Sorgerecht

Das Sorgerecht beinhaltet unter anderem das Aufenthaltsbestimmungsrecht sowie das Recht zur Vertretung bei Ämtern und Behörden, die Gesundheitsfürsorge sowie das Recht zu entscheiden, welchen Kindergarten das Kind besucht, welcher Religion es angehören soll oder ob medizinisch nicht zwingend notwendige Eingriffe durchgeführt werden sollen oder nicht. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die gemeinsame Sorge der Eltern in der Regel dem Wohl des Kindes am Besten entspricht.

Der/die Ex hat kein Interesse am Kind!

Immer häufiger beklagen betreuende Elternteile mangelndes oder gleich gar kein Interesse des anderen Elternteils am gemeinsamen Kind. Dabei variieren die Situationen allerdings erheblich. Von untergetauchten Müttern und Vätern, unbekannt verzogen und auf keinem Wege erreichbar über Gelegenheits-Umgangs-Wahrnehmer bis hin zu Elternteilen, die zwar regelmäßigen und häufigen Umgang mit dem Kind wahrnehmen, sich aber dennoch dem Vorwurf von mangelndem Interesse gegenübersehen.

Oft genug führt die Anklage, es läge kein ausreichendes Interesse am Kind vor sogar zu Anträgen auf Entzug des Sorgerechtes oder die Reduktion des Umganges mit dem Kind.

Dabei liegen nicht selten einfach Missverständnisse und unterschiedliche Perspektiven dem Problem zu Grunde.

[Weiterlesen…]

By |November 16th, 2015|Allgemein|0 Comments

Wegweisender Beschluss des OLG Brandenburg: Sorgerecht

Es macht regelrecht Freude, den brandaktuellen Beschluss des OLG Brandenburg zur Herstellung des gemeinsamen Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern zu lesen, denn deutlich und unmissverständlich wie selten stellt das OLG Brandenburg unter anderem fest: gäbe es keinen Konflikt, gäbe es keinen Sorgerechtsprozess. Eine Ablehnung der gemeinsamen Sorge mit einem Konflikt zu begründen führe daher den Rechtsweg ad absurdum.

 

Was war geschehen?

 

Ein unverheirateter Vater stellte Antrag auf Herstellung der gemeinsamen Sorge für sein sechsjähriges Kind. Die Kindesmutter widersprach dem Antrag und beantragte Abweisung mit der Begründung, eine Kommunikation der Eltern sei nicht möglich, daher schade eine gemeinsame Sorge dem Kindeswohl. Das Jugendamt folgte dieser Argumentation, während der Verfahrensbeistand vorschlug, zumindest das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei der Mutter alleine zu belassen, um deren Ängste, der Vater wolle ihr das Kind wegnehmen, zu mildern.

 

In der ausführlichen und wirklich lesenswerten Begründung des Beschlusses, mit welchem das OLG den Beschluss des Amtsgerichts kassiert und die gemeinsame Sorge herstellt, zeichnet sich ein Argumentationsstrang ab, der schon seit einer geraumen Weile von Väterrechtsgruppen geführt und auch von uns in früheren Artikeln bereits aufgegriffen worden ist:

Wenn es dazu kommt, dass ein nicht ehelicher Vater einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht stellen muss, impliziert das einen Konflikt um die Sorgerechtsfrage zwischen den Eltern. Andernfalls würde die gemeinsame Sorge durch eine entsprechende Erklärung beim zuständigen Jugendamt herzustellen und es würde gar kein involviertes Gericht benötigt. Dann jedoch – im Falle eines solchen Antrages – auf die Uneinigkeit der Eltern abzustellen und den Antrag mit dieser Begründung abzuweisen, führt die Möglichkeit, einen solchen Antrag zu stellen, ad absurdum und hebelt quasi die Gesetzesnovellierung aus.

Außerdem, so das OLG in anderen Worten, sollten die Eltern, wenn sie schon zu negativer Kommunikation in der Lage seien, was unter anderem durch E-Mails ersichtlich wurde, welche die Kindesmutter vorlegte, auch in die Pflicht genommen werden können, diese Kommunikation konstruktiv zu entwickeln.

