Nun hat doch tatsächlich Thomas Friedrichs vom Rosenkrieg-Blog Trennungmitkind.com für den Liebster Award nominiert. Was ist das für ein Award? Nun, ein ganz charmanter, denn er ist eine Initiative von Bloggern für Blogger und bedeutet: „Ich finde Deinen Blog klasse und möchte mehr über Dich als Autor erfahren!“

Einen ganz herzlichen Dank für das Lob zu allererst einmal an Dich, lieber Thomas.

Thomas und ich haben uns beim Netzwerken kennengelernt und verweisen bei entsprechenden Schnittstellen gerne auf den Blog des jeweils anderen. Das ergänzt sich ganz fantastisch, weil Thomas im Rosenkrieg-Blog sehr reflektiert und hautnah schildert, wie er als Betroffener Situationen erlebt, die hier auf Trennungmitkind.com aus einer sehr nüchternen, oft juristischen oder fachspezifischen Sicht beleuchtet werden.

Zum Liebster Award gehört es dann, dem Autoren – also mir – 11 Fragen zu stellen, die tiefere Einblicke in dessen Persönlichkeit, Werdegang, Ziele und Motivation schaffen sollen und der Autor – also ich – nominiert im Abschluss selbst 3 bis 6 andere Autoren von interessanten und hilfreichen Blogs.

 

Hier nun Thomas´Fragen und meine Antworten:

1. Was hat dich dazu bewegt, Blogger zu werden?

Eigentlich ein Schock, wenn man so möchte. Ich war schon lange und sehr erfolgreich in meinem Beruf als Headhunterin tätig und selbständig, als sich ein Geschäftspartner das Leben nahm, weil er seine Kinder nach der Scheidung nicht mehr sehen durfte. Das war für mich erschütternd und es ließ mich nicht mehr los. Gleichzeitig steckte ein enger Freund in einer sehr ähnlichen Situation, durfte seine kleine Tochter nicht sehen und ich wollte helfen. Also habe ich mich in die Materie eingearbeitet und über Jahre und Prozesse in mehreren Instanzen hinweg unfassbar viel Wissen über die Vorgänge nach Trennungen und Scheidungen mit Kindern gesammelt.

Ob ich bewusst „Blogger geworden“ bin, weiß ich gar nicht so genau. Es war mir wichtig, das geballte Wissen, das ich angesammelt hatte, an andere Betroffene weiter zu geben und damit so vielen wie möglich zu ersparen, dieselben Erfahrungen und Fehler erneut machen zu müssen, die ich schon hinter mir hatte. Da kam mir kein besseres Medium in den Sinn, als das Internet. Und wenn Du etwas zu sagen hast, das andere hören/lesen können sollen, lag für mich ein Blog nahe. Der ließ sich schnell einrichten, ich – als digital minderbegabte Persönlichkeit – konnte die Software bedienen, kam damit zurecht und konnte erst einmal diesen Stau an Output in die Welt hinaus lassen.

Wohin es sich entwickeln würde, war für mich so nicht abzuschätzen und ich hätte es mir auch kaum vorstellen können. Welche Macht das Medium Internet tatsächlich entwickelt, war für mich neu, obwohl ich in meiner Generation natürlich mit dem Netz aufgewachsen bin. Aber so aus der Nähe hatte ich es nie erlebt. Heute lesen täglich mehrere hundert Menschen meine Artikel, also tausende pro Monat. Das ist für mich  noch immer absolut unbegreiflich.

2. Was machst du, Morgens nachdem aufstehen, zu aller erst?

Also wenn ich eines keinesfalls bin, dann ein Morgenmensch. Die erste Stunde nach dem Aufstehen dient mir rein zum hochfahren des inneren Betriebssystemes mit Hilfe von Tee, Nikotin und einer nicht zu anspruchsvollen Tätigkeit – Emails lesen zum Beispiel. Merke: Lesen. Auf gar keinen Fall beantworten, denn dazu bin ich in diesem frühen Stadium keinesfalls imstande. Die Sprache hat mich dann noch nicht wieder und insgesamt ist nicht viel mit mir anzufangen, bis der Morgennebel sich aus meinem Kopf verzogen hat. Ich sitze dann zombiesk vor meinem PC und warte, bis sich das Gefühl einstellt, sinnvoll am allgemeinen Leben teilhaben zu können 😉

