1. Das Kind in die Trennung hineinziehen.
    Ein absolutes Tabu nicht nur nach sondern auch unmittelbar vor und in der Trennung ist es, das gemeinsame Kind mit hinein zu ziehen, indem es – offen oder subtil – dazu gedrängt wird, sich für eine „Seite“ zu entscheiden. Nicht das Kind wird sich trennen und nicht das Kind muss seine Gefühle für den anderen Elternteil verändern. Es gibt keinerlei Grund für das Kind, sich zwischen den Eltern zu entscheiden. Das zu verlangen ist schädliche Instrumentalisierung des Kindes aus Eigeninteresse.

  2. Heimlich ausziehen – mit oder ohne Kind.
    Sowas konnten Sie zu Studentenzeiten bringen, wenn Sie morgens verkatert neben einem fremden Menschen aufgewacht sind. Als Elternteil geht so etwas nicht, denn entweder verlassen Sie damit zunächst einmal sang- und klanglos Ihr Kind, oder Sie entziehen dem anderen Elternteil zunächst einmal das Kind ohne Rücksprache. Alleiniges Aufenthaltsbestimmungsrecht dank fehlender Heirat und vorherigem Vertrauen ist kein Argument – als Elternteil sind Sie in der Pflicht, sich um eine erwachsene und vernünftige Trennungsumsetzung zu bemühen.

  3. Das Kind von einem Elternteil trennen.
    Völlig gleich ob Sie selbst gehen und den Kontakt zum Kind abbrechen, weil Sie es in seiner Eigenheit abstreiten und nur als Teil des Ex/der Ex sehen wollen oder ob Sie im Zuge der Trennung den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil erschweren oder sogar verhindern – in jedem Fall handeln Sie damit zum Schaden des Kindes, das somit zu Unrecht in die Konsequenzen Ihrer Entscheidung auf Paarebene einbezogen wird. Sie bleiben immer gemeinsam Eltern. Diese Verbindung lässt sich nicht kündigen, hieraus kann man sich nicht trennen.

  4. Alte Rechnungen begleichen.
    Auch wer schon immer die Schwiegermutter hasste oder die beste Freundin nicht leiden konnte sieht nicht selten seine Chance gekommen, dem- oder derjenigen einen Denkzettel zu verpassen. Das Kind wird ohne Hemmung instrumentalisiert – zu dem oder der soll es keinen Kontakt haben, auch nicht beim anderen Elternteil. Hier werden persönliche Unsympathien über das Kind als Werkzeug ausgelebt, denn das Kind hat eigene Bindungen und Beziehungen zu Dritten und verdient in diesen Zuneigungen Respekt gegenüber seiner persönlichen, emotionalen Individualität. Es darf Menschen mögen, welche Sie nicht mögen.

  5. Das Kind als Schlüssel benutzen.
    Durch das gemeinsame Kind bleiben Eltern ein Leben lang verbunden, auch wenn die Paarbeziehung scheitert. Verlockend, insbesondere für den/die Verlassene/n, durch die verbleibende Verbindung aufgrund des Kindes ein wirkliches Loslösen zu verhindern, in das Leben des anderen Elternteils einzudringen und eine tatsächliche Verarbeitung der Trennung und ein konstruktives Hinwenden zum neuen Lebensabschnitt zu verhindern. Hierbei verlieren allerdings alle – beide ehemaligen Partner und das Kind, denn die Beziehung ist vorüber und ein Festhalten an der Bindung mit dem Kind als Druck- oder Lockmittel eine hochproblematische Selbsttäuschung.