Der Beschluss in voller Länge ist einsehbar auf den Seiten des Bürgerservice Berlin: OLG Brandenburg 13 UF 50/15 vom 3.08.2015

 

 

By |August 15th, 2015|Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Erziehungsfähigkeit

Sowohl bei Inobhutnahmen durch das Jugendamt aber auch bei Trennung mit Kind spätestens dann, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragt, wenn zuvor das gemeinsame Sorgerecht bestanden hat, kommt die Frage nach der Erziehungsfähigkeit der Elternteile auf. Familienpsychologische Gutachten sollen dann die Frage klären, ob beide Elternteile grundsätzlich erziehungsfähig sind, ob Einschränkungen zu bemerken sind und letztlich, ob die Elternteile die elterliche Sorge für das Kind zu dessen Wohl ausüben können oder nicht.

Dabei wird häufig die Erziehungsfähigkeit verwechselt mit einem Erziehungsideal. Wer der bessere Mensch oder kompetenter bei der Nachhilfe ist, spielt dabei jedoch gar keine Rolle. Denn die Erziehungsfähigkeit bezieht sich auf die grundliegenden Fähigkeiten, die notwendig sind, um ein Kind zu erziehen und zu betreuen, ohne es dabei in seiner Entwicklung zu stören oder ihm gar zu schaden.

Viele Betroffene missverstehen den Begriff und mit einem Antrag auf das alleinige Sorgerecht bricht ein regelrechter Wettstreit darum aus, wer dem jeweils anderen mehr vermeintliche Verfehlungen im Umgang mit dem gemeinsamen Kind vorhalten kann. Im Kampf um die vermeintlich bessere Erziehungsfähigkeit werden Fruchtzwerge zur Kindeswohlgefährdung, der Opa zur latenten gesellschaftlichen Bedrohung und eine zu dünne Jacke zum Sinnbild von Ignoranz und Gleichgültigkeit.

Dabei geht es bei der Frage um die Erziehungsfähigkeit um etwas ganz anderes.

[Weiterlesen…]

By |Juli 22nd, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht

Nach einer Trennung mit Kind sollte durch das Sorgerecht beider Eltern sichergestellt werden, dass weiterhin Vater und Mutter am Leben des Kindes Teil haben, sich informieren und Entscheidungen im Sinne des Kindes treffen können. Besondere Bedeutung erlangt dabei allerdings das Aufenthaltsbestimmungsrecht, denn wer dieses inne hat, der entscheidet, wo das Kind leben soll.

Ob im eigenen Haushalt, bei den Großeltern oder im Heim, durch diesen Entscheidungsrahmen wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht zum wohl wichtigsten empfundenen Teil der elterlichen Sorge für viele von Trennung betroffene Elternteile. Umso schwieriger wird es, wenn die Eltern sich nicht darüber einig sind, wo das Kind leben soll. Wünschen beide Elternteile, dass das Kind nach der Trennung in ihrem Haushalt lebt, muss ein Gericht entscheiden.

Doch oft genug wird auch kurzsichtig das alleinige Sorgerecht oder Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragt als vermeintlicher Ersatz für umfangreichen Umgang oder als eine Art Erziehungsmaßnahme gegenüber dem anderen Elternteil. Ein solcher Antrag allerdings kann gravierende Folgen haben. Denn wird ein Familiengericht genötigt, das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf ein Elternteil alleine zu übertragen, steht danach auch einem Umzug nach Dubai nicht mehr viel im Wege.

Zudem kursieren einige Fehlinformationen dahingehend, welche Entscheidungsgewalt mit dem alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrecht tatsächlich einher geht. Darf dann entschieden werden, wo Umgang stattfinden darf? Wer entscheidet über Urlaubsreisen des Kindes mit dem umgangsberechtigten Elternteil?

[Weiterlesen…]

By |Juli 3rd, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Keine Kommunikation zwischen den Eltern mehr möglich?

Vor einigen Jahren noch war das Argument, eine Kommunikation sei zwischen getrennten Eltern nicht mehr möglich eine solide Grundlage, um einem Elternteil das Sorgerecht für ein gemeinsames Kind alleine zu übertragen. Weshalb die Kommunikation nicht funktionieren wollte, hinterfragten Gerichte damals kaum und leider finden sich auch heute noch vereinzelte Beschlüsse, in denen die Unwilligkeit eines Elternteils eine Zusammenarbeit mit dem anderen Elternteil nach der Trennung zu erreichen als Grund angeführt werden, um einem Elternteil die Alleinsorge zu übertragen. Allerdings nicht zwingend dem kooperationsbereiten Elternteil.

