit und beantragen letztlich das alleinige Sorgerecht oder Aufenthaltsbestimmungsrecht für das betroffene Kind, um somit praktisch ein für alle mal den Kontakt zu zementieren. Genau hier greift dann die Präjudizierung. Das Kind, das keine belastbare Beziehung zu diesem Elternteil hat, weil der andere es verhindert, kann nach den Grundsätzen des Familienrechtes – dem Kindeswohl – nicht ohne sehr, sehr gute Gründe aus dem gewohnten Umfeld herausgenommen und in die überwiegende Obhut eben des Elternteils gegeben werden, zu dem keine Bindung besteht.

Das würde zwar dem Gerechtigkeitsempfinden entsprechen und hätte zudem den Charakter einer klaren Sanktion gegen den boykottierenden Elternteil, das Kind allerdings könnte erheblichen Schaden durch diese Entscheidung nehmen, wenn es plötzlich den seit der Trennung vertrauteren Elternteil nur noch selten sehen dürfte und durchgehend von einem Elternteil betreut würde, das es kaum kennt, das womöglich auch negativ besetzt ist. (vgl. dazu Parental Alienation Syndrome)

Daher auch der häufig gehörte Ratschlag, nach und während einer Trennung immer erst die konsequente Umsetzung regelmäßiger Umgangskontakte zu verfolgen, bevor das (gemeinsame) Sorgerecht beantragt wird.

Was also ist zu tun, wenn der Umgang verhindert wird?

 

Quicktips Umgang

  • Erstellen Sie einen sinnvollen und realistischen Umgangsplan und legen Sie diesen dem anderen Elternteil vor. Seien Sie konkret, verlassen Sie sich nicht auf mündliche Absprachen. Vermeiden Sie „nach Tagesform“-Vereinbarungen, die Raum für Willkür und Konflikte schaffen.
  • Wenn eine Einigung nicht möglich ist, suchen Sie Hilfe. Zunächst bei beratenden Einrichtungen, bringt das keinen Erfolg, dann beim zuständigen Amtsgericht.
  • Warten Sie nicht zu lange! Die Zeit arbeitet gegen Sie, so lange kein Kontakt zum Kind stattfindet. Ihr Kind leidet und erleidet Schaden. Handeln Sie. Setzen Sie Fristen. Behalten Sie im Auge, wie lange „Einigungen“ dauern.
  • Scheuen Sie sich nicht, selbst eine Umgangspflegschaft zu beantragen. Ein Umgangspfleger wird auf Antrag bestellt, um die  Umsetzung des gerichtlich beschlossenen Umgangs zu gewährleisten, er kann die Umgänge oder auch die Abholungen und Rückgaben begleiten, Konflikte verhindern und hat einen kurzen Draht zum zuständigen Gericht, falls ein Elternteil sich dem Umgang verweigert.
  • Bieten Sie ggf. auch eigeninitiativ begleiteten Umgang an, sofern Ihnen der Kontakt mit der Begründung verweigert wird, das Kind sei in Ihrer Obhut gefährdet.
  • Wenn ein gerichtlicher Umgangsbeschluss mit Ordnungsgeldandrohung vorliegt, beantragen Sie Ordnungsgelder für boykottierte Umgangstermine.
  • Bitten Sie die involvierten Fachkräfte (Jugendamt, Verfahrensbeistand) aktiv um Hilfe. Warten Sie nicht darauf, dass jemand das Problem für Sie löst – das wird nicht passieren.
  • Machen Sie dem anderen Elternteil immer wieder Vorschläge, die geeignet sind, den Umgang doch noch zu ermöglichen und bemühen Sie sich immer wieder um Ansätze einer außergerichtlichen Einigung. Wenn ein gerichtlicher Umgangsbeschluss vorliegt, seien Sie am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit anwesend, auch wenn Sie absolut sicher sind, dass Ihnen das Kind nicht übergeben wird.
  • Stellen Sie ggf. Antrag auf einstweilige Anordnung des Umganges, damit schnelle Lösungen möglich werden.
  • Übertreten Sie keine Grenzen. So sehr es verlocken mag, einfach zu Kindergarten oder Schule des Kindes zu fahren und es dort abzufangen – tun Sie das nicht. Halten Sie sich konsequent an die getroffenen Vereinbarungen. Halten Sie engen Kontakt zu den Betreuungseinrichtungen oder der Schule des Kindes aber erzwingen Sie keinen Kontakt „außer der Reihe“.
  • Warten Sie ganz allgemein nicht darauf, „Recht zu bekommen“, sondern kümmern Sie sich konzentriert darum, möglichst schnell wieder regelmäßigen Kontakt zu ihrem Kind haben zu können. Sie wären nicht der/die Erste, der/die nach Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen, gescheiterten Beratungen und anderen Maßnahmen am Ende offiziell „Recht“ bekommt – und das Kind nie wieder sieht.