Mediation, also von einem Dritten moderierte Gespräche, sind heute fester Bestandteil des familienrechtlichen Konstruktes. Regelmäßig wird betroffenen Eltern in Kindschaftssachen eine Mediation nahegelegt, um außergerichtliche Übereinkünfte zu erreichen.

Solche moderierten Elterngespräche im Sinne einer Mediation zur Beilegung von Konflikten führen berufsmäßige Mediatoren ebenso durch wie die örtliche Erziehungsberatung, die Caritas, der Kinderschutzbund und verschiedene weitere, meist gemeinnützige Organisationen und Initiativen. Viele dieser Angebote sind für Betroffene kostenlos.

 

Was ist eine Mediation?

Um den möglichen Nutzen aber auch den potentiellen Schaden einer Mediation zu verstehen, muss zunächst klar sein, was genau eine Mediation ist. Im Rahmen einer echten Mediation moderiert eine dritte, neutrale Person in einer lösungsorientierten Diskussion zwischen zwei betroffenen Parteien in einem Konflikt.

Eine wesentliche, wenn nicht die gewichtigste Aufgabe des Mediators/der Mediatorin besteht darin, die Diskussion konsequent bei der Sache zu halten und emotionale, polemische und vorwurfsvolle Elemente so weit als möglich aus zu klammern. Ein guter Mediator nimmt grundsätzlich keine Seite ein, sondern ist seinerseits den möglichen Lösungen des Konfliktes verpflichtet. Ebenso wichtig, insbesondere in Elterngesprächen nach einer Trennung, ist das konsequente trennen unterschiedlicher Themen und Konflikte, um einzelne überhaupt lösbar werden zu lassen.

Insofern begleitet ein Mediator/eine Mediatorin die Streitparteien in der Entwicklung von Lösungen, die möglichst allen beteiligten und betroffenen Personen gerecht wird – hierzu nun zählen über die tatsächlich anwesenden Eltern hinaus natürlich auch die betroffenen Kinder und ggf. auch weitere Bezugspersonen.

 

Warum grade bei Trennungskonflikten die Mediation so wichtig ist

In kaum einem anderen Umfeld hat sich die Mediation inzwischen derart etabliert wir in Trennungskonflikten, in denen Kinder mitbetroffen sind.

Wie es dazu kam ist schnell erklärt – der Gesetzgeber verpflichtet Eltern auch nach einer Trennung dazu, sich im Sinne der Kinder miteinander zu verständigen und ggf. zu einigen, insbesondere bei Vorliegen des gemeinsamen Sorgerechts, das der Gesetzgeber als Regelfall betrachtet, und in jedem Fall in allen Dingen das Kind/die Kinder betreffend.

Können oder wollen Eltern nach einer Trennung nicht (mehr) miteinander kooperieren, handelt es sich, streng genommen, um eine latente und vermeidbare Kindeswohlgefährdung. Es steht ihnen nicht frei, den/die Ex „nie mehr wieder sprechen zu wollen“ – denn das Kind hat ein Recht auf kooperative Eltern. Trennungseltern sind insofern klar dazu verpflichtet, nach Lösungen für das Kind/die Kinder zu suchen, auch entgegen persönlicher Befindlichkeiten und Interessen.

Können sie das ohne Hilfe nicht, ist es Aufgabe der Mediation, Wege zu sachlichen Lösungen aufzuzeigen und die Eltern in der Entwicklung solcher Lösungen zu schulen und zu unterstützen mit dem Ziel, dass die beteiligten Elternteile zukünftig ohne Moderation durch Dritte imstande sein werden, sachbezogene und sinnvolle Lösungen zu erarbeiten, unabhängig von jeweiligen Gefühlen und Gemütslagen.

Aufgrund dessen versuchen auch Gerichte mit Nachdruck außergerichtliche Lösungen zu forcieren, Eltern zu Mediation und Beratung anzuhalten und den Gesamtkonflikt auf diesem Wege zu deeskalieren oder zumindest keine weitergehende Eskalation zuzulassen.