3. Welche Ausbildung/en hast du in deinem Leben genossen?

Streng genommen mehrere, wenn man sich auf klassische Ausbildungen beziehen möchte, aber für den Blog ist das weniger relevant. Von Haus aus habe ich einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, habe lange Jahre im In- und Ausland in der Key-Account-Betreuung und im Headhunting gearbeitet und habe vermutlich so viele Kommunikations- und Vertriebsschulungen hinter mir wie sonst nur Frontmänner der großen Banken ;). Schon das hatte mit dem ursprünglichen kaufmännischen Ansatz nicht mehr viel zu tun, sondern vielmehr mit der Arbeit mit und am Menschen. Es bot sich mir die Möglichkeit, mich in die objektive Hermeneutik einführen zu lassen. So kam ich auf meinen ganz persönlichen Spleen für Kommunikations- und Interaktionspsychologie. Das ist ein tiefes Interesse, das mich schon lange vor dem Trennungmitkind.com-Blog und dem Themenradius, den ich darin behandle, getrieben hat. Wieviele Bücher ich gelesen habe, Studien, Versuchsberichte etc. weiß ich heute nicht mehr und könnte es nicht beziffern. Es wurde mein Thema und ich habe begonnen, mich in meinem damaligen Beruf auf eine Art Profiling zu spezialisieren, das mich von der Konkurrenz abgehoben hat, so dass ich letztlich als junge Frau erfolgreich selbständig als Headhunterin arbeiten konnte in einem Fachsegment – technische Führungskräfte – das eigentlich von älteren Herren beherrscht wird. Gleichzeitig habe ich von Kindesbeinen an durch meinen heute leider verstorbenen Vater ein sehr solides Grundverständnis für die Funktionsweisen des deutschen Rechtssystems gewinnen dürfen, das ich in den Jahren darauf ebenfalls aus Eigeninteresse immer weiter ausgebaut habe. Sehr sehr wichtig war in diesem Kontext aus heutiger Sicht für mich die Zeit, in der ich als einzige Nicht-Juristin im größten deutschsprachigen Rechtsforum mitmoderieren und sehr viel von Anwälten und Anwältinnen unterschiedlichster Schwerpunkte lernen durfte.

Insofern muss und kann man sagen, was ich hier heute mit Trennungmitkind.com tue, habe ich nie konkre gelernt, es fügt sich eher aus diversen Bereichen schlüssig zusammen. Allerdings möchte ich jetzt zeitnah noch konsequenter Hilfestellungen leisten können. Deshalb bin ich im Begriff, mich hier um spezifische, insbesondere fachpädagogische und auch juristische Weiterbildungen zu kümmern. Ich möchte gerne als Verfahrens- und Umgansgpflegerin auch im gerichtlichen Auftrag tätig werden können und so Menschen helfen, die nicht selbst den Weg zum Blog finden.
4. Du hast drei Wünsche frei, was wünschst du dir?

Eine Instant-Revolutionierung des deutschen Familienrechtes, die viele Problemstellungen, mit denen ich mich heute gemeinsam mit Betroffenen auseinandersetze gar nicht erst aufkommen lässt, dass die Menschen den Drang verlieren, sich gegenseitig zu verletzen und zu schaden und einen Lebensvorrat von diesem fantastischen Eisteepulver, das es nur in der Schweiz zu kaufen gibt.

5. Was ist an deinem Blog so besonders und warum sollten die leute ihn verfolgen?

Es gibt keinen Vergleichbaren. Das höre und lese ich immer und immer wieder sowohl von Betroffenen als auch von Fachkräften, die für Gerichte in Familiensachen tätig sind. Neben all den teils sehr persönlich oder ideologisch eingefärbten Angeboten im Thema fehlte einfach eine nüchterne, sachliche Herangehensweise und auch der ultimative Fokus auf Soforthilfe für Betroffene war nicht da. Viele Verbände und Vereinigungen machen Politik – das ist das große Bild. Gleichzeitig im großen Bild und im Einzelfall wirklich konkret und sinnvoll helfen, halte ich für sehr schwierig. Dazu sind die Interessen dann einfach zu gegensätzlich.

Trennungmitkind.com macht keine Politik, sondern hat sich stur in den Kopf gesetzt, Hilfe zu leisten. Sei das durch Wissensvermittlung, Informationsbereitstellung, durch nützliche Links zu Angeboten anderer Anbieter oder durch ganz konkrete Einzelfallberatung durch mich persönlich. Das Wissen auf dieser Seite kann erheblichen Schaden vermeiden, wenn man es sich rechtzeitig aneignet und das Feld ist weit, es gibt so viel zu erklären, zu ergründen und weiter zu geben.
6. Wer bin ich und wenn ja, wieviel? Diese Frage hat „Richard David Precht“ in seinem Buch behandelt und uns an die großen Fragen der Philosophie heran geführt. Was bedeutet diese Frage für dich persönlich?

Sie bedeutet für mich die Wandelbarkeit und den Facettenreichtum der menschlichen Persönlichkeit. Niemand ist „nur“ Mann oder Frau, „nur“ Vater oder Mutter, „nur“ Blogautor oder Postbote, Polizistin oder Bankangestellter. Aber wir versteifen uns häufig auf eine dieser vielen Seiten an uns, wenn die Emotionen überkochen und verlieren unser großes Ganzes aus dem Blick und damit auch die Relation der Dinge, die uns ärgern, verletzen oder umtreiben.

Ein Schritt zurück, damit man wieder Wald statt Baum sieht, hilft oft.
7. Beschreibe deinen Blog in 3 Stichwörtern.

Informativ, nützlich, notwendig
8. Angenommen es gäbe wirklich einen Gott und du darfst diesem eine Frage stellen, welche wäre das?