Auch wenn eine problematische Kommunikation heute kaum noch ausreicht, um schwerwiegende Änderungen im Sorgerecht oder sogar im Umgangsrecht durchzusetzen bleibt es ein wesentliches Thema – denn die Eltern müssen in der Lage sein, gemeinsame Entscheidungen für das Kind zu treffen, wenn die gemeinsame Sorge besteht oder hergestellt werden soll. Und Entscheiden ist nur möglich, wenn Kommunikation möglich ist.

Wenn das aber nun nicht funktioniert? Wenn einer von beiden einfach die Kommunikation rundheraus ablehnt, im schlimmsten Fall derjenige, bei welchem das Kind überwiegend lebt?

Schnell fühlt der andere Elternteil sich hilf- und ratlos in Sippenhaft genommen, denn es heißt stets: “Eine Kommunikation ist den Eltern nicht möglich.” Das es weniger die Möglichkeit als die Willigkeit ist, findet in den wenigsten Beschlüssen klar Einzug.

Wie kann man nun mit einer solchen Blockadehaltung umgehen und kann man überhaupt, wenn man gefühlt gegen eine Wand anredet?

[Weiterlesen…]

OLG Bremen – Konflikte der Eltern = keine gemeinsame Sorge?

Was sich das OLG Bremen nun im Verfahren 4 UF 33/15 geleistet hat, grenzt an bewusste Blockade einer positiven Entwicklung der Familienrechtslandschaft.

Nicht von ungefähr war Kern der Gesetzesnovellierung vor zwei Jahren, nicht ehelichen Vätern das Erlangen einer gemeinsamen Sorge für leibliche Kinder zu erleichtern. Nicht zufällig war insbesondere das bis dahin geltende Veto-Recht der Kindesmutter weggefallen – der EuGH hatte Deutschland keine andere Wahl gelassen, als die Gesetze diesbezüglich zu überarbeiten, denn dass unter dem Fähnchen der Gleichberechtigung Mütter entscheiden durften, ob Väter das Sorgerecht für gemeinsame Kinder erhalten, das stellte laut EuGH eine klare Diskriminierung dar und das darf nicht sein.

Die Lösung des Gesetzgebers war o.g. vereinfachtes Verfahren zur Erlangung der gemeinsamen Sorge, die sogar rein schriftlich durch ein Gericht erteilt werden kann. Eine Anhörung der Parteien ist also nicht einmal mehr zwingend notwendig – und das ergibt durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass auch niemand die Kindesmutter genauer unter die Lupe nimmt, bevor sie mit vollem Sorgerecht für das Kind das Kranken- oder Geburtshaus verlässt. Entsprechend eigenartig mutet das schon unmittelbar nach Gesetzesänderung aufgekommene Argument an, man könne ja nicht einfach so irgendwem Sorgerecht erteilen, ohne denjenigen zumindest einmal persönlich gesehen zu haben. Doch, kann man. Kann der Gesetzgeber per se bei sämtlichen Müttern in Deutschland ja auch.

 

Die Sache mit der Kommunikation

Durch familienrechtliche Beschlüsse der vergangenen zehn Jahre zieht sich das Triggerwort “Kommunikation” wie ein roter Faden. Eines der beliebtesten Argumente, um eine gemeinsame Elterliche Sorge wahlweise abzulehnen oder sogar aufzuheben waren Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Eltern. Dabei entstand durch die Grundausrichtung der Familiengerichte auf das Kindeswohl – wonach in erster Linie gleichgültig ist, warum ein Problem für das Kind entsteht und die Frage, wie es auf kürzestem Wege zu lösen ist, davon unabhängig beantwortet werden sollte – ein maligner Motivator insbesondere für betreuende Elternteile, die eine gemeinsame Sorge mit dem anderen Elternteil ablehnten – in erdrückender Mehrheit von über 90% Mütter, die ihrerseits mit Geburt des Kindes automatisch sorgeberechtigt sind.