 

Mediation als Machtinstrument

Manchmal funktioniert das. Viele Trennungseltern schaffen es mit Hilfe einer guten Mediation, eine andere Herangehensweise an Konflikte zu entwickeln und einen konstruktiven Umgang mit der Situation zu erlernen.

Aber leider nicht alle.

So wird Mediation leider mit zunehmender Häufigkeit ein Instrument von Verzögerungstaktiken. Insbesondere in Umgangsrechtskonflikten werden Berichte von hinausgezögerten Umgangsboykotten und -einschränkungen via Mediation immer häufiger.

Ein Schlüsselelement hierbei ergibt sich durch einen problematischen Ansatz mancher Gerichte, die Ausweitung oder Umsetzung einer Umgangsregelung an die erfolgreiche Mediation zu knüpfen oder dieser das Herstellen einer solchen Regelung gänzlich zu überlassen.

Streiten sich also zwei Elternteile nach der Trennung über Häufigkeit, Ausgestaltung oder Länge des Umganges des nicht ständig betreuenden Elternteils mit dem Kind/den Kindern, verweist das zuständige Gericht ohne weitere Maßgabe, häufig lediglich mit Beschluss des Mindestumganges, an die jeweilige Beratungsstelle. Beabsichtigt ist, die Eltern somit zu einer eigenen, außergerichtlichen Umgangsregelung zu drängen.

Allerdings liegt in diesem Ansatz ein fataler Denkfehler – denn eine erfolgreiche Mediation benötigt zwingend die Lösungsabsicht der Parteien. Beide müssen eine Lösung wollen und anstreben – der Mediator/die Mediatorin gestaltet letztlich den konstruktiven Weg dort hin.

Bei der beschriebenen Situation ist das jedoch nicht gegeben. Durch das Einschränken des Umganges auf ein Minimum hat das Gericht durchaus Einfluss auf den Konflikt genommen – es hat demjenigen Elternteil, das keinen oder nur wenig Umgang wünscht gegeben, was er oder sie will. Und einen Hebel noch dazu – denn eine Umgangsausweitung soll es ja nur geben, wenn die Mediation erfolgreich verläuft. Damit hat dieses Elternteil gar kein Interesse am erfolgreichen Verlauf der Mediation und erstrecht nicht an den vom Gericht eigentlich erhofften Lösungen. Er oder sie hat ja, was er will.

So kann die Mediation in ihrer eigentlichen Natur der Konfliktlösung gar nicht greifen und die Gespräche mutieren nicht selten zu verzweifelten Versuchen, das nicht lösungsinteressierte Elternteil mit gutem Willen und Sachargumenten von der Falschheit seiner oder ihrer Haltung zu überzeugen.

Die Parteien sind nicht gleichgestellt. Einer bittet, einer gewährt – oder eben auch nicht. Zu Lösungen führt das in aller Regel nicht, sondern zu weiteren Gerichtsverfahren, wenn nach Wochen oder Monaten ohne jedes Ergebnis der umgangsberechtigte Elternteil die Reißleine zieht und eine gerichtliche Regelung erzwingt. Nicht selten zu seinem oder ihrem Nachteil – denn wer die Mediation abbricht, der will sich ja offenbar nicht gütlich einigen.

 

Kompetenzen und Kuriositäten

Ein anderes Problemfeld der Mediation ist die durchwachsene Landschaft derer, welche sie anbieten und durchführen. Wir erwähnt ist Aufgabe eines Mediators eigentlich ausschließlich die sachorientierte Moderation von Konfliktlösungen. Tatsächlich spiegeln sich in Berichten Betroffener jedoch andere Zustände.

Nicht selten fehlt es an wesentlichen Grundqualifikationen oder die Natur der Mediation als solche ist bei durchführenden Dritten scheinbar unbekannt. Statt sachlicher Ordnung der Umstände sehen sich betroffene Elternteile mit Wertungen und Ideologien konfrontiert. Dabei steht es einem Mediator eigentlich gar nicht zu, die Wertigkeit einer Konflikthaltung zu beurteilen. Alleine das Lösungsergebnis ist sein Aufrag.

