Umgangsregelung

Nach Trennung oder Scheidung mit Kind ist häufig eine Umgangsregelung notwendig, um den Kontakt des Kindes mit Vater und Mutter zu organisieren. Kinder haben grundsätzlich das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen, so wie von Trennung betroffene Eltern unabhängig vom Sorgerecht ein Umgangsrecht mit dem Kind haben.

Weihnachten als Trennungsfamilie

Eigentlich sollte es eine besinnliche, friedliche Zeit sein, in der grade Familien zueinander finden. Genau das macht aber die Weihnachtszeit für Eltern nach einer Trennung mit Kind besonders schwierig. Es gibt kein Zusammenkommen, zumindest nicht in der Form wie früher. Das Kind spürt grade jetzt sehr deutlich, dass nicht mehr alle beisammen sind, dass die Familie, wie sie bekannt war, nicht mehr existiert, sich verändert hat. Grade jetzt ist besonders viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl gefragt, um es den Trennungskindern leichter zu machen und ihnen dabei zu helfen, mit der Trennungsrealität umgehen zu lernen.

Viele Umgangsregelungen und Umgangsvereinbarungen beinhalten Sonderregelungen für die Feiertage. Manche Kinder feiern einen Tag bei Mama und einen bei Papa. In anderen Trennungsfamilien reißt man sich sogar für diese wenigen Tage im Jahr zusammen und feier gemeinsam.

Wichtig ist das Bewusstsein, dass die Familie des Kindes räumlich getrennt existiert. Sein Weihnachten, sein Erleben spielt sich an mehreren Orten bei mehreren Personen ab. Und diese Realität – die nicht mit jener der Erwachsenen übereinstimmen muss, muss dem Kind ermöglicht werden. Zeit für die Familie – egal wo sie ist. Das Kind gehört zu allen und alle gehören zum Kind. Jetzt mehr denn je.

[Weiterlesen…]

Umgang mit einem Säugling?

Wenn sich Eltern kurz nach oder sogar schon vor der Geburt des gemeinsamen Kindes trennen, gestaltet sich häufig die Regelung des Umganges mit dem neugeborenen Kind schwierig. Nicht nur erleben viele Mütter Ängste bei dem Gedanken, sich stundenlang oder sogar über Nacht vom Kind zu trennen, hinzu kommen Berührungsängste frisch gebackener Väter, gesellschaftliche Vorurteile, handfester Sexismus und die Frage, wieviel Papa ein kleines Kind überhaupt schadfrei aushalten kann.

Viele Diskussionen, die bereits um Kleinkinder und ältere Kindern nach einer Trennung bekannt sind, verschärfen sich erheblich, wenn das Kind noch unter einem Jahr alt ist.

Lange Zeit spiegelten die zuständigen Gerichte die latente Befürchtung, einen Säugling über Stunden von der Mutter zu trennen, schade dem Kind. Auch spielte bis vor einigen Jahren die Annahme eine Rolle, Kinder könnten sich unmittelbar nach der Geburt nur an eine Bezugsperson binden und diese sei naturgegeben die Kindesmutter. Heute wissen wir aus modernen Forschungsarbeiten, dass es keine biologische Vorzugsstellung der Mutter beim Kind gibt, sondern auch ein Säugling sich mühelos eng an mehrere Bezugspersonen binden kann, wenn die entsprechenden Gelegenheiten geschaffen werden, Nähe und Pflege durch diese Personen zu erfahren.

Auch das moderne Familienbild verlangt ein Umdenken. Kinder sind kein Frauenthema mehr und Väter in Elternzeit haben weitgehend den exotischen Anstrich verloren. Viele Eltern kümmern sich von Beginn an gemeinsam um ihr Kind. Eben dieser Umstand scheint jedoch oft in Vergessenheit zu geraten, wenn es dann zur Trennung kommt.

[Weiterlesen…]

By |Juli 30th, 2015|Allgemein|0 Comments

“Sag dem Papa/Sag der Mama…!”

“Du sollst mir keine Marmelade auf´s Brot machen, das ist nicht gut für sie Zähne!”