Denn wer die Schuld daran trug, dass keine vernünftige Kommunikation in Angelegenheiten des Kindes möglich war, untersuchten die Gerichte im Grunde gar nicht. Das eröffnete einem betreuenden Elternteil, welches nicht bereit war, die gemeinsame elterliche Sorge mit dem Umgangselternteil auszuüben die Möglichkeit, sich seiner quasi zu “entledigen”, indem selbst einfach die Kommunikation verweigert wurde.

Es ist unmöglich nachzuvollziehen, wie häufig eine gemeinsame Sorge aufgehoben oder nicht beschlossen worden ist, weil ein Elternteil mutwillig und vollkommen bewusst die konstruktive Zusammenarbeit mit dem anderen Elternteil verweigert hat. In entsprechenden Beschlüssen ist grundsätzlich die Rede von zur Kommunikation unfähigen “Eltern”. Sippenhaft im Grunde, wenn man so möchte.

Erst im Zuge der Debatte um paritätische Betreuungsmodelle und die Gesetzesnovellierung wurde auch dieses Problem mehr und mehr erkannt, so dass heute die überwiegende Mehrheit der zuständigen Gerichte bewusst ergründet, woher ein Kommunikationsproblem tatsächlich rührt, wer sich inwiefern verweigert und sich diesbezüglich nicht mehr instrumentalisieren lässt. Das geht so weit, dass mittlerweile davon ausgegangen wird, dass eine chronische Verweigerungs- und Blockadehaltung ein Ausweis für eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit des Elternteils sein kann. Die Frage, wie es in diesen Fällen um die Bindungstoleranz bestellt ist taucht rasch auf.

 

Ein Rückschritt

Insofern ist das Aufheben der – völlig nachvollziehbaren – Entscheidung des zuständigen Amtsgerichtes durch das OLG in diesem Fall ein klarer Rückschritt, insbesondere im Bezug auf die Begründung, ein vereinfachtes Verfahren käme nicht in Frage, da es offensichtlich Konflikte gebe. Allerdings – gäbe es die nicht, wäre der Fall nicht vor Gericht. Dann säßen die Eltern beim örtlichen Jugendamt und würden eine gemeinsame Sorgeerklärung unterzeichnen. Denn dass die Kindesmutter die gemeinsame Sorge nicht wünscht, begründet ja schon den Hauptkonflikt, der zu einer gerichtlichen Entscheidung überhaupt erst führen muss.

Man kann sich an dieser Stelle nur wünschen, dass das zuständige Amtsgericht das nun anstehende Hauptsachverfahren dazu nutzen wird, eine deutliche Signalentscheidung für die gemeinsame Sorge und wider Launen und Sympathien der beteiligten Eltern zu fällen.

Denn es kann und muss von Eltern verlangt werden, dass zwischenmenschliche Konflikte so weit zurückgehalten werden, dass die Angelegenheiten des Kindes in dessen Sinne und gemeinsam besorgt werden können. Wer das nicht kann oder will und eigene Befindlichkeiten über für das Kind wichtige Belange stellt, muss sich kritische Nachfragen zur tatsächlichen Erziehungsfähigkeit gefallen lassen.

Einfach einen der Konfliktfaktoren aus der Gleichung zu streichen – gewöhnlich denjenigen, dessen Streichung für das Kind oberflächlich betrachtet die geringere Erschütterung bedeutet – ist weder der Qualität und Kompetenz unserer Gerichte noch dem Gewicht solcher Entscheidungen für die betroffenen Kinder angemessen.

 

By |Mai 15th, 2015|Recht & Gerechtigkeit|4 Comments

Alltagssorge hat auch ein Umgangselternteil

Ein spannendes und klärendes Urteil zum nach wie vor sehr umtriebenen Thema Alltagssorge kommt aktuell vom OLG Brandenburg. Ein umgangsberechtigter Vater wollte seiner Nachbarin den Kontakt zu seinem Kind untersagen, wenn dieses zum Umgang bei ihm ist. Die Nachbarin aber wollte sich daran nicht halten und die Kindesmutter einem solchen Kontaktverbot nicht zustimmen. Die Angelegenheit landete vor dem AG Cottbus und dieses befand, mit welchen Dritten das Kind Umgang habe oder nicht, sei eine Entscheidung, die durch beide sorgeberechtigten Eltern gemeinsam getroffen werden müsse, alleine dürfe der Vater kein Näherungsverbot aussprechen.

