Erwachsene kennen die Weihnachtszeit ja ohnehin als eher arbeitsintensiv, oft auch stressbelastet oder sogar nervenzehrend. Nicht selten verschärfen sich diese Punkte nach einer Trennung bei gemeinsamen Kindern noch zusätzlich. Selbst wenn um den Aufenthalt der Kinder an den einzelnen Weihnachtstagen und zwischen den Jahren alles geregelt ist und funktioniert, spätestens mit den Geschenken tritt einer der Konfliktauslöser schlechthin auf die Trennungsbühne. Und weil nicht selten an dieser banalen stelle Streitigkeiten beginnen, die sich über das ganze Jahr hinziehen und andere, viel umfangreichere Konflikte zur Folge haben können, wollen wir dieses Problem einmal ausführlich beleuchten und aufzeigen, weshalb die falsche Puppe oder ein rotes Fahrrad schon Trennugen haben eskalieren lassen.

 

Warum machen wir Geschenke?

Das Drama beginnt schon mit einem großen Missverständnis vorab: Weshalb schenken wir unseren Kindern überhaupt etwas zu Weihnachten oder zu ihrem Geburtstag? In aller Regel nicht, um damit konkrete, überlebensnotwendige Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen, sondern vor allen Dingen um ihm eine Freude zu machen, das Strahlen in den Kinderaugen zu sehen, wenn das Geschenkpapier durch die Luft fliegt und der Inhalt zum Vorschein kommt. In einer nicht getrennten Familie ist das in aller Regel auch allen bewusst. Nicht jedes Geschenk muss durch und durch sinnvoll oder pädagogisch wertvoll sein. Es darf auch einmal einfach schön sein, dringend erwünscht oder einfach Spaß machen. Schon in dieser Situation erleben wir eine unterschiedliche Gewichtung der Geschenke aus der unmittelbaren Familie und denen von Dritten. Wird den Großeltern oft noch zugestanden, Geschenke zu machen, die das Kind einfach nur glücklich machen für den Moment, werden weiter entfernten Verwandten nicht selten schon ganz konkrete Vorgaben gemacht, was das Kind “braucht”. Desto weiter ein Schenkender vom Alltag des Kindes entfernt ist, umso größer die Wahrscheinlichkeit klarer Geschenkvorgaben. Doch nicht immer. Manchmal schwappt eine gewisse Kontrollfreude in dieses Thema hinein – auch ganz ohne Trennung der Eltern – und allen außerhalb der Kernfamilie werden klare Vorgaben zu erwünschten Geschenken gemacht. Das mag pragmatisch anmuten, führt allerdings den Hauptsinn des Ganzen mitunter ad absurdum. Der mögliche Schaden für ein Kind durch ein weniger durchdachtes Geschenk, so lange es altersgerecht ist, ist zweifellos begrenzt.

 

Sowas schenken “wir” nicht!

Oft zeigen sich all überall kurz nach Weihnachten oder den Geburtstagen zwei Grundkonflikte und es wird feurig diskutiert. Entweder um den erzieherischen Wert der Geschenke des anderen Elternteils oder vermeintlich manipulative Aspekte, die sich vorwiegend am Preis oder der Größe festmachen. Soll bedeuten: Entweder das Spielzeug wird als nicht angemessen oder dem Erziehungsziel nicht hilfreich wahrgenommen, oder man unterstellt den Versuch, durch besonders große, teure oder sehnlich gewünschte Geschenke das Kind zu bestechen. Letzteres ist natürlich weit hergeholt, wenn man bedenkt, dass einmal Weihnachten und ein Geburtstag im Jahresverlauf unter normalen Umständen unmöglich eine ernsthafte manipulative Wirkung entfalten können, vollkommen unabhängig davon, was geschenkt wird.

