Familiengericht

In Angelegenheiten des Familienrechtes ist das örtlich zuständige Amtsgericht zuständig, das in Familiensachen als Familiengericht bezeichnet wird. Verhandelt werden vor dem Familiengericht Fragen des Sorgerechts, des Umgangsrechtes sowie aller Teile des Sorgerechts. Es bleibt stets ein und der/dieselbe Richter/in in allen Verfahren für die Betroffenen zuständig, um größtmögliche Kontinuität in der rechtlichen Beurteilung zu ermöglichen.

Erziehungsfähigkeit

Sowohl bei Inobhutnahmen durch das Jugendamt aber auch bei Trennung mit Kind spätestens dann, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragt, wenn zuvor das gemeinsame Sorgerecht bestanden hat, kommt die Frage nach der Erziehungsfähigkeit der Elternteile auf. Familienpsychologische Gutachten sollen dann die Frage klären, ob beide Elternteile grundsätzlich erziehungsfähig sind, ob Einschränkungen zu bemerken sind und letztlich, ob die Elternteile die elterliche Sorge für das Kind zu dessen Wohl ausüben können oder nicht.

Dabei wird häufig die Erziehungsfähigkeit verwechselt mit einem Erziehungsideal. Wer der bessere Mensch oder kompetenter bei der Nachhilfe ist, spielt dabei jedoch gar keine Rolle. Denn die Erziehungsfähigkeit bezieht sich auf die grundliegenden Fähigkeiten, die notwendig sind, um ein Kind zu erziehen und zu betreuen, ohne es dabei in seiner Entwicklung zu stören oder ihm gar zu schaden.

Viele Betroffene missverstehen den Begriff und mit einem Antrag auf das alleinige Sorgerecht bricht ein regelrechter Wettstreit darum aus, wer dem jeweils anderen mehr vermeintliche Verfehlungen im Umgang mit dem gemeinsamen Kind vorhalten kann. Im Kampf um die vermeintlich bessere Erziehungsfähigkeit werden Fruchtzwerge zur Kindeswohlgefährdung, der Opa zur latenten gesellschaftlichen Bedrohung und eine zu dünne Jacke zum Sinnbild von Ignoranz und Gleichgültigkeit.

Dabei geht es bei der Frage um die Erziehungsfähigkeit um etwas ganz anderes.

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By |Juli 22nd, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Umgangspflegschaft?

Wenn sich ein Elternpaar nicht friedlich voneinander trennt, sind Folgekonflikte die Regel. Wo in anderen Beziehungsabbrüchen oft der totale Kontaktabbruch Heilung verschafft, ist das bei gemeinsamen Kindern nicht möglich, denn die Kinder brauchen den Kontakt zu beiden Elternteilen auch nach einer Trennung für eine gesunde Entwicklung. Wie wichtig dieser Kontakt ist, macht der Gesetzgeber deutlich, indem ausdrücklich festgehalten wurde, dass der Kontakt zu beiden Eltern dem Kindeswohl in der Regel entspricht. Das führt zu einer sogenannten Negativprüfung – Umgang hat also grundsätzlich statt zu finden, weil es dem Kindeswohl dient. Davon abgewichen werden kann nur mit stichhaltigen Gründen, welche vorgebracht werden müssten. Es muss also niemand beweisen, dass der Umgang dem Kind gut tut, das Gegenteil ist der Fall.

Oft genug kommt es jedoch grade bei einer hochstrittigen Trennung mit Kind gar nicht oder nicht mehr zum Umgang, weil das betreuende Elternteil die Herausgabe verweigert oder die Elternteile schaffen es nicht, die Übergaben des Kindes ohne offenen Streit und Schuldzuweisungen vor dem Kind umzusetzen.

Dann landen solche Umgangsstreitigkeiten häufig vor Gericht und müssen von außen befriedet werden. Hierzu steht den Gerichten in Form der  Umgangspflegschaft ein vielseitiges und lebensnahes Werkzeug zur Verfügung, das den Eltern dabei helfen soll, eine kindgerechte Gestaltung von Übergaben und Umgangsregelungen zu entwickeln. Dazu kann dem Umgangspfleger/der Umgangspflegerin in letzter Konsequenz sogar das Recht übertragen werden, für die Zeit des Umganges den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen.

Ist das der Fall, kann die Herausgabe des Kindes vom betreuenden Elternteil sogar mit Hilfe der Polizei durchgesetzt werden.