  6. Den anderen Elternteil zu ersetzen
    Die eigene Vorstellung von einem harmonischen Familienleben ist oft so stark, dass sie auch auf Kosten der anderen Beteiligten angestrebt wird. Löst sich eine Paarbeziehung mit gemeinsamen Kindern auf, erleben nicht Wenige den Impuls, das scheinbar zerbrochene Harmoniegefüge schnellstmöglich wiederherstellen zu wollen – indem der verlorene Partner durch eine neue Vater-/Mutterfigur ersetzt werden soll. Hierbei verliert vor allen Dingen das Kind, denn es hat zwei biologische Eltern und nur diese. Patchwork kann bereichernd und erfüllend für die betroffenen Kinder sein, aber nur dann, wenn damit nicht der Druck einhergeht, sich zwischen „richtigem“ und „neuem“ Elternteil entscheiden zu sollen.

  7. Schlafende Hund wecken
    Im akuten emotionalen Ausnahmezustand einer Trennung oder Scheidung werden schnell und verfrüht möglichst große Geschütze gegen den ehemaligen Partner aufgefahren. Nicht wenige Geschütze sind, einmal aufgefahren, nur schwer wieder von der Bildfläche zu bugsieren. Sind Anwälte, Jugendämter, Familiengerichte oder sogar Polizei und Staatsanwaltschaft erst einmal involviert, ist es mitunter schwer bis unmöglich von der entstandenen Eskalationsstufe wieder einen vernünftigen Schritt zurück zu treten. Das führt oft nicht nur zu erheblichen vermeidbaren Kosten für alle Beteiligten sondern kann auch teils kaum kontrollierbare Kreise ziehen, auch für denjenigen, der die Obrigkeiten bemüht.

  8. In blinde Egozentrik verfallen
    Die größten Probleme und Konflikte entstehen nach Trennung oder Scheidung in der Regel dann, wenn einer der Beteiligten die Gesamtsituation nur noch oder vorwiegend durch seine persönliche Verletztheit und Wut hindurch betrachtet, beurteilt und daraus agiert. Trennen Sie Emotionales und Objektives konsequent voneinander. Sachlichkeit ist wichtig und schützt alle Beteiligten vor Eskalation und vermeidbarem Mehrschaden. Behalten Sie das große Ganze im Auge und rücken Sie jederzeit das wirklich Wesentliche ins Zentrum Ihrer Überlegungen: Das Wohlergehen der Kinder.

  9. Trennung und Wiederannäherung durcheinanderbringen
    Zwischenmenschliches lässt sich nicht immer klar abgrenzen. Ist eine Trennung unsicher, soll sie nur auf Zeit geschehen oder steht im Hintergrund der Wunsch nach Abstand um eine neue Annäherung der Beteiligten unter Umständen möglich zu machen, bemühen Sie sich umso mehr um klare Abgrenzung der Sachthemen von der emotionalen Ebene, insbesondere für die Kinder. Sie als Erwachsene können sich innerhalb des Beziehungsgefüges nach Belieben orientieren, insbesondere bei solchen Konstellationen können und dürfen die Kinder jedoch keinesfalls involviert werden. Ein solches emotionales Auf und Ab ist für ein Kind nicht zu verarbeiten. Halten Sie es konsequent von ihrer Paarebene fern, bis diese stabil und geklärt ist, egal mit welchem Endergebnis.

  10. Klare Absprachen versäumen
    Grade weil eine Trennung mit Kind immer eine unvollständige Trennung sein muss, sind klare Absprachen und Fronten ein absolutes Muss. Nicht wenige Konflikte entstehen durch Fehlen solcher klaren Verhältnisse. Finden Sie je für sich oder gemeinsam ein konkretes Konzept Ihres neuen Miteinanders, das sich auf die gemeinsame Elternschaft beschränken wird und kommunizieren Sie dieses auch klar gegenüber dem anderen Elternteil. Klären Sie, ob gemeinsamer Kaffee bei Abholung des Kindes wirklich hilft oder am Ende nur kaschiert, dass Ihnen gefühlt hierdurch zu viel Abstand kurz nach der Trennung verloren geht. Vermeidbare Eskalationen durch klare Positionen der Beteiligten schützen Sie und das Kind vor Belastungen und Ärger.