Dabei geht es also meist gar nicht so sehr um eine tatsächlich vorstellbare Wirkung beim Kind sondern um die (moralischen) Beweggründe des anderen Elternteils und man verrennt sich schnell in pure Spekulation. Selbst wenn man dessen Gründe wirklich beurteilen könnte, wäre man noch immer nicht in der Position, diese zu bewerten. Schon gar nicht merklich oder hörbar für das Kind. Darum geht es allerdings häufig. Beeinflussung beginnt nicht bei konkreten Beleidigungen des anderen Elternteils vor dem Kind sondern bei solchen Kleinigkeiten. Abschätzigen Kommentaren zu einem Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk. Kinder, die unter PAS leiden, formulieren mitunter Kritik an den Geschenken des abgelehnten Elternteils, die nahezu wörtlich solche Kommentare wiedergeben. “Der/die schenkt mir immer Sachen, die viel zu teuer sind.” oder “Der/die schenkt mir Sachen die für mein Alter gar nicht gedacht sind.” Sätze also, die kein Kind von selbst anbringen würde und die hörbar aus dem Mund eines Erwachsenen stammen müssen.

Ein anderes großes Streitthema ist immer wieder der pädagogische Wert eines Spielzeuges. Ist die Puppe zu sexistisch? Die Wasserpistole zu realistisch und begünstigt gewalttätiges Verhalten? Das Spiel zu laut und hektisch und dreht das Kind auf? Diskussionen, die in nicht getrennten Familien mit zwei Sätzen im Geschäft geklärt wären schaukeln sich zu gewaltigen Debatten auf. Nicht selten auch weil derjenige Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt, die volle Kontrolle über die Erziehung für sich alleine beansprucht. Aus der Rechtsgrundlage, dass die Eltern sich nach Trennung diesbezüglich einigen müssen wird ein “Er/sie muss sich mit mir einigen!” – also mit dem, bei dem das Kind hauptsächlich lebt. Das wird dann zu einem sehr beständigen Boden für immer neue Konflikte kleinerer oder größerer Natur um die Frage, ob ein Weihnachtsgeschenk einen Erziehungsstil beschädigen kann. Konstruktive Gespräche um Erziehungsziele gibt es dabei in aller Regel nicht. Stattdessen werden laufende Konflikte durch vermeintliche Vorgaben, Verbote oder Anweisungen verschärft, zu denen es dem überwiegend betreuenden Elternteil schlicht am Entscheidungsrecht mangelt. Nicht selten treibt das den anderen Elternteil in eine Blockadehaltung und es entwickeln sich aus dem Nichts Streitereien, die über Jahre andauern können.

 

Weihnachtsbonus zum Unterhalt?

Auch problematisch aber etwas seltener vertreten ist die Idee, Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke seien eine Art Naturalergänzung zum sonstigen Kindesunterhalt. Grade wenn die Kommunikation ansonsten leidlich klappt kommen hier gerne, im Stile wie sonst mit entfernteren Verwandten gelebt, Anweisungen an den Umgangselternteil und häufig auch dessen Eltern, was zu schenken wäre. Meist finden sich auf diesen “Wunschzetteln” des betreuenden Elternteils dann allerdings nicht Spielsachen, die das Kind sich wünscht, sondern Dinge des Alltages wie Kleidungsstücke, Einrichtungsgegenstände oder dergleichen. Das wiederum mag pragmatisch anmuten, ist allerdings ein Garant für Streitereien früher oder später, weil der andere Elternteil nicht bereit sein wird dauerhaft auf die Freude des Schenkens zu verzichten. Insbesondere dann nicht, wenn ihm oder ihr klar wird, was das tatsächlich bedeutet: Während vom Umgangselternteil und oft auch den dortigen Großeltern Geschenke kommen, die das Kind als solche in aller Regel gar nicht wahrnehmen wird, feiert der Betreuungselternteil die Schenkung schöner und ersehnter Spielsachen über die das Kind sich unbändig freut. So geht ein Teil der Weihnachtsfreue und auch der Geburtstagszelebration für den Umgangselternteil und das Kind einfach verloren, wenn nicht dann zusätzlich zum praktischen Geschenk noch weitere angeschafft und überreicht werden. Nicht selten dann zu kritischsten Kommentaren des Betreuungselternteils, man solle doch nicht so viel schenken, nicht versuchen, das Kind zu kaufen und dergleichen.

 

Worum geht es denn wirklich?

