Eine Trennung mit Kind ist emotional belastend. Das stellen viele Elternteile fest, wenn ihnen bewusst wird, dass ein völliger Kontaktabbruch zum früheren Partner, wie es oft bei Trennungen ohne Kind praktiziert wird, faktisch nicht möglich ist. Durch die gemeinsamen Kinder bleiben die Erwachsenen miteinander verbunden – der Umgang der Kinder mit beiden Elternteilen muss ermöglicht werden und das bedeutet wiederkehrende Begegnungen. Ist die Trennung dann noch frisch, Verletzungen und Vorwürfe noch sehr präsent, kann ein solches Aufeinandertreffen schnell eskalieren. Laute Worte, Anklagen und sogar aggressives Auftreten kommen vor – und das vor den Kindern. Um Trennungskinder vor eben diesen verstörenden Erlebnissen zu schützen, aber auch um Umgang zu gewährleisten, wenn das betreuende Elternteil sich unkooperativ zeigt und Umgänge verweigert, steht den Familiengerichten das Werkzeug der sogenannten Umgangspflegschaft zur Verfügung.

 

Umgangspflegschaft ist kein begleiteter Umgang

Häufig wird die Umgangspflegschaft von Betroffenen und Außenstehenden mit der Anordnung von begleiteten Umgängen gleichgesetzt, dabei handelt es sich ausdrücklich um zwei völlig unterschiedliche Instrumente, die zudem in vollkommen unterschiedlichen Ausgangssituationen zum Tragen kommen:

Begleiteter Umgang wird gewöhnlich angeordnet, wenn

  • kaum oder keine Bindung zwischen Elternteil und Kind besteht und diese erst aufgebaut werden muss – der Umgangsbegleiter hat sich dann vorab mit dem Kind bekannt gemacht und dient ihm als alternative Bezugsperson beim Umgang. Das vermittelt dem Kind Sicherheit.

  • Bedenken über die Pflege und Betreuung des Kindes durch das umgangsberechtigte Elternteil bestehen – in diesem Fall beobachtet die Umgangsbegleitung die Interaktion und das Sorgeverhalten des betroffenen Elternteils und unterstützt ggf. durch Ratschläge und Tips im Umgang mit dem Kind.

  • laufende Verfahren strafrechtlicher Natur mit Bezug zu Kind und umgangsberechtigtem Elternteil anhängig sind wie zum Beispiel ein Verfahren wegen Misshandlung oder Missbrauch. In diesem Fall dient die Begleitung bis zur Klärung dem unmittelbaren Schutz des Kindes und ist oft einzige Alternative zum vorübergehenden Umgangsausschluss.

  • das überwiegend betreuende Elternteil den Umgang aufgrund großer Bedenken verweigert, das Kind sei beim umgangsberechtigten Elternteil nicht gut versorgt oder betreut – in diesem Fall kann durch die Umgangsbegleitung die Blockadehaltung aufgelöst werden, weil eine fachkundige Person versichern kann, dass es dem Kind dort gut geht.

 

Hierbei wird deutlich, dass der begleitete Umgang auf andere Problemstellungen der Nachtrennungssituation reagiert als eine  Umgangspflegschaft. Diese deckt vorwiegend andere Konfliktfelder ab, die zumeist weniger mit dem Kind direkt als mit den von Trennung betroffenen Eltern zusammen hängen:

Eine Umgangspflegschaft wird gewöhnlich angeordnet, wenn

  • das überwiegend betreuende Elternteil die Herausgabe des Kindes zum Umgang verweigert oder Bedingungen damit verbindet. Hierzu kann der Umgangspflegschaft durch das zuständige Gericht das Recht zugesprochen werden, die Herausgabe der Kinder zum Umgang zu verlangen und deren Aufenthalt für die Zeit des Umganges zu bestimmen.

  • das Kind selbst den Umgang verweigert oder nur unter Protest wahrnimmt und die Gründe hierfür darin vermutet werden können, dass es dem überwiegend betreuenden Elternteil nicht gelingt, das Kind authentisch zum Umgang zu motivieren. Hier übernimmt einerseits die Umgansgpflegschaft teils die Aufgabe des betreuenden Elternteiles, das Kind positiv auf die Umgänge einzustimmen, zum anderen unterstützt sie das betreuende Elternteil dabei eben diese Motivation und Bestärkung des Kindes zum Umgang einzuüben.