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By |Juli 14th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

25.000,- € Rechnung für Umgangsboykott

Exotisch mutet es an und nachdenklich stimmt es: Das österreichische Landesgericht Kroneuburg hat in einem brandaktuellen Entscheid das getan, was deutsche Familiengerichte ausdrücklich vermeiden – es hat die Schuld in einer über Jahre andauernden Prozesskette rund um Umgangsboykott und Entfremdung unter den beteiligten Eltern verteilt und beziffert. Heraus kommt eine horrende Rechnung für die boykottierende Kindesmutter.

Vor einem deutschen Gericht wäre ein vergleichbarer Ausgang kaum denkbar, da das Zuweisen von Schuld innerhalb aller familienrechtlichen und diesen angeschlossenen Prozesse mit Nachdruck vermieden wird. Allerdings ist uns ein entsprechender Klageversuch durch eine/n Geschädigte/n auch nicht bekannt. Durch Deeskalation und fortgesetzte Motivation und Hilfe zur Kooperation wird versucht, stattdessen wieder eine funktionierende Elternebene aufzubauen. Nach wie vor scheitert hier jedoch die Mehrheit der Verfahren letztlich Allem voran an der vergehenden Zeit. Präjudizierung durch Zeitablauf ist ein erhebliches Problem, dem wenig entgegengesetzt werden kann, denn ist das Kind erst einmal entfremdet und ein Umgangsboykott hat über Monate oder sogar Jahre Bestand, steht z.B. ein Wechsel in den Haushalt des anderen Elternteils kaum noch zur Debatte.

Im hier nun in Österreich verhandelten Fall hatte ein Vater nach Jahren des Boykotts, diversen daraufhin notwendig gewordenen gerichtlichen Verfahren und einer für ihn selbst notwendigen Psychotherapie durch den Kontaktabbruch zum Kind die Rechnung aufgemacht und per Gericht eben diese Kosten in Erstattung von der Kindesmutter eingefordert mit der Begründung, dass ohne die fortgesetzte Blockadehaltung der Kindesmutter und die Manipulation des Kindes, so dass es letztlich selbst den Kontakt ablehnte, all diese Folgekosten nie entstanden wären.

Dass der Vater offenbar die Kosten für von der Mutter verlangte Umgangsbegleitungen zudem selbst tragen musste, fiel hierbei natürlich zusätzlich ins Gewicht.

Und tatsächlich – das Gericht summierte die entstandenen Kosten des Vaters auf und gewichtete die Schuld an der Gesamtsituation wie in Angelegenheiten, die nicht im Familienrecht liegen auch in Deutschland nicht unüblich, mit 1:3 zu Lasten der Kindesmutter.

Im Endergebnis zeigt sich so beeindruckend, welche auch finanzielle Belastung Trennungseltern grade dann tragen müssen, wenn eine Trennung und die folgenden Kindschaftssachen nicht einvernehmlich zu einer Regelung gebracht werden können. Nicht selten wird auch in deutschen Prozessen der Vorwurf laut, die Gegenpartei versuche durch immer wieder unnötige Verfahrenszüge, zusätzliche Unterhaltsforderungen dergleichen, das andere Elternteil finanziell an die Grenze der Handlungsfähigkeit zu treiben.

Hier lässt sich eindrucksvoll beobachten, zu welchem Boomerang ein solches Vorgehen theoretisch werden könnte: Die an den Vater zu erstattende Summe beläuft sich auf 10.983,75 €, außerdem trägt die Mutter auch die Kosten desjenigen Verfahrens zur Gänze alleine, was zusätzlich mit 13.688,61 € zu Buche schlägt.

Eine Gesamtrechnung also von 24.672, 36 €.

By |Juli 10th, 2015|Allgemein|0 Comments

OLG Bremen – Konflikte der Eltern = keine gemeinsame Sorge?

Was sich das OLG Bremen nun im Verfahren 4 UF 33/15 geleistet hat, grenzt an bewusste Blockade einer positiven Entwicklung der Familienrechtslandschaft.

Nicht von ungefähr war Kern der Gesetzesnovellierung vor zwei Jahren, nicht ehelichen Vätern das Erlangen einer gemeinsamen Sorge für leibliche Kinder zu erleichtern. Nicht zufällig war insbesondere das bis dahin geltende Veto-Recht der Kindesmutter weggefallen – der EuGH hatte Deutschland keine andere Wahl gelassen, als die Gesetze diesbezüglich zu überarbeiten, denn dass unter dem Fähnchen der Gleichberechtigung Mütter entscheiden durften, ob Väter das Sorgerecht für gemeinsame Kinder erhalten, das stellte laut EuGH eine klare Diskriminierung dar und das darf nicht sein.

