Noch vor vielen anderen Themen, die nach einer Trennung mit Kind für die Betroffenen relevant werden sorgt der Umgangsausschluss nicht nur für zahlreiche Missverständnisse, sondern auch für viel mediale Aufmerksamkeit. Über Trennungsfamilien, welche sich letztlich doch zusammenraufen, einen Weg finden, für die Kinder sinnvoll weiter zu machen, wird selten berichtet. Stattdessen führen viele Fälle von Umgangsausschluss zu einem mehr oder weniger lauten Presseecho, auch und grade, weil Betroffene schließlich Hilfe in der Öffentlichkeit suchen.

 

Was bedeutet Umgangsausschluss?

Nach geltendem Recht kann der Umgang zwischen einem Kind und seinen Eltern oder einem Elternteil durch ein Gericht ausgeschlossen werden, wenn es das Kindeswohl erfordert. Allerdings darf Umgang grundsätzlich nur befristet ausgeschlossen werden, es muss also festgelegt werden, nach Ablauf welcher Zeitspanne die Situation neu durch das Gericht geprüft werden muss. Ein Umgangsausschluss unterliegt einer sog. Negativprüfung, wie sie seit Wirksamwerden der Gesetzesnovellierung rund um das Sorgerecht für nicht eheliche Väter ebenfalls gilt. Das bedeutet, dass der Umgang dem Kind unmittelbar schaden muss. Im Gegensatz dazu würde eine Positivprüfung verlangen, dass der Umgang dem Kind nützt, also einen unmittelbaren Vorteil verschafft, der ohne den Umgang nicht gegeben wäre. Die Beweislast läge beim Betroffenen. So liegt sie bei der Gegenpartei bzw. bei dem Gericht, das den Umgangsausschluss in Erwägung zieht.

In der Umsetzung finden sich sehr unterschiedliche Auslegungen eines Umgangsausschlusses. Sie reichen vom Ausschluss persönlicher Treffen, während jedoch Briefe, Telefonate oder sogar Begegnungen unter therapeutischer Begleitung eingeräumt werden bis hin zu völligem Kontaktausschluss zwischen Eltern(teil) und Kind. Die durchschnittliche Befristung liegt bei rund einem Jahr. Man geht davon aus, dass eine kürzere Kontaktunterbrechung nur wenig Effekt hätte und ein längerer Zeitraum den Sinn der neuen Prüfung ad absurdum führen würde.

In jedem Fall ist ein Jahr ohne persönlichen Kontakt für ein Kind, insbesondere ein jüngeres Kind, eine kaum noch zu fassende Zeitspanne. Im Grunde wird die Beziehung damit auf 0 gesetzt.

 

Wann kommt ein Umgangsausschluss in Frage?

Wie erwähnt kann ein Ausschluss des Umganges nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn der Umgang dem Kind unmittelbar Schaden würde. Dabei ist ausdrücklich von entwicklungsrelevantem Schaden die Rede, nicht von unterschiedlichen Erziehungsstilen oder Weltanschauungen. Ein erheblicher Schaden für das Kind wird zum Beispiel angenommen wenn:

  • Dringender Verdacht besteht, dass Missbrauch stattgefunden hat oder dieser als belegt gilt

  • Dringender Verdacht besteht, dass Misshandlungen stattgefunden haben oder diese als belegt gelten

  • Die Begegnung mit dem Elternteil/den Eltern selbst für das Kind traumatisch sein könnte, wie z.B. bei Drogensucht, Alkoholismus oder schweren psychiatrischen Erkrankungen

  • Ein entwicklungsschädlicher Einfluss der Eltern/des Elternteils auf das Kind besteht z.B. durch paranoide Störungen („Da draußen ist jemand, der will dich holen!“) oder auch Sektenzugehörigkeit („Alle anderen sind Ungläubige und müssen vernichtet werden!“)

  • Wenn das Kind selbst sich vehement gegen den Kontakt wehrt und nur mit Zwang und ggf. Gewaltanwendung zum Umgang zu bewegen wäre – das gilt auch dann, wenn das Kind diese Haltung durch Beeinflussung entwickelt hat

 

In allen anderen Fällen wird in der Regel nicht der Umgang gänzlich ausgeschlossen sondern, wenn andere Mittel versagen, auf ein Minimum reduziert. Insbesondere wenn Beeinflussung durch den/die Umgangsberechtigten geschieht, ist eine Reduktion auf Minimalumgang zum Beispiel einmal monatlich für wenige Stunden klassische Herangehensweise. Diese Regelungen finden sich zum Beispiel häufig bei in Obhut genommenen Kindern, deren leibliche Eltern es nicht schaffen, ihre negative Haltung gegenüber der Pflegefamilie oder der Heimunterbringung von den Kindern fern zu halten und somit im Umgang konstant die akute Lebensrealität der Kinder mit Ablehnung, welche die Kinder auf diese Beeinflussung hin entwickeln, erschweren.

Generell wird ein Umgangsausschluss nur dann in Betracht gezogen, wenn die Belastung für das Kind auf anderem Wege nicht reduziert oder abgestellt werden kann. So können, insbesondere bei drogen- oder alkoholabhängigen sowie psychiatrisch erkrankten Eltern(teilen) Lösungen durch begleitete Umgänge durchaus noch möglich sein, wenn das Kind hierdurch ausreichend geschützt werden kann.

