“Du sollst mir keine Marmelade auf´s Brot machen, das ist nicht gut für sie Zähne!”

Es gibt so manche Aussage, die man von einem Kind nicht erwartet. Ermahnungen zum eigenen Erziehungsstil gehören fraglos dazu und machen stutzig – welches Kind wehrt sich aus Vernunftgründen gegen Süßes? Ein entsprechend beauftragtes Kind zum Beispiel.

Wenn Elternteile nach einer Trennung den direkten Kontakt zueinander meiden, nicht oder nur ungern mitenander sprechen oder anderweitig kommunizieren, greifen viele aus schlichter Bequemlichkeit auf einen Mittler zurück – das Kind. Ihm werden Anweisungen, Verbote und Gebote mit auf den Weg zum anderen Elternteil gegeben. So spart man sich die frontale Auseinandersetzung und – zudem – hat man dem Kind nur oft genug gesagt, es dürfe dort keine Marmelade essen, wird es die Marmelade irgendwann von ganz alleine verweigern.

Dass hierbei das Kind ganz hemmungslos in die Stellvertreterrolle seiner Eltern getrieben und mit es völlig überfordernden Konflikten konfrontiert wird, nicht nur mittelbar sondern ganz direkt als Teilnehmer an der Diskussion, gerät aus dem Blick. Die Autorität der Eltern leidet, denn das Kind begreift sehr schnell, dass es nahezu alles mit Rückendeckung eines Elternteils erreichen kann, wenn es nur vorgibt, der jeweils andere wolle das Gegenteil durchsetzen.

Welche erheblichen Konflikte so entbrennen können, welche weitreichenden Folgen das nach sich ziehen kann und wie erheblich die Eltern-Kind-Beziehung leidet, wenn das Kind durch den Abwesenden Elternteil in die Partnerrolle gegenüber dem anwesenden Elternteil “befördert” wird, scheint vielen Betroffenen gar nicht bewusst zu sein.

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