Die Lösung des Gesetzgebers war o.g. vereinfachtes Verfahren zur Erlangung der gemeinsamen Sorge, die sogar rein schriftlich durch ein Gericht erteilt werden kann. Eine Anhörung der Parteien ist also nicht einmal mehr zwingend notwendig – und das ergibt durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass auch niemand die Kindesmutter genauer unter die Lupe nimmt, bevor sie mit vollem Sorgerecht für das Kind das Kranken- oder Geburtshaus verlässt. Entsprechend eigenartig mutet das schon unmittelbar nach Gesetzesänderung aufgekommene Argument an, man könne ja nicht einfach so irgendwem Sorgerecht erteilen, ohne denjenigen zumindest einmal persönlich gesehen zu haben. Doch, kann man. Kann der Gesetzgeber per se bei sämtlichen Müttern in Deutschland ja auch.

 

Die Sache mit der Kommunikation

Durch familienrechtliche Beschlüsse der vergangenen zehn Jahre zieht sich das Triggerwort “Kommunikation” wie ein roter Faden. Eines der beliebtesten Argumente, um eine gemeinsame Elterliche Sorge wahlweise abzulehnen oder sogar aufzuheben waren Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Eltern. Dabei entstand durch die Grundausrichtung der Familiengerichte auf das Kindeswohl – wonach in erster Linie gleichgültig ist, warum ein Problem für das Kind entsteht und die Frage, wie es auf kürzestem Wege zu lösen ist, davon unabhängig beantwortet werden sollte – ein maligner Motivator insbesondere für betreuende Elternteile, die eine gemeinsame Sorge mit dem anderen Elternteil ablehnten – in erdrückender Mehrheit von über 90% Mütter, die ihrerseits mit Geburt des Kindes automatisch sorgeberechtigt sind.

Denn wer die Schuld daran trug, dass keine vernünftige Kommunikation in Angelegenheiten des Kindes möglich war, untersuchten die Gerichte im Grunde gar nicht. Das eröffnete einem betreuenden Elternteil, welches nicht bereit war, die gemeinsame elterliche Sorge mit dem Umgangselternteil auszuüben die Möglichkeit, sich seiner quasi zu “entledigen”, indem selbst einfach die Kommunikation verweigert wurde.

Es ist unmöglich nachzuvollziehen, wie häufig eine gemeinsame Sorge aufgehoben oder nicht beschlossen worden ist, weil ein Elternteil mutwillig und vollkommen bewusst die konstruktive Zusammenarbeit mit dem anderen Elternteil verweigert hat. In entsprechenden Beschlüssen ist grundsätzlich die Rede von zur Kommunikation unfähigen “Eltern”. Sippenhaft im Grunde, wenn man so möchte.

Erst im Zuge der Debatte um paritätische Betreuungsmodelle und die Gesetzesnovellierung wurde auch dieses Problem mehr und mehr erkannt, so dass heute die überwiegende Mehrheit der zuständigen Gerichte bewusst ergründet, woher ein Kommunikationsproblem tatsächlich rührt, wer sich inwiefern verweigert und sich diesbezüglich nicht mehr instrumentalisieren lässt. Das geht so weit, dass mittlerweile davon ausgegangen wird, dass eine chronische Verweigerungs- und Blockadehaltung ein Ausweis für eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit des Elternteils sein kann. Die Frage, wie es in diesen Fällen um die Bindungstoleranz bestellt ist taucht rasch auf.

 

Ein Rückschritt

Insofern ist das Aufheben der – völlig nachvollziehbaren – Entscheidung des zuständigen Amtsgerichtes durch das OLG in diesem Fall ein klarer Rückschritt, insbesondere im Bezug auf die Begründung, ein vereinfachtes Verfahren käme nicht in Frage, da es offensichtlich Konflikte gebe. Allerdings – gäbe es die nicht, wäre der Fall nicht vor Gericht. Dann säßen die Eltern beim örtlichen Jugendamt und würden eine gemeinsame Sorgeerklärung unterzeichnen. Denn dass die Kindesmutter die gemeinsame Sorge nicht wünscht, begründet ja schon den Hauptkonflikt, der zu einer gerichtlichen Entscheidung überhaupt erst führen muss.

