1.  Über Wochen oder sogar Monate und Jahre völligen Umgangsboykott oder fortgesetzte Ausfälle im Umgang dulden, weil der andere Elternteil – ggf. mit Unterstützung einer nicht entscheidungsbefugten Institution – es so möchte.

    → Viele Betroffene schaffen sich selbst eine desaströse Ausgangsposition, indem bei Umgangsboykott viel zu lange gewartet wird, bis ernste Schritte unternommen werden. Es gilt jederzeit kritisch den Faktor Zeit im Auge zu behalten.

  2. Aus Angst vor Boykotten oder sonstigen Repressalien den Schritt zu einer verbindlichen Umgangsregelung unterlassen.

    → Viele Betroffene lassen sich durch Drohungen und Schauerbilder davon abschrecken, ihrerseits zeitnah nach einer Trennung auf eine verbindliche Umgangsregelung via Jugendamt oder Familiengericht hin zu wirken. Oft schafft das erst den Rahmen für eskalierende Umgangsstreitigkeiten.

  3. Sich gegen eine konkrete und verbindliche Umgangsregelung versperren.

    → Natürlich ist es sehr bequem, je nach Belieben Umgang wahrzunehmen, mal viel, mal wenig, mal länger, dann mal ein Paar Wochen gar nicht – für das Kind ist das aber hochproblematisch und die damit einhergehende Planungsunsicherheit für den anderen Elternteil ist auch niemandem zuzumuten. Zudem leider häufig nicht verarbeitete Trennungskonflikte auf diese Weise ausgetragen werden – wenn der andere Elternteil ständig Gewehr bei Fuß stehen muss, weil eventuell Umgang stattfinden könnte, hat er/sie immerhin keine Zeit, sich einen neuen Partner/eine neue Partnerin zu suchen.

  4. Die Ideologie von Kriegstraumatisierten übernehmen.

    → Viele Betroffene stoßen in Themenforen und Selbsthilfegruppen auf durch Kontaktabbrüche traumatisierte andere Elternteile und übernehmen mittelfristig die dort erlebte mitunter schon ans paranoide grenzende Abwehrhaltung gegen das Jugendamt, Verfahrensbeistände, eine Umgangspflegschaft oder gar Anwälte und Richter und begegnen wichtigen Dritten – ohne je selbst irgendeine Negativerfahrung gemacht zu haben – argwöhnisch bis feindseelig. Das bringt grundsätzlich bestenfalls Nachteile, nie Vorteile.

  5. Umgang als Meßlatte der Elterngerechtigkeit begreifen.

    → Viele Betroffene streben nicht die Umgangsregelung an, die für sie selbst und das Kind am sinnvollsten oder am sichersten umsetzbar ist, sondern eine, die ihnen möglichst „gerecht“ gegenüber dem anderen Elternteil erscheint. Das führt allerdings den Sinn dessen ad absurdum. Wenn das Kind am Ende zwar häufiger da ist, in dieser Zeit jedoch Frust und Ärger dominieren, weil die Regelung gar nicht zur Lebensrealität passt, verlieren alle Beteiligten.

  6. Das eigene Kind als Kunden binden wollen.

    → Viele Betroffene sind von der ständigen Angst begleitet, das Kind könnte sich aufgrund der seltenen gemeinsamen Zeit von ihnen abwenden, wenn es nicht ständig auf´s Neue begeistert wird. Dabei vertrauen viele nicht auf sich selbst als begeisternswert, sondern greifen auf aufwändige und oft kostspielige Events zurück, die das Kind bei Laune halten sollen. Doch so geht die wertvolle Erfahrung gemeinsamen Alltags mittelfristig verloren, allem voran oft die Erfahrung der Erziehung, denn Konflikte werden gemieden. Eben das schwächt jedoch die Bindung zwischen Kind und Elternteil nachhaltig.

  7. Alles ganz genau so machen, wie der andere Elternteil.

    → Kontinuität und Rituale sind super für Kinder – es sei denn, die reichen Erfahrungen, zwei Elternteile zu haben, werden davon aufgefressen. Eben das geschieht nicht selten, wenn aus Angst, etwas „falsch“ zu machen, wegen Druck, den das andere Elternteil ausübt oder aus simpler Faulheit minutiös alle Abläufe, Gepflogenheiten und Rituale des anderen Elternteils in die Umgangszeit übernommen werden. Dem Kind geht so die Möglichkeit verloren, zwei unterschiedliche Herangehensweisen zu erfahren – alles ist eins, alles wird eins. Die Individualität der beiden Eltern als Person wird für das Kind unsichtbar.

  8. Umgangszeit als Date zelebrieren.

    → Oft genug auf Druck des anderen Elternteils klammern viele Betroffene die Umgangszeit aus ihrer übrigen Lebensrealität strikt aus. Das Kind soll und kann nicht einfach in die Lebenswirklichkeit des Umgangselternteils eintauchen, stattdessen wird in einer regelrechten Date-Atmosphäre künstlich Zweisamkeit ernötigt, oft in Verbindung mit Events (Punkt 6). Typisches Merkmal dessen ist das Ausklammern im Leben des Elternteils wichtiger Dritter (neuer Partner, weitere Kinder) vom Umgang, als müssten dort zwingend Grenzen gezogen werden. Für das Kind bedeutet das mittelfristig, die Natürlichkeit der Elternbeziehung zu verlieren, weil alle Treffen etwas spürbar künstlich Intensives entwickeln.

  9. Den Umgang nicht wahrnehmen.

    → Wenn ein Elternteil keinen Umgang wahrnimmt, gibt es zahllose Erklärungen und Begründungen. Die Häufigste wird sein, dem Kind ginge es ja gut in der „neuen Familie“ beim betreuenden Elternteil und man wolle da nicht stören oder das Kind werde durch den Elternkonflikt belastet, wenn Umgang umgesetzt würde. Dass ein Kind durch Verlust der Beziehung zu einem leiblichen Elternteil erheblichen Schaden nimmt – immer, das ist auch der Grund, aus dem glücklich aufgewachsene Adoptivkinder dennoch irgendwann händeringend nach den leiblichen Eltern suchen – wird ausgeblendet und oft genug werden diese Erklärungen vorgeschoben, weil man den Aufwand oder die Konftontation mit dem anderen Elternteil scheut. Für das Kind ist Umgangsausfall immer eine Katastrophe.

  10. Das Kind beeinflussen.

    → Kommt die Angst auf, das Kind bzw. die Beziehung zum Kind zu verlieren, greifen Umgangselternteile zu unterschiedlichen „Lösungsansätzen“. Viele veranstalten Events (Siehe Punkt 6), andere versuchen, die Bindung zum anderen Elternteil oder dessen neuem Partner/dessen neuer Partnerin zu stören, weil sie dort drohende Konkurrenz um die Liebe des Kindes sehen. Das Kind soll möglichst klare Preferenzen zu Gunsten des Umgangselternteiles zeigen, dann, so der Gedanke, kann trotz der seltenen Kontakte nichts mehr passieren, denn wo soll das Kind emotional hin? Genau das ist jedoch desaströs für betroffene Kinder. Die Bindung zu einem Menschen, mit dem sie oft sehr viel Alltag verbringen, wird beschädigt – völlig unnötig, denn Liebeskonkurrenz in diesem Sinne gibt es nicht im Kopf des Kindes, nur im Kopf der betroffenen Erwachsenen – und muss immer wieder neu repariert werden, wenn der Umgang vorüber ist. Das kann Störungen bis ins Erwachsenenalter beim Kind auslösen.