Jugendamt

Die örtlichen Jugendämter sind einerseits Anlaufstelle für von Trennung betroffene Elternteile, andererseits wird das zuständige Jugendamt regelmäßig zu Prozessen im Familienrecht hinzugezogen und gibt im Folgenden auch einschätzende Stellungnahmen ab. Darüber hinaus sind die öffentlichen Erziehungsberatungen den Jugendämtern angeschlossen. Außerdem führen Mitarbeiter der Jugendämter mitunter begleiteten Umgang durch oder fungieren als Umgangspflegschaften.

Wegweisender Beschluss des OLG Brandenburg: Sorgerecht

Es macht regelrecht Freude, den brandaktuellen Beschluss des OLG Brandenburg zur Herstellung des gemeinsamen Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern zu lesen, denn deutlich und unmissverständlich wie selten stellt das OLG Brandenburg unter anderem fest: gäbe es keinen Konflikt, gäbe es keinen Sorgerechtsprozess. Eine Ablehnung der gemeinsamen Sorge mit einem Konflikt zu begründen führe daher den Rechtsweg ad absurdum.

 

Was war geschehen?

 

Ein unverheirateter Vater stellte Antrag auf Herstellung der gemeinsamen Sorge für sein sechsjähriges Kind. Die Kindesmutter widersprach dem Antrag und beantragte Abweisung mit der Begründung, eine Kommunikation der Eltern sei nicht möglich, daher schade eine gemeinsame Sorge dem Kindeswohl. Das Jugendamt folgte dieser Argumentation, während der Verfahrensbeistand vorschlug, zumindest das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei der Mutter alleine zu belassen, um deren Ängste, der Vater wolle ihr das Kind wegnehmen, zu mildern.

 

In der ausführlichen und wirklich lesenswerten Begründung des Beschlusses, mit welchem das OLG den Beschluss des Amtsgerichts kassiert und die gemeinsame Sorge herstellt, zeichnet sich ein Argumentationsstrang ab, der schon seit einer geraumen Weile von Väterrechtsgruppen geführt und auch von uns in früheren Artikeln bereits aufgegriffen worden ist:

Wenn es dazu kommt, dass ein nicht ehelicher Vater einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht stellen muss, impliziert das einen Konflikt um die Sorgerechtsfrage zwischen den Eltern. Andernfalls würde die gemeinsame Sorge durch eine entsprechende Erklärung beim zuständigen Jugendamt herzustellen und es würde gar kein involviertes Gericht benötigt. Dann jedoch – im Falle eines solchen Antrages – auf die Uneinigkeit der Eltern abzustellen und den Antrag mit dieser Begründung abzuweisen, führt die Möglichkeit, einen solchen Antrag zu stellen, ad absurdum und hebelt quasi die Gesetzesnovellierung aus.

Außerdem, so das OLG in anderen Worten, sollten die Eltern, wenn sie schon zu negativer Kommunikation in der Lage seien, was unter anderem durch E-Mails ersichtlich wurde, welche die Kindesmutter vorlegte, auch in die Pflicht genommen werden können, diese Kommunikation konstruktiv zu entwickeln.

Der Beschluss in voller Länge ist einsehbar auf den Seiten des Bürgerservice Berlin: OLG Brandenburg 13 UF 50/15 vom 3.08.2015

 

 

By |August 15th, 2015|Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Ausgefallenen Umgang nachholen? Muss man das?

Umgangsregelungen, ganz egal ob gerichtlich beschlossen oder allein unter den Eltern nach einer Trennung mit Kind vereinbart, sind oft komplex, umfangreich und gute Regelungen zudem sehr spezifisch. Das muss auch so sein, denn immerhin müssen die Terminplanungen zweier Erwachsener und mindestens eines Kindes irgendwie unter einen Hut – und im Idealfall soll das alles auch noch möglichst stressarm umsetzbar sein.

Es lässt sich in aller Regel nicht über Jahre hinweg völlig verhindern, dass Termine einmal nicht eingehalten werden können. Das kann durch eine schwere Erkrankung des Kindes notwendig werden, durch berufliche Abwesenheiten eines Elternteils, durch Urlaubsreisen oder sonstige unvorhergesehene Zwischenfälle, die zum Beispiel den/die Umgangsberechtigte/n daran hindern, wie geplant den Umgang wahr zu nehmen. Hierbei ist zunächst wichtig zu verstehen, dass Umgangstermine – insbesondere durch einen Gerichtsbeschluss festgelegte – keine Wahlveranstaltungen sind[Weiterlesen…]

By |Mai 11th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Anwalt des Kindes, Albtraum der Eltern?