Man kann sich an dieser Stelle nur wünschen, dass das zuständige Amtsgericht das nun anstehende Hauptsachverfahren dazu nutzen wird, eine deutliche Signalentscheidung für die gemeinsame Sorge und wider Launen und Sympathien der beteiligten Eltern zu fällen.

Denn es kann und muss von Eltern verlangt werden, dass zwischenmenschliche Konflikte so weit zurückgehalten werden, dass die Angelegenheiten des Kindes in dessen Sinne und gemeinsam besorgt werden können. Wer das nicht kann oder will und eigene Befindlichkeiten über für das Kind wichtige Belange stellt, muss sich kritische Nachfragen zur tatsächlichen Erziehungsfähigkeit gefallen lassen.

Einfach einen der Konfliktfaktoren aus der Gleichung zu streichen – gewöhnlich denjenigen, dessen Streichung für das Kind oberflächlich betrachtet die geringere Erschütterung bedeutet – ist weder der Qualität und Kompetenz unserer Gerichte noch dem Gewicht solcher Entscheidungen für die betroffenen Kinder angemessen.

 

By |Mai 15th, 2015|Recht & Gerechtigkeit|4 Comments

Zeugen vor dem Familiengericht?

Regelmäßig ärgern sich betroffene Elternteile erheblich darüber, dass in ihren Augen wichtige Zeugen von den Familiengerichten nicht geladen werden. Dazu gehören nicht nur Fachpersonen wie zum Beispiel die Betreuer des Kindes in der Krippe oder Lehrkräfte, Therapeuten oder Kinderärzte, sondern häufig auch Verwandte, die Großeltern, Freunde oder ein neuer Partner/eine neue Partnerin.

Schnell wird der Vorwurf laut, die Gerichte holten gar nicht alle relevanten Informationen ein.

Tatsächlich gibt es jedoch die Möglichkeit für Betroffene, solche Aussagen Dritter dem/der zuständigen Familienrichter/in vorzulegen – in Schriftform. Durch eine sogenannte Versicherung an Eides statt kann ein Dritter eine verbindliche Stellungnahme gegenüber einem Gericht auch in der Rolle eines Zeugen durchaus machen.

Wichtiger für Betroffene dürfte allerdings sein, sicher zu unterscheiden, welche Zeugen ein Familiengericht inhaltlich überhaupt würde hören wollen, welche Aussagen der eigenen Sache tatsächlich nützen und welche sogar eher schaden können. Denn ohne kritische Reflektion kann eine eidesstattliche Versicherung, die dazu gedacht war zu belegen, dass der andere Elternteil erziehungsungeeignet ist schnell zum Boomerang werden und stattdessen die eigene Bindungstoleranz in Frage stellen.

Welche Zeugen überhaupt nützlich sein können, welche Aussagen ein Familiengericht interessieren und wann sie sogar kriegsentscheidend sein können, erklären wir im in diesem Artikel.

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By |April 28th, 2015|Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Mama ist irre und Papa ein Verbrecher!

Wenn Menschen sich streiten, werden sie gemein. Das gilt leider auch für Menschen, die gemeinsam Kinder bekommen haben und als Paar nicht mehr funktionieren. Die Unmöglichkeit, sich wirklich in aller Konsequenz vom Ex-Partner los zu lösen, weil das Kind da ist, weil man sich nicht einfach für den Rest des Lebens aus dem Weg gehen kann, führt zu zusätzlichen Spannungen in einem ohnehin meist zerrütteten und emotional aufgeladenen Verhältnis.

Der Weg zu offenem Streit ist dann nicht weit und natürlich geht es dann um das Einzige, womit noch immer beide zu tun haben – das Kind.

Zumindest vordergründig geht es um das Kind. Eigentlich geht es um viel mehr und auch der entstehende Schaden ist viel größer als Missmut und Weiterwachsen der ohnehin vorhandenen gegenseitigen Abneigung.

Wenn man sich um Zahnpastatuben, gemeinsame Freizeitgestaltung und persönliche Vorlieben nicht länger streiten kann, weil man kein Paar mehr ist, dann verlagern sich diese Diskussionen schnell gänzlich auf den Rücken der gemeinsamen Kinder. Nun geht es um deren Zahnpasta, deren Freizeitgestaltung und deren persönliche Vorlieben. Diese Art von Streit eskaliert dann in der Regel schnell und fast schon aberwitzig. Die Vorwürfe werden immer haltloser und erheblicher im selben Atemzug und am Ende landet man nicht selten vor Gericht. Bis dahin ist nicht selten die Mutter angeblich schwer psychiatrisch krank oder der Vater ein den Behörden bisher nur mit Mühe nicht ins Netz gegangener organisierter Verbrecher.