 

Umgangsausschluss, weil der andere Elternteil es so will?

Immer wieder kommt es vor, dass überwiegend betreuende Elternteile einen völligen Umgangsausschluss bei Gericht beantragen. Begründungen erstrecken sich hierbei von Uneinigkeiten in der Erziehung über Verhaltensauffälligkeiten des Kindes nach dem Umgang bis hin zu der Erklärung, der Elternteil selbst sei durch das Gewähren des Umganges so belastet, dass es dem Kind schade. All das sind, wie wir erfahren haben, selbstverständlich keine validen Gründe für einen Umgangsausschluss.

Der Gesetzgeber hat ausdrücklich festgestellt, dass Umgang mit beiden Elternteilen nach einer Trennung in der Regel dem Kindeswohl dient. Dies war Grundstein für die oben erwähnte Negativprüfung – es wird zunächst einmal angenommen, dass Umgang mit Vater und Mutter die beste Lösung für das Kind ist. Das Gegenteil müsste demnach erst einmal bewiesen werden.

Zudem stehen heute, im Vergleich zur familienrechtlichen Landschaft vor zehn oder zwanzig Jahren und auch durch Fortschritte in Forschung und Wissenschaft heute deutlich flexiblere und vielfältigere Möglichkeiten für Umgangsregelungen zur Verfügung, die es erleichtern auch in hochstrittigen Fällen andere Lösungen zu finden. So entkräftet zum Beispiel die heute schon weitreichend übliche Regelung, die Kinder über Schule, Kindergarten oder Hort von einem Elternteil zum anderen wechseln zu lassen das Argument, einer der Beteiligten könne die direkte Begegnung mit dem ehemaligen Partner nicht ertragen oder es käme dann zu erheblichen Konflikten vor dem Kind.

Auch durch Instrumente wie den begleiteten Umgang und die Umgangspflegschaft stehen den Familiengerichten Möglichkeiten zur Verfügung, Umgangsregelungen zu entzerren und deeskalierende Abläufe zu begünstigen. Für eine Reduzierung oder gar einen Ausschluss des Umganges liegt dann in der Regel gar kein Grund mehr vor.

 

Väter sind wichtig, Umgang ist wichtig

Ungeachtet der deutlichen Bewegung sowohl gesellschaftlich als auch familienrechtlich, die immer klarer zu einer modernen, partnerschaftlichen Elternrolle tendiert und alte, ausgediente Modelle der sorgenden Mutter und des versorgenden Vaters überholt, ist Umgang und damit auch der Umgangsausschluss jenseits von Inobhutnamen nach wie vor ein relatives Väter-Thema. Obschon viele „Vätervereine“ sich zwischenzeitlich geöffnet haben, grade im Hinblick auf eine steigende Zahl von Müttern in vergleichbarer Situation.

Auch wenn die Zahl „alleinerziehender“ Väter kontinuierlich steigt leben noch immer über 80% aller Trennungskinder überwiegend bei der Mutter und paritätische Betreuungsmodelle sind selten gelebt und umgesetzt. Somit hat auch ein sich veränderndes Verständnis der Vaterrolle und der Relevanz des Vaters für die Entwicklung der Kinder einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass die Voraussetzungen für ein Aussetzen des Umganges immer schwieriger wurden.

Wichtig war hierbei das Loslösen von der Annahme, die Kinder bräuchten Allem voran die Mutter und der Vater sei eher strukturelles als emotionales Beiwerk und Hinkommen zu der Erkenntnis, dass ein „Herausstreichen“ des Vaters aus der Gleichung durch einen Umgangsausschluss um zum Beispiel Konflikte zwischen den getrennten Eltern aufzulösen, den Kindern mehr schadet als ein konstruktiver Umgang mit diesen Konflikten unter Fortführen, mitunter sogar Ausweiten der Umgangskontakte.

Man kam weg von der Idee, die Kinder vor den Konflikten schützen zu wollen, indem man sie vom Vater fern hielt und damit vor allen Dingen auch den Vater von der Mutter. Derartige Lösungen waren vor zwanzig Jahren noch verbreitet. Immerhin können nicht eheliche Väter auch erst seit einigen Jahren gegen den Willen der Kindesmutter das Sorgerecht für ihre Kinder beantragen mit einer reellen Chance, es zu erhalten.

Zwischenzeitlich ist ein relativ nüchterner Status quo erreicht. Von einzelnen Ausnahmen abgesehen scheuen sich Gerichte, Umgangsausschlüsse anzuordnen. Ohne ein vorangehendes familienpsychologisches Gutachten geschehen solche Beschlüsse praktisch gar nicht. Teillösungen mit therapeutischer Begleitung oder begleiteten Kontakten werden deutlich vorgezogen. Auch und grade weil mittlerweile viele Betroffene gut informiert eben solche Lösungen aktiv beantragen, wenn ein Umgangsausschluss im Raum steht.

Die kategorische Verpflichtung zur Anwendung der mildesten Mittel zwingen die zuständigen Gerichte in diesen Fällen, machbare, weniger eingreifende Maßnahmen zumindest auszuprobieren, bevor an einen Ausschluss gedacht wird.