Es gibt so manche Aussage, die man von einem Kind nicht erwartet. Ermahnungen zum eigenen Erziehungsstil gehören fraglos dazu und machen stutzig – welches Kind wehrt sich aus Vernunftgründen gegen Süßes? Ein entsprechend beauftragtes Kind zum Beispiel.

Wenn Elternteile nach einer Trennung den direkten Kontakt zueinander meiden, nicht oder nur ungern mitenander sprechen oder anderweitig kommunizieren, greifen viele aus schlichter Bequemlichkeit auf einen Mittler zurück – das Kind. Ihm werden Anweisungen, Verbote und Gebote mit auf den Weg zum anderen Elternteil gegeben. So spart man sich die frontale Auseinandersetzung und – zudem – hat man dem Kind nur oft genug gesagt, es dürfe dort keine Marmelade essen, wird es die Marmelade irgendwann von ganz alleine verweigern.

Dass hierbei das Kind ganz hemmungslos in die Stellvertreterrolle seiner Eltern getrieben und mit es völlig überfordernden Konflikten konfrontiert wird, nicht nur mittelbar sondern ganz direkt als Teilnehmer an der Diskussion, gerät aus dem Blick. Die Autorität der Eltern leidet, denn das Kind begreift sehr schnell, dass es nahezu alles mit Rückendeckung eines Elternteils erreichen kann, wenn es nur vorgibt, der jeweils andere wolle das Gegenteil durchsetzen.

Welche erheblichen Konflikte so entbrennen können, welche weitreichenden Folgen das nach sich ziehen kann und wie erheblich die Eltern-Kind-Beziehung leidet, wenn das Kind durch den Abwesenden Elternteil in die Partnerrolle gegenüber dem anwesenden Elternteil “befördert” wird, scheint vielen Betroffenen gar nicht bewusst zu sein.

[Weiterlesen…]

By |Juni 8th, 2015|Allgemein, Trennungskinder|0 Comments

Ausgefallenen Umgang nachholen? Muss man das?

Umgangsregelungen, ganz egal ob gerichtlich beschlossen oder allein unter den Eltern nach einer Trennung mit Kind vereinbart, sind oft komplex, umfangreich und gute Regelungen zudem sehr spezifisch. Das muss auch so sein, denn immerhin müssen die Terminplanungen zweier Erwachsener und mindestens eines Kindes irgendwie unter einen Hut – und im Idealfall soll das alles auch noch möglichst stressarm umsetzbar sein.

Es lässt sich in aller Regel nicht über Jahre hinweg völlig verhindern, dass Termine einmal nicht eingehalten werden können. Das kann durch eine schwere Erkrankung des Kindes notwendig werden, durch berufliche Abwesenheiten eines Elternteils, durch Urlaubsreisen oder sonstige unvorhergesehene Zwischenfälle, die zum Beispiel den/die Umgangsberechtigte/n daran hindern, wie geplant den Umgang wahr zu nehmen. Hierbei ist zunächst wichtig zu verstehen, dass Umgangstermine – insbesondere durch einen Gerichtsbeschluss festgelegte – keine Wahlveranstaltungen sind[Weiterlesen…]

By |Mai 11th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Alltagssorge hat auch ein Umgangselternteil

Ein spannendes und klärendes Urteil zum nach wie vor sehr umtriebenen Thema Alltagssorge kommt aktuell vom OLG Brandenburg. Ein umgangsberechtigter Vater wollte seiner Nachbarin den Kontakt zu seinem Kind untersagen, wenn dieses zum Umgang bei ihm ist. Die Nachbarin aber wollte sich daran nicht halten und die Kindesmutter einem solchen Kontaktverbot nicht zustimmen. Die Angelegenheit landete vor dem AG Cottbus und dieses befand, mit welchen Dritten das Kind Umgang habe oder nicht, sei eine Entscheidung, die durch beide sorgeberechtigten Eltern gemeinsam getroffen werden müsse, alleine dürfe der Vater kein Näherungsverbot aussprechen.