Dort stellt sich dann die bange Frage: Was ist eigentlich eine Kindeswohlgefährdung, wo fängt sie an und ist mein/e Ex schlimm genug, um ihm/ihr das Kind weg zu nehmen?

Denn darauf läuft es meist hinaus.

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Begleitperson oder Tonbandaufnahme beim Gutachten?

Das OLG Hamm hat kürzlich mit erfreulicher Vernunft festgehalten, dass zwar kein explizites Recht bestünde, sich bei Explorationsgesprächen mit psychologischen oder medizinischen Sachverständigen in familienrechtlichen Verfahren durch Tonbandaufnahmen oder eine Begleitperson/einen Zeugen abzusichern, ein dem entgegenstehendes Recht des Gutachters/der Gutachterin zumindest bezüglich der Anwesenheit einer dritten, sich nicht beteiligenden Person, besteht allerdings auch nicht.

OLG Hamm · Beschluss vom 3. Februar 2015 · Az. 14 UF 135/14

Demnach spricht zunächst einmal nichts dagegen, dass ein zu begutachtender Vater oder eine zu begutachtende Mutter sich mentale Unterstützung in Form einer dritten Person mitbringt, sofern diese sich vollkommen aus dem Gesprächsverlauf heraushält und somit die Exploration nicht stört.

Anders verhält es sich bei dem Wunsch, ein Tonband mitlaufen zu lassen – hier hat der Gutachter/die Gutachterin natürlich dasselbe Recht wie jeder andere Mensch, sich Aufnahmen der eigenen Person zu verbitten. Allerdings regt das OLG Hamm in o.g. Beschluss an, abzuwägen, welche Vorgehensweise die Exploration stärker beeinträchtigt. Jedenfalls sind Tonaufzeichnungen ohne ausdrückliches Einverständnis des familienpsychologischen Gutachters/der Gutachterin nicht erlaubt.

Geklagt hatte ein Vater, der zuvor mit einem Ablehnungsgesuch bezüglich der bestellten familienpsychologischen Gutachterin nicht erfolgreich gewesen war. Nach Aussage des betroffenen Vaters hatte er durch eine unsachliche Aussage der Gutachterin in einem früheren Explorationsgespräch das Vertrauen in deren Unbefangenheit verloren, sein Antrag scheiterte dann jedoch daran, dass er besagte Aussage nicht belegen konnte. Aufgrund dessen weigerte er sich im weiteren Verlauf ohne eine Form des Beleges weiterhin an Explorationsgesprächen Teil zu nehmen.

Die betroffene Gutachterin lehnte jedoch die Anwesenheit einer dritten Person als Zeuge ebenso wie eine Tonbandaufnahme folgender Gespräche ab.

Fazit: Steht eine familienpsychologische Begutachtung und entsprechende Explorationsgespräche an, darf ein Betroffener/eine Betroffene eine dritte Person zur Unterstützung mitbringen, die sich in Hörweite aufhalten darf, sofern diese ausdrücklich in keiner Form an der Exploration mitwirkt, also den Mund und sich heraus hält. Wen ein Betroffener/eine Betroffene hierzu einläd ist nicht eingeschränkt – es kann also der eigene Anwalt ebenso sein wie ein Großelternteil, ein Freund/eine Freundin oder ein/e Vertreter/in eines Interessenverbandes.

By |April 14th, 2015|Allgemein|1 Comment

Alleiniges Sorgerecht

Kommt es zu einer Trennung mit Kind wird “plötzlich” relevant, wer welche Rechte inne hat und wer nicht. Insbesondere das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder gewinnt erheblich an Gewicht. Dabei herrscht regelmäßig Verwirrung darüber, welche Entscheidungen überhaupt in das Sorgerecht fallen, was bei gemeinsamem Sorgerecht auch nur gemeinsam entschieden werden kann und welche Gründe ein alleiniges Sorgerecht rechtfertigen können, wenn bis zur Trennung das gemeinsame Sorgerecht bestanden hat.