Auch tauchen immer wieder kuriose und grundfalsche Rechtsratschläge durch beratende Dritte auf. Ob aus Unwissen oder einem wenig professionellen Versuch heraus, die Gesprächssituation zu beeinflussen, werden angebliche juristische Tatsachen behauptet, die zum Beispiel in den Urbanen Legenden nachzulesen sind, Laienwissen und Ideen aus dem Volksmund zu hochkomplexen familienrechtlichen Fragestellungen, die Betroffene mit teils katastrophalen Folgen in die Irre führen.

 

Mediation – ja oder nein?

Was bedeutet all das nun für Betroffene, die eine Mediation in Erwägung ziehen oder durch ein Gericht zur Mediation angehalten wurden? Sollte man eine Mediation ablehnen aus oben genannten Gründen?

Ausdrücklich: Nein.

Eine Mediation bietet die Chance, einen neuen Umgang mit dem ehemaligen Partner/der ehemaligen Partnerin unter professioneller Anleitung zu erlernen und die folgenden Jahres des Miteinanders deutlich friedlicher und befriedigender für alle Betroffenen zu gestalten. Ein guter Mediator/eine gute Mediatorin kann Ihnen wertvolle Techniken an die Hand geben, um gesunden Abstand mit sinnvoller Kooperation unter einen Hut zu bringen.

Sollte es nicht klappen – aus welchen Gründen auch immer – haben Sie lediglich Zeit verloren. Wenn Sie diesen Faktor bewusst bedenken, können Sie nur gewinnen.

Quicktip

  • eine Mediation ist immer zunächst eine Chance, die Sie nutzen sollten. Es kann vieles einfacher, harmonischer und auf lange Jahre hinaus besser für Sie und Ihr/e Kind/er machen.
  • Wenn Konflikte nach der Trennung auftreten, empfiehlt es sich, selbst zunächst den Weg der Mediation zu suchen, bevor das zuständige Gericht um Hilfe angerufen wird. So sparen Sie ggf. nicht nur viel Geld, wenn eine außergerichtliche Lösung erreicht werden kann, darüber hinaus ersparen Sie sich den Weg vom Gericht zurück zur Mediation, wenn diese Möglichkeit noch nicht ausgeschöpft wurde.
  • Mediation ist keine (Paar-)therapie und hat ein konkretes Ziel: Lösungen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Mediation befasst sich nicht mit den Zielen sondern mit Aufarbeitung von Gefühlen oder dergleichen, formulieren Sie das und prüfen Sie ggf. Sinn und Zweck dessen kritisch.
  • Eine Mediation hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn beide Parteien zur Zusammenarbeit mit dem Mediator/der Mediatorin bereit und fähig sind. Sind Sie selbst das nicht, macht eine Mediation keinen Sinn, Sie werden den von Ihnen gewünschten Ergebnissen nicht näherkommen.
  • Der Wille beider Parteien, generell zu einer Lösung zu gelangen, ist wesentlich, damit eine Mediation überhaupt gelingen kann. Wenn Sie hier erhebliche Zweifel haben, formulieren Sie diese. Fragen Sie konkret danach, welche Lösungen in welchen Fragen Ziel der Gespräche sind. Haken Sie nach. Überlegen Sie, welche Ausgangslage notwendig ist, damit alle Beteiligten an Lösungen interessiert sind.
  • Behalten Sie den Faktor Zeit im Auge, denn dieser ist das eine potentielle Schadmoment einer Mediation. Sie braucht Zeit. Diese Zeit allerdings soll und darf keine Fakten schaffen, das führt sonst den Ansatz der Mediation ad absurdum. Formulieren Sie das auch deutlich gegenüber dem zuständigen Gericht, wenn notwendig.