  • die Elternteile (noch) nicht zu einer ruhigen, konfliktfreien Übergabe des Kindes imstande sind und es daher vor dem Kind zu Auseinandersetzungen kommt. Hier dient die Umgangspflegschaft als Puffer zwischen den Eltern, um das Kind vor deren Konflikt zu schützen. Darüber hinaus ist es Aufgabe der Pflegeperson, die Eltern bei der Gestaltung kindgerechter Übergaben anzuleiten und zu unterstützen.

  • die Elternteile sich aus triftigen Gründen nicht persönlich begegnen sollen oder können. Zum Beispiel aufgrund eines Annäherungsverbotes, eines Aufenthalts in einem Frauenhaus oder vergleichbar.

     

Dabei können die Grenzen beider Felder durchaus miteinander verschwimmen. Während es für die Umgangspflegschaft sinnvoll sein kann, einen Umgang zu begleiten, um sich ein Bild der Bindung zwischen Elternteil und Kind zu machen oder um akute Bedenken des betreuenden Elternteiles zu zerstreuen, so kann auch eine Umgangsbegleitung bereits bei Übergabe des Kindes von einem Elternteil zum anderen moderierend anwesend sein. Grundsätzlich jedoch liegen beiden Aufgabenfeldern in der Regel unterschiedliche Ausgangssituationen zu Grunde.

 

Was darf die Umgangspflegschaft?

Tatsächlich hat der Umgangspfleger/die Umgangspflegerin nicht mehr Rechte als das umgangsberechtigte Elternteil – im Gegenteil. Das zuständige Gericht kann, muss jedoch nicht das Recht, den Aufenthalt des Kindes während des Umganges zu bestimmen, auf die Pflegeperson übertragen. Darüber hinaus bestehen keine gesonderten Rechte oder Befugnisse. Allerdings tritt die Umgangspflegschaft als neutrale dritte Person in der Situation auf, welche zudem regelmäßig über Fachwissen aus Recht und/oder Pädagogik verfügt. Entsprechend können Verweigerungshaltungen, die mit missverstandenen Rechtsauffassungen oder unbegründeten Bedenken zusammenhängen gewöhnlich rasch aufgelöst werden. Zudem führt ein Umgangspfleger/eine Umgangspflegerin auch vorab und fortlaufend Gespräche mit den betroffenen Eltern, erörtert die  Situation und klärt über Rechte und Pflichten der Einzelnen auf.

Insofern fußt ein Gutteil der Pflegschaft auf Information, Beratung und Unterstützung der Elternteile in der Konfliktsituation.

Ausdrücklich nicht erlaubt ist der Einsatz körperlicher Gewalt, zum Beispiel indem ein Kind gegen seinen Willen ins Auto gezerrt wird. Sehr wohl jedoch kann, bei einem zu Grunde liegenden vollstreckbaren Beschluss, eine Umgangspflegschaft theoretisch Hilfe durch die örtliche Polizei anfordern, um die Herausgabe des Kindes zu erwirken. Hierbei richtet sich das Tätigwerden der Polizei allerdings ausdrücklich gegen das die Herausgabe verweigernde Elternteil, keinesfalls gegen ein verweigerndes Kind. Von einem derart extremen Vorgehen wird man jedoch in aller Konsequenz Abstand nehmen, sofern irgend möglich, um das Kind nicht durch einen solchen Polizeieinsatz erheblich zu verstören und zu verängstigen.

Darüber hinaus darf und muss die Umgangspflegschaft natürlich auch mit dem Kind sprechen und, je nach Alter, im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, das Kind selbst zur Wahrnehmung des Umganges zu bewegen. Das kann einerseits durch Aufklärung, Bestärkung und Zuspruch geschehen, nimmt das betreuende Elternteil hierbei jedoch seine erzieherische Verantwortung nicht wahr, dem Kind zu erklären, dass Umgang grundsätzlich wahrzunehmen ist und ähnlich wie der Schulbesuch nicht der Frage unterliegt, ob hinreichend Lust dazu besteht, kann auch das der Umgansgpflegschaft zufallen. Hier ist die Pflegeperson in der Situation, abschätzen zu müssen, in wie weit der Kindeswille Einfluss auf die Ausübung des Umganges haben sollte und in wie weit sinnvoll auf das Kind eingewirkt werden kann, um den Umgang zu gewährleisten.