Zudem haben die kürzliche Gesetzesänderung zur Erleichterung der Erlangung der gemeinsamen Sorge für nicht verheiratete Väter und eine sich deutlich verändernde Mentalität der zuständigen Familiengerichte seit der entsprechenden Rüge durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu Verunsicherung geführt.

Wann und unter welchen Umständen ein alleiniges Sorgerecht durchgesetzt werden kann – sei das entgegen der bis dahin bestehenden gemeinsamen Sorge oder in der Form, dass ein entsprechender Antrag, das gemeinsame Sorgerecht herzustellen, abgelehnt wird – und welche Gründe die Sorgerechtsregelung ausdrücklich nicht tangieren, zeigen wir im folgenden Artikel auf.

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By |März 28th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

In Brandenburg gibt es kein PAS

Wenn man sich mit Trennungskonflikten, Kindschaftsrecht und Lösungsansätzen für Nachtrennungsszenarien befasst, dann kommt man nicht umhin, den ein oder anderen Gerichtsbeschluss oder dessen Fazit mindestens zur Kenntnis zu nehmen. Meist handelt es sich um relativ übliche Interpretationen häufiger Probleme: Umgang ja oder nein und wenn nein, warum nicht? Wechselmodell ja oder nein und wenn ja, wieso? Leidet ein Kind unter dem gemeinsamen Sorgerecht, wenn die Eltern trotz fortgeschrittenen Alters nicht die innere Reife finden sich nicht aufzuführen wie Fünfjährige, die um ein Schaufelchen streiten? Aber hin und wieder ist auch etwas dabei, das staunen oder gleich irritiert die Brauen heben lässt.

So geschehen nun anhand einer im Brustton des Kindeswohls erklärten Entscheidung des Landesverfassungsgerichtes Brandenburg zu einem Fall, der im brandenburger Raum einen etwas extremen Richtungswechsel nahm.

 

Beide Eltern oder gar keine?

Doch von Anfang an:

Die Eltern des 2001 geborenen Mädchens trennten sich, als die Tochter 2 Jahre alt war und lieferten sich dann diverse familiengerichtliche Auseinandersetzungen unter anderem auch um den dauerhaften Wohnort des Kindes. Beide Eltern wollten also, dass das Mädchen bei ihnen lebt. 2004 dann – da war die Tochter also 3 Jahre alt – kam das Kind im Zuge einer einstweiligen Anordnung in den Haushalt des Kindesvaters, dem 2006 – inzwischen 5 Jahre alt und seit 2 Jahren mit Lebensmittelpunkt beim Kindesvater – das alleinige Sorgerecht übertragen wurde[weiterlesen…]

By |März 3rd, 2015|Allgemein, Parental Alienation Syndrome|0 Comments

Sorgerecht ohne Entscheidungsgewalt

Wird eine gerichtliche Umgangsregelung nicht eingehalten, gibt es Möglichkeiten für betroffene Eltern, die Vereinbarung durchzusetzen. Theoretisch ist das auch im Bezug auf das Sorgerecht der Fall – praktisch kann man nichts dagegen unternehmen, wenn ein Elternteil einfach alleine entscheidet und Fakten schafft.

Das Kind ist plötzlich in einem Kindergarten, in einer medizinisch nicht zwingend nötigen Behandlung oder getauft und es lässt sich einfach nicht rückgängig machen. Nicht, ohne dem Kind damit zu schaden. Elternteile, welche die gemeinsame Sorge blockieren, wissen das sehr genau. Sie wissen, ist das Kind erst einmal zwischen die Fronten gestellt, wird ihre Alleinentscheidung Bestand haben, schon weil niemand das Kind für den Elternkonflikt büßen lassen will.

Es fehlt an Wegen und Werkzeugen um eine kooperative Elternschaft in der gemeinsamen Sorge tatsächlich durchzusetzen. Auf der Strecke bleiben die von den Entscheidungen ausgeschlossenen Elternteile, die nicht selten gegen Wände laufen – im Kindergarten, beim Kinderarzt und in der Schule. Dort werden sie oft an den anderen Elternteil verwiesen. Dort solle man sich informieren. Doppelte Elterngespräche werden nicht selten abgelehnt.

Was also tun, wenn man zwar das Sorgerecht hat aber dennoch von allen relevanten Entscheidungen ausgeschlossen wird?

Ein erster Schritt kann sein, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Lesen Sie mehr unter Sorgerecht – das Papier nicht wert?

By |Oktober 26th, 2014|Allgemein|0 Comments