Auf die Beschwerde des Vaters beim OLG Brandenburg wurde dieser Beschluss abgeändert und entspricht damit dem Wunsch des Kindesvaters nach einem Näherungsverbot mit empfindlicher Ordnungsgeldandrohung. Nachzulesen im Detail hier: Brandenburgisches Oberlandesgericht 1. Senat für Familiensachen vom 13.01.2015 9 UF 24/124

Natürlich, so das OLG, könne der Vater ein solches Näherungs- und Kontaktverbot alleine aussprechen, denn es handle sich um eine Sache des alltäglichen Lebens, nicht um eine Entscheidung von erheblicher Tragweite für das Kind wie z.B. die Schulwahl oder die Wahl der Religion. Und solche Entscheidungen des alltäglichen Lebens könne derjenige Elternteil alleine treffen, bei dem das Kind zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ist, den diese Alltagsgestaltung also konkret betrifft.

Was das OLG Brandenburg hier im Einzelfall regelt hat allgemeines Gewicht, denn in diesem Beschluss resp. dessen Begründung steckt die klare Aussage: Alltagssorge hat immer derjenige, bei dem das Kind sich zum relevanten Zeitpunkt aufhält. Es ist kein Sonderrecht überwiegend betreuender Elternteile.

Wie realitätsfern die Idee des AG Cottbus tatsächlich war zeigt sich, wenn man sich vorstellt, jedes Elternteil müsse nach einer Trennung bezüglich jeder Drittperson, mit welcher das Kind Umgang hat oder in Kontakt kommt, die Zustimmung des jeweils anderen einholen – und das nicht nur im Falle eines Kontaktausschlusses sondern, im Umkehrschluss, dann natürlich auch wenn Kontakt zu dieser Person erwünscht wäre. Denn weshalb Nichtkontakt zu einer Drittperson erheblichere Auswirkungen für das Kind haben sollte als (regelmäßiger) Kontakt, erschließt sich nicht.

Man stelle sich vor, wieviele Auseinandersetzungen vor die Familiengerichte getrieben würden um die Frage, ob der neue Freund der Mutter oder die neue Freundin des Vaters Kontakt zum Kind haben dürfte.

 

 

By |April 25th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Halb bei Mama – Halb bei Papa / Wechselmodell (WDR)

Ganz aktuell hat das WDR eine Reportage veröffentlicht, in der Einblicke in das Leben von Kindern im Doppelresidenzmodell, umgangssprachlich auch Wechselmodell genannt, gewährt werden. Spannende Bilder und durchaus auch ein deutliches Bild dessen, wie moderne Familie aussehen kann. Sehr wichtig und wertvoll hierbei auch: Man war sich  nicht immer einig, es gab Konflikte, die aber mit Hilfe von Mediation und gegenseitigem Bemühen aufgelöst werden konnten.

Tipp-Buch für Kindergarten, Krippe und Schule

Für Betreuungs- und Lehrkräfte stellt der Umgang mit Trennungskindern in der Einrichtung eine ganz besondere Herausforderung dar. Nicht nur müssen Schule und Kindergarten doppelte Elternarbeit leisten, gibt es darüber hinaus Konflikte zwischen den Trennungseltern fällt dem Fachpersonal oft die Rolle des Mittlers oder Puffers zu. Die Interessen des Kindes in diesen Situationen zu schützen ist nicht einfach und häufig wird falsch reagiert – auch und grade den Eltern gegenüber.

Und als Schule, Krippe oder Kindergarten nicht zum Schadensverstärker nach einer Trennung mit Kind zu werden, haben wir ein kleines Tipp-Buch für betroffene Fachkräfte erstellt und das in unseren Augen Wesentlichste zum Thema zusammengefasst. Leiten Sie diesen Link gerne an Ihre Betreuungseinrichtung weiter oder drucken Sie das TrennungmitKind Tipp Book Kindergarten für den Kindergarten Ihres Kindes aus. Quellenangaben sind enthalten.