Wann, wieviel und ob Umgang stattfindet, entscheidet die Umgangspflegschaft ausdrücklich nicht. Der Umfang wird stets durch das Gericht vorgegeben oder durch die Eltern gerichtlich gebilligt vereinbart. Lediglich zum Beispiel im Rahmen eines Aufbauplanes, wenn das Kind noch keine stabile Bindung zum Umgangselternteil hat aufbauen können, kann die konkretere Ausgestaltung des Umganges im Sinne des Kindeswohles der Umgangspflegschaft überlassen sein. In aller Regel wird allerdings ein konkreter Zeitplan  vorgegeben in welchem gewisse Zwischenziele erreicht sein sollten wie zum Beispiel eine gewisse Anzahl an Stunden oder eine Übernachtung.

 

Wie läuft die typische Umgangspflegschaft ab?

Gewöhnlich wird im Rahmen eines Umgangsverfahrens die Umgangspflegschaft durch das Gericht direkt oder auf Antrag einer der Parteien oder des Verfahrensbeistandes angeordnet. Er ergeht dann ein Beschluss dahingehend, dass eine solche Pflegschaft eingerichtet wird und wer diese übernehmen soll. Wie oft und wann Umgang genau stattfinden soll legt das Gericht allerdings selbst fest bzw. treffen die Eltern dahingehend einen gerichtlich gebilligten Vergleich.

Da eine vom Gericht berufene Umgangspflegschaft offizielle Handlungsbefugnis erhalten muss, können zwischen dem ergangenen Beschluss und dem Tätigwerden leider noch Wochen vergehen. Das ist allerdings bürokratisch oft kaum vermeidbar.

Folgend wird die Pflegerin oder der Pfleger das Vorabgespräch mit den Elternteilen suchen und die Aktenlage soweit einsehbar studieren. Hierbei ist die Umgangspflegschaft einzig in das relevante Umgangsverfahren eingebunden und nicht in womöglich ebenso betriebene Sorgerechts- oder Unterhaltsverfahren und hat diesbezüglich keine Einblicke oder Informationen. Innerhalb der Elterngespräche wird die genaue Situation, die bestehenden Probleme und der weitere Ablauf erörtert und um die aktive Mithilfe der Eltern geworben.

Dann wird der Umgang wie vom Gericht beschlossen mit Unterstütung der Umgangspflegschaft umgesetzt. Dabei kann, je nach schwere der Konflikte, der Umgangspfleger/die Umgangspflegerin lediglich daneben stehen, wenn die Eltern das Kind übergeben und die Situation später mit den Beteiligten durchsprechen und Verbesserungen vorschlagen, ebenso ist aber möglich, dass die Eltern sich gar nicht begegnen und stattdessen der Umgangspfleger/die Umgangspflegerin das Kind bei einem Elternteil abholt und zum anderen Elternteil bringt. Auch bei Übergaben an Kindergarten oder Schule kann die Pflegschaft anwesend sein und moderierend mitgestalten. In meist regelmäßigem Turnus spätestens jedoch zu jeder weiteren Anhörung im Rahmen anhängiger Umgangsverfahren wird die Umgangspflegschaft einen Bericht für das zuständige Gericht verfassen, in welchem die bisherigen Abläufe und Fortschritte dokumentiert und ggf. Vorschläge für weitere Hilfestellungen dargelegt werden.

Desto besser die Eltern mit der Zeit selbst in der Lage sind, die Umgänge umzusetzen und die Übergabe zu gestalten, desto weiter zieht sich folgend die Umgangspflegschaft aus dem Geschehen zurück. Ziel ist grundsätzlich, die Eltern dazu zu befähigen, den Umgang selbst konfliktfrei für das Kind möglich zu machen. Es handelt sich also ausdrücklich niemals um eine Dauerlösung. Auch aus diesem Gedanken heraus sind Umgangspflegschaften grundsätzlich befristet, gewöhnlich auf maximal sechs Monate.