Würdest Du es nochmal tun?
9. Wie gehst du mit Kritik zu deinem Blog um?

Inzwischen sehr professionell, hoffe ich. Am Anfang war das nicht so einfach. Zwar haben mich Freunde, auch Internet-affinere Freunde als ich selbst, davor gewarnt, dass mit steigender Bekanntheit bald auch kritische Stimmen laut werden würden, als dann aber tatsächlich teilweise sehr wilde Vorwürfe auftauchten, hat mich das sehr irritiert und auch geärgert. Das Themenfeld in dem ich mich bewege ist emotional sehr aufgeladen und auch hochpolitisch. Dass nicht alle meiner Meinung sind ist normal und damit kann ich gut umgehen. Aber es kommen in regelmäßigen Abständen und je nach aktuellem Artikelthema auch Vorwürfe auf, der Blog sei wahlweise „väterfreundlich“ oder „mütterfreundlich“ oder „systemfreundlich“ und dergleichen. Das ärgert mich. Mit konkreter, greifbarer Kritik kann und will ich konstruktiv umgehen. Aus meinem direkten Netzwerk lesen jederzeit mehrere Fachkräfte unterschiedlicher Bereiche mit und würden mich auf grobe zum Beispiel inhaltliche Fehler sofort ansprechen. Das ist mir sehr wichtig, auch für meine Leser, um die Qualität meiner Artikel zu sichern.

Geärgert, also wirklich richtig geärgert, haben mich Versuche von anderen Anbietern von Betroffenenberatung, in Artikelkommentaren haltlos meine Artikel zu zerreißen, um dann im Fließtext Werbung für die eigene Seite oder ein eigenes Produkt zu platzieren. Das fand ich frech und hochgradig unprofessionell.
10. Alles Ansichtssache, oder?

Absolut. Jeder Mensch generiert seine eigene Realität aus seinem Fundus an Erfahrungen, Wissen, Gefühlen und Wünschen/Zielen. Wir alle leben in einer eigenen kleinen Welt, sind uns dessen aber viel zu selten bewusst. Dabei kann das Ausbrechen aus der eigenen kleinen Blase und ein Blick in die Blase eines anderen viele Missverständnisse ausräumen und es sehr viel leichter machen, gut miteinander aus zu kommen.
11. Was ist dein nächstes Projekt?

Wie erwähnt will ich den konsequenten nächsten Schritt gehen und die Fachweiterbildung zur Verfahrens- und Umgangspflegerin absolvieren. Das, was ich hier tue, ist in meinen Augen einfach zu wichtig, um es halbherzig zu machen. Für den Blog selbst schweben mir diverse Ideen im Kopf herum wie mehr Interaktivität, Austauschmöglichkeiten für Betroffene, vielleicht ein angebundenes Forum oder ein Chat, in dem man sich schneller und einfacher austauschen kann, ohne für eine politische Strömung rekrutiert zu werden. Das sind kleine Verbesserungen für die Leser, die nach und nach kommen werden und irgendwann wohl auch den Umbruch mit sich bringen vom Blog zur Website. Darauf bin ich sehr gespannt und freue mich.

 

 

Noch einmal ganz herzlichen Dank an Thomas Friedrich vom Rosenkrieg-Blog für diese Nominierung. Deine Fragen waren taff aber auch sehr spannend und es hat Spaß gemacht, sich damit auseinander zu setzen.

Ich nominiere für den Liebster Award:

Susanne Petermann vom Stiefmutterblog

Den Herrn Doktor von kinderdoc.wordpress.com

Hans-Georg Nelles von vaeter-und-karriere.de

Eine weitere Wahl wäre eindeutig Lutz Bierend von fatherleft gewesen, aber da Lutz sich schon mit Melanies Fragen befassen darf und auch schon mehrfach nominiert war, belasse ich es hier bei einer Erwähnung ehrenhalber 😉

 

11 Fragen an die Nominierten:

  1. Wenn Dir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte „In 10 Jahren bist du Blogger“, was hättest du geantwortet?
  2. Was hat dich an deinen oder bezüglich deiner Leser am meisten überrascht?
  3. Was war der glücklichste Zufall deines bisherigen Lebens?
  4. Wenn du heute deinen Blog noch einmal ganz neu starten würdest – was würdest du anders machen?
  5. Hast du einen „Traum“?
  6. Angenommen morgen würde das Internet abgeschaltet – was würdest du tun?
  7. Was hat dich im Internet bisher am meisten geärgert?
  8. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn…?
  9. Welche Jahreszeit liegt dir am meisten und warum?
  10. Gab es ein alternatives Thema, über das du gerne bloggen würdest oder gebloggt hättest?
  11. Dein Blog in 5 Jahren…?

 

 

Und so gibst du den „Liebster Award“ weiter:

  • Verlinke die Person, die dich nominiert hat auf deinem Blog
  • Beantworte meine 11 Fragen
  • Wähle Blogs aus, die du nominieren möchtest
  • Teile den jeweiligen Bloggern mit, dass du sie nominiert hast
  • Formuliere 11 Fragen, die du den Nominierten stellst

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