Auf die Beschwerde des Vaters beim OLG Brandenburg wurde dieser Beschluss abgeändert und entspricht damit dem Wunsch des Kindesvaters nach einem Näherungsverbot mit empfindlicher Ordnungsgeldandrohung. Nachzulesen im Detail hier: Brandenburgisches Oberlandesgericht 1. Senat für Familiensachen vom 13.01.2015 9 UF 24/124

Natürlich, so das OLG, könne der Vater ein solches Näherungs- und Kontaktverbot alleine aussprechen, denn es handle sich um eine Sache des alltäglichen Lebens, nicht um eine Entscheidung von erheblicher Tragweite für das Kind wie z.B. die Schulwahl oder die Wahl der Religion. Und solche Entscheidungen des alltäglichen Lebens könne derjenige Elternteil alleine treffen, bei dem das Kind zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ist, den diese Alltagsgestaltung also konkret betrifft.

Was das OLG Brandenburg hier im Einzelfall regelt hat allgemeines Gewicht, denn in diesem Beschluss resp. dessen Begründung steckt die klare Aussage: Alltagssorge hat immer derjenige, bei dem das Kind sich zum relevanten Zeitpunkt aufhält. Es ist kein Sonderrecht überwiegend betreuender Elternteile.

Wie realitätsfern die Idee des AG Cottbus tatsächlich war zeigt sich, wenn man sich vorstellt, jedes Elternteil müsse nach einer Trennung bezüglich jeder Drittperson, mit welcher das Kind Umgang hat oder in Kontakt kommt, die Zustimmung des jeweils anderen einholen – und das nicht nur im Falle eines Kontaktausschlusses sondern, im Umkehrschluss, dann natürlich auch wenn Kontakt zu dieser Person erwünscht wäre. Denn weshalb Nichtkontakt zu einer Drittperson erheblichere Auswirkungen für das Kind haben sollte als (regelmäßiger) Kontakt, erschließt sich nicht.

Man stelle sich vor, wieviele Auseinandersetzungen vor die Familiengerichte getrieben würden um die Frage, ob der neue Freund der Mutter oder die neue Freundin des Vaters Kontakt zum Kind haben dürfte.

 

 

By |April 25th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Begleitperson oder Tonbandaufnahme beim Gutachten?

Das OLG Hamm hat kürzlich mit erfreulicher Vernunft festgehalten, dass zwar kein explizites Recht bestünde, sich bei Explorationsgesprächen mit psychologischen oder medizinischen Sachverständigen in familienrechtlichen Verfahren durch Tonbandaufnahmen oder eine Begleitperson/einen Zeugen abzusichern, ein dem entgegenstehendes Recht des Gutachters/der Gutachterin zumindest bezüglich der Anwesenheit einer dritten, sich nicht beteiligenden Person, besteht allerdings auch nicht.

OLG Hamm · Beschluss vom 3. Februar 2015 · Az. 14 UF 135/14

Demnach spricht zunächst einmal nichts dagegen, dass ein zu begutachtender Vater oder eine zu begutachtende Mutter sich mentale Unterstützung in Form einer dritten Person mitbringt, sofern diese sich vollkommen aus dem Gesprächsverlauf heraushält und somit die Exploration nicht stört.

Anders verhält es sich bei dem Wunsch, ein Tonband mitlaufen zu lassen – hier hat der Gutachter/die Gutachterin natürlich dasselbe Recht wie jeder andere Mensch, sich Aufnahmen der eigenen Person zu verbitten. Allerdings regt das OLG Hamm in o.g. Beschluss an, abzuwägen, welche Vorgehensweise die Exploration stärker beeinträchtigt. Jedenfalls sind Tonaufzeichnungen ohne ausdrückliches Einverständnis des familienpsychologischen Gutachters/der Gutachterin nicht erlaubt.

Geklagt hatte ein Vater, der zuvor mit einem Ablehnungsgesuch bezüglich der bestellten familienpsychologischen Gutachterin nicht erfolgreich gewesen war. Nach Aussage des betroffenen Vaters hatte er durch eine unsachliche Aussage der Gutachterin in einem früheren Explorationsgespräch das Vertrauen in deren Unbefangenheit verloren, sein Antrag scheiterte dann jedoch daran, dass er besagte Aussage nicht belegen konnte. Aufgrund dessen weigerte er sich im weiteren Verlauf ohne eine Form des Beleges weiterhin an Explorationsgesprächen Teil zu nehmen.