 

 

By |Februar 20th, 2015|Trennungskinder|0 Comments

Kriegsschauplatz Kindergarten

Der Besuch eines Kindergartens ist heute üblich, der Besuch einer Kinderkrippe kommt zunehmend in Mode. Für von Trennung mit Kind betroffene Eltern bedeutet die Dreieckskonstellation mit einer Betreuungseinrichtung allerlei Chancen, den Elternkonflikt vom Kind fern zu halten und insgesamt zumindest in Teilen zu befrieden. Aber auch Risiken und zusätzliche Eskalationsbühnen ergeben sich durch das Auftreten einer dritten Partei in Form der Betreuungseinrichtung.

Während mancher Kindergarten gut belastbare Modelle zum Umgang mit Kindern in Trennungssituationen lebt und deutlich kompetent als Puffer zwischen den Eltern und für das Kind agiert, gibt es leider mit anderen Betreuungseinrichtungen nach wie vor große Probleme. Ob aus Ideologie, falsch verstandener Neutralität oder – im schlimmsten Fall – einer Parteinahme mit einem der betroffenen Elternteile: Wenn der Kindergarten Kriegstreiber wird, statt Deeskalation im Sinne des Kindes zu verfolgen und zu unterstützen, können die Dinge schnell eskalieren. Und das völlig unnötig.

Einzelberichte legen sogar nahe, dass allein durch Fehlentscheidungen einbezogener Betreuungseinrichtungen Elternkonflikte überhaupt erst eskalieren können.

Bestehende Missverständnisse zu Zusammenhängen zwischen Alltagssorge und Entscheidungen rund um Kindergarten und Kinderkrippe tragen zusätzlich dazu bei, dass der Eintritt in den Kindergarten für ein Trennungskind nicht selten wie der Gong zur nächsten Runde im Boxring wirkt.

Am Ende steht stets dasselbe:

Streitende Erwachsene und ein Kind, das die Zeche zahlen muss.

Lesen sie weiter unter Elternkrieg im Kindergarten

By |Oktober 20th, 2014|Allgemein|0 Comments

Kofferkinder und Rechtsverdreher – das Wechselmodell

Vor einigen Jahren schwappte es vorwiegend aus den USA zu uns, trieb hitzköpfige Diskussionen in höchsten Kreisen um und geistert nun durch Köpfe, Medien und Kinderzimmet: Das Wechselmodell, auch paritätische Doppelresidenz genannt.

Der Grundgedanke mutet simpel an:

Nach einer Trennung oder Scheidung sollen die betroffenen Kinder von beiden Eltern zu genau gleichen Teilen betreut werden, sie sollen bei beiden die Hälfte der Zeit leben und somit die Rollenverteilung in Betreuungselternteil und Umgangselternteil aufgehoben sein.

Geht das? Und wenn ja, wie? Und wenn Nein, wieso nicht?

Zwischen Elternrechten und Schulwegen, Koffern und einem Rechtssystem, das einfach kein “Wechselmodell” kennt: Wechselmodell – die abenteuerliche Geschichte einer simplen Idee

Rrrrring – der Loyalitätskonflikt ist am Telefon!

Im Zeitalter der “Digital Natives” haben sich moderne Kommunikationsmedien auch im Rahmen von Umgangsregelungen und Umgangsvereinbarungen einen Platz erarbeitet.

Waren Telefonate mit dem Kind, wenn es beim anderen Elternteil ist früher eher ein seltenes Phänomen, wenn die Entfernung zwischen den Elternteilen sehr groß war und deshalb nur eingeschränkter persönlicher Umgang möglich, wird heute häufig “aus Prinzip” Telefonkontakt beantragt oder verlangt.

Dahinter stecken oft falsche Vorstellungen von der Fragilität einer Eltern-Kind-Beziehung oder einfach die Absicht, den anderen Elternteil zu kontrollieren. Werden Telefonkontakte in hochstrittigen Konstellationen gerichtlich angeordnet, wird es richtig abenteuerlich – zumindest für das Kind.

Wem Telefonkontakte nützen, wann sie unbedingt zu vermeiden sind und was die Kinder davon haben, beantworten wir in Telefonkontakte – Fluch oder Segen?