Um zwei Dinge geht es bei all diesen Debatten und Streitereien in der Regel nicht: Das Kind und die Geschenke.

Tatsächlich sind die Weihnachtsgeschenke ebenso wie die Geburtstagsgeschenke nach Trennung ein sehr beliebter Kriegsschauplatz für elterliche Machtspiele. Wer entscheidet worüber und wie weit kann der- oder diejenige das auch durchsetzen. Manche Elternteile öffnen die Geschenke der Familie des anderen Elternteils vorab und sortieren aus, was dem Kind tatsächlich übergeben wird oder schicken sogar einzelne Geschenke wieder zurück. Lesen beigelegte Briefe und maßen sich an darüber zu entscheiden, ob das Kind ihn lesen soll oder nicht. Manche tauschen sogar einzelne Geschenke um, ohne dass das Kind sie je zu Gesicht bekommen hat. Hierbei geht es nicht um das Kind oder dessen ungestörte Entwicklung. Es geht um Kontrolle und Macht. Das Argument, es schade sonst womöglich dem Kind, ist das mit Abstand am häufigsten missbrauchte nach einer Trennung und rund um das Schenken fällt es ständig.

Wie kann man es besser handhaben?

 

Quicktips Geschenke vom anderen Elternteil

  • Zunächst einmal gehen Sie Geschenke des anderen Elternteils an das Kind schlicht nichts an, so lange keine unmittelbare Gefährdung für das Kind davon ausgeht (wie z.Bsp. bei einer Motorsäge, einem Film für Volljährige bei einem Sechsjährigen oder einem Spielzeug mit Kleinstteilen für Sechsjährige bei einem Kleinkind).
  • Sowohl ihr Kind als auch der andere Elternteil haben ein Recht auf eine gewisse Privatsphäre. Diese umfasst auch gegenseitige Geschenke – Sie haben also schlicht kein Recht, Geschenke an das Kind vorab zu öffnen, zudem Sie auf diese Idee bei Geschenken der eigenen Eltern ja auch nie kämen.
  • Weihnachten und Geburtstage sind der falsche Rahmen für Diskussionen über Erziehungsziele. Wenn Sie das gesamte Jahr über keinen Dialog suchen dahingehend, was das Kind erleben, erfahren und erlernen soll und sich das an Weihnachten rächt, weil das geschenkte Spielzeug ihrer Philosophie entgegen läuft, dann müssen sie generell mehr und besser miteinander reden. Und bedenken Sie, dass nicht Sie alleine diese Entscheidungen treffen können und dürfen. Tun sie das dennoch, sind solche Konflikte eine logische Folge.
  • Man muss es nicht provozieren. Wenn Sie erahnen können, dass ein bestimmtes Geschenk beim anderen Elternteil nicht auf Freudensprünge stoßen wird, bedenken Sie die Möglichkeit, es dem Kind bei sich zu Hause zu schenken und auch dort zu belassen. Das nimmt viel Konfliktpotential von vorn herein aus dem Umgang miteinander.
  • Sind Sie tatsächlich unsicher und der konstruktive Dialog funktioniert – sprechen Sie vorher miteinander und seien Sie ehrlich zueinander. Neue Bettwäsche ist nun einmal kein Ersatz für eine sehnlich erwünschte Puppe und das können Sie dem anderen Elternteil genau so auch klar sagen. Sie wollen etwas schenken, nicht die Haushaltskasse entlasten.
  • Wenn Sie ein gemachtes Geschenk nicht begeisternd finden, nutzen Sie einfach die Gelegenheit und machen Sie es zum Übergangsobjekt. Lassen Sie das Kind es schlicht mitnehmen zum anderen Elternteil. So hat es eine Verbindung der beiden zu Hause und Sie haben es aus den Augen.
  • Kommentieren Sie niemals die vermeintliche Qualität eines Geschenkes oder die Beweggründe, es ausgesucht zu haben, vor dem Kind und hüten Sie sich jedwede abwertenden Gesten oder Blicke nach einem Geschenk des anderen Elternteils zu werfen. Hier beginnt bereits Beeinflussung die dem Kind schadet.