Die betroffene Gutachterin lehnte jedoch die Anwesenheit einer dritten Person als Zeuge ebenso wie eine Tonbandaufnahme folgender Gespräche ab.

Fazit: Steht eine familienpsychologische Begutachtung und entsprechende Explorationsgespräche an, darf ein Betroffener/eine Betroffene eine dritte Person zur Unterstützung mitbringen, die sich in Hörweite aufhalten darf, sofern diese ausdrücklich in keiner Form an der Exploration mitwirkt, also den Mund und sich heraus hält. Wen ein Betroffener/eine Betroffene hierzu einläd ist nicht eingeschränkt – es kann also der eigene Anwalt ebenso sein wie ein Großelternteil, ein Freund/eine Freundin oder ein/e Vertreter/in eines Interessenverbandes.

By |April 14th, 2015|Allgemein|1 Comment

Alleiniges Sorgerecht

Kommt es zu einer Trennung mit Kind wird “plötzlich” relevant, wer welche Rechte inne hat und wer nicht. Insbesondere das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder gewinnt erheblich an Gewicht. Dabei herrscht regelmäßig Verwirrung darüber, welche Entscheidungen überhaupt in das Sorgerecht fallen, was bei gemeinsamem Sorgerecht auch nur gemeinsam entschieden werden kann und welche Gründe ein alleiniges Sorgerecht rechtfertigen können, wenn bis zur Trennung das gemeinsame Sorgerecht bestanden hat.

Zudem haben die kürzliche Gesetzesänderung zur Erleichterung der Erlangung der gemeinsamen Sorge für nicht verheiratete Väter und eine sich deutlich verändernde Mentalität der zuständigen Familiengerichte seit der entsprechenden Rüge durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu Verunsicherung geführt.

Wann und unter welchen Umständen ein alleiniges Sorgerecht durchgesetzt werden kann – sei das entgegen der bis dahin bestehenden gemeinsamen Sorge oder in der Form, dass ein entsprechender Antrag, das gemeinsame Sorgerecht herzustellen, abgelehnt wird – und welche Gründe die Sorgerechtsregelung ausdrücklich nicht tangieren, zeigen wir im folgenden Artikel auf.

[weiterlesen…]

By |März 28th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Sorgerecht ohne Entscheidungsgewalt

Wird eine gerichtliche Umgangsregelung nicht eingehalten, gibt es Möglichkeiten für betroffene Eltern, die Vereinbarung durchzusetzen. Theoretisch ist das auch im Bezug auf das Sorgerecht der Fall – praktisch kann man nichts dagegen unternehmen, wenn ein Elternteil einfach alleine entscheidet und Fakten schafft.

Das Kind ist plötzlich in einem Kindergarten, in einer medizinisch nicht zwingend nötigen Behandlung oder getauft und es lässt sich einfach nicht rückgängig machen. Nicht, ohne dem Kind damit zu schaden. Elternteile, welche die gemeinsame Sorge blockieren, wissen das sehr genau. Sie wissen, ist das Kind erst einmal zwischen die Fronten gestellt, wird ihre Alleinentscheidung Bestand haben, schon weil niemand das Kind für den Elternkonflikt büßen lassen will.

Es fehlt an Wegen und Werkzeugen um eine kooperative Elternschaft in der gemeinsamen Sorge tatsächlich durchzusetzen. Auf der Strecke bleiben die von den Entscheidungen ausgeschlossenen Elternteile, die nicht selten gegen Wände laufen – im Kindergarten, beim Kinderarzt und in der Schule. Dort werden sie oft an den anderen Elternteil verwiesen. Dort solle man sich informieren. Doppelte Elterngespräche werden nicht selten abgelehnt.

Was also tun, wenn man zwar das Sorgerecht hat aber dennoch von allen relevanten Entscheidungen ausgeschlossen wird?

Ein erster Schritt kann sein, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Lesen Sie mehr unter Sorgerecht – das Papier nicht wert?

By |Oktober 26th, 2014|Allgemein|0 Comments