Der Verfahrensbeistand – auch Anwalt des Kindes genannt – wird heute fast grundsätzlich bestellt, wenn Verfahren in Kindschaftssachen eröffnet werden. Versäumt ein Gericht die Bestellung eines Beistandes, kann das für die nächsthöhere Instanz ein Grund sein, einen getroffenen Beschluss zur Neuverhandlung zurück zu verweisen.

So allgegenwärtig der Verfahrensbeistand somit im Familiengerichtsalltag ist, so unklar ist den meisten Trennungseltern, was genau eigentlich Aufgabe dieses Prozessbeteiligten sein soll. Entsprechend verunsichert sind viele im Umgang mit der meist pädagogischen, seltener juristischen Fachkraft. Oft scheuen sich Eltern, aktiv auf den Anwalt des Kindes zuzugehen, Fragen zu stellen oder auch um Rat zu bitten. Gleichzeitig erkennen viele schnell, welches Gewicht den Einschätzungen und Berichten des Verfahrensbeistandes zugemessen wird.

Wie also umgehen mit dem Verfahrendbeistand? Wozu braucht es einen Anwalt des Kindes, wenn doch schon die Eltern Anwälte haben?

Und weshalb werden immer wieder Beschwerden über Verfahrensbeistände laut, die sich eindeutig parteiisch auf die Seite eines Elternteils schlagen?

Wir erklären es Ihnen in Der Verfahrensbeistand

By |Oktober 10th, 2014|Allgemein|0 Comments

Mediation – erbitterter Kampf um Harmonie?

Mediation, zum Beispiel durch eine örtliche Erziehungsberatung, die Caritas oder den Kinderschutzbund, hat heute einen festen Platz in der modernen Familiengerichtsbarkeit.

Oft hören Betroffene bereits von ihren Anwälten und Anwältinnen vorab: “Stellen Sie sich drauf ein, die schicken Sie erst mal zur Mediation.” Und auch der sog. Umgangsdreisprung beinhaltet als fixe Größe Mediation als Eskalationsstufe.

Doch was bedeutet das, bringt das was und wenn ja, wem? Ist Mediation immer sinnvoll oder kann sie sogar schaden?

Wir beantworten diese Fragen in Mediation – Schaden und Nutzen.

Die lügen alle! – Streitpunkt Stellungnahme

Wer durch die Trennung in einen Konflikt geraten ist, der zuletzt auch gerichtlich ausgetragen wird, der kennt schon bald das bange Gefühl, sobald offizielle Post im Briefkasten zu finden ist.

Ist dann die Stellungnahme des Jugendamtes, des Verfahrensbeistandes oder der Sachstandsbericht der Umgangspflege herausgenommen und gelesen, ist nicht selten der Tag ruiniert.

Falsch, ungenau oder parteiisch sind noch die harmloseren Vorwürfe, die gegen Ersteller solcher Schriftstücke erhoben werden.

Weshalb nicht selten ein Gutteil der Kritik auf einem bloßen Missverständnis beruht und wie man mit einer solchen Stellungnahme konstruktiv umgeht und sie so zum eigenen Vorteil nutzt, völlig gleich, wie sie ausgefallen sein mag, erfahren Sie in Stellungnahmen von Fachbeteiligten richtig lesen.

 

Der bequeme Feind – das Jugendamt

Die Jugendämter in Deutschland kämpfen mit einem schlechten Ruf. Entweder seien sie zu untätig oder übereifrig. Recht machen können Sie es scheinbar niemandem und richtig auch nicht.

Spätestens wenn ein Trennungskonflikt so weit geht, dass ein Familiengericht tätig wird, kommt in aller Regel auch das zuständige Jugendamt hinzu, führt Gespräche und verfasst Stellungnahmen.

Dann schlagen das schlechte Image und Berichte von unerfreulichen Erfahrungen anderer Betroffener nicht selten hoch und noch vor dem ersten tatsächlichen Kennenlernen mit dem zuständigen Mitarbeiter/der zuständigen Mitarbeiterin ist der betroffene Elternteil im Grunde auf Streit und Uneinigkeit eingestellt.

Doch es gibt auch eine andere Seite. Lesen Sie mehr unter Das Jugendamt