Ausgefallenen Umgang nachholen? Muss man das?

Umgangsregelungen, ganz egal ob gerichtlich beschlossen oder allein unter den Eltern nach einer Trennung mit Kind vereinbart, sind oft komplex, umfangreich und gute Regelungen zudem sehr spezifisch. Das muss auch so sein, denn immerhin müssen die Terminplanungen zweier Erwachsener und mindestens eines Kindes irgendwie unter einen Hut – und im Idealfall soll das alles auch noch möglichst stressarm umsetzbar sein.

Es lässt sich in aller Regel nicht über Jahre hinweg völlig verhindern, dass Termine einmal nicht eingehalten werden können. Das kann durch eine schwere Erkrankung des Kindes notwendig werden, durch berufliche Abwesenheiten eines Elternteils, durch Urlaubsreisen oder sonstige unvorhergesehene Zwischenfälle, die zum Beispiel den/die Umgangsberechtigte/n daran hindern, wie geplant den Umgang wahr zu nehmen. Hierbei ist zunächst wichtig zu verstehen, dass Umgangstermine – insbesondere durch einen Gerichtsbeschluss festgelegte – keine Wahlveranstaltungen sind[Weiterlesen…]

By |Mai 11th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Was ist Bindungstoleranz?

Wenn eine Trennung mit Kind eskaliert, sogar bis vor ein Familiengericht kommt um Umgang oder Sorgerecht (neu) zu regeln, dann fällt oft der Begriff “Bindungstoleranz”. Er ist wesentlicher Bestandteil praktisch jedes familienpsychologischen Gutachtens und kann sogar entscheidend für die Frage sein, wo das Kind zukünftig leben und wie das Sorgerecht geregelt werden soll.

Häufig wird Bindungstoleranz sehr unreflektiert in direkten Zusammenhang mit Entfremdung und Beeinflussung gebracht, allerdings handelt es sich um zwei zwar aufeinander aufbauende aber jeweils komplexe Problemstellungen. Eine Entfremdung, Beeinflussung oder auch ein Umgangsboykott ist letztlich die Blüte, die ein eklatanter Mangel an Bindungstoleranz treibt. Die Frage nach Letzterer ist viel mehr die Frage nach dem “Warum?”. Wieso tut jemand so etwas? Was treibt eine entfremdende Person dazu, dem Kind scheinbar sehenden Auges zu schaden und weshalb ist die Bindungstoleranz derart wichtig, dass bei einem erheblichen Mangel sogar ein Entzug des Sorgerechts in Erwägung gezogen werden kann, wenn Umgangspflegschaften und Mediationen keine Ergebnisse erzielen?

So hat bereits in 2009 das OLG Brandenburg einer Mutter das Sorgerecht für ihr Kind gänzlich entzogen und auf den Vater übertragen, nachdem fortgesetzt der Umgang verweigert wurde – aufgrund eines erheblichen Mangels an Bindungstoleranz.

Wenn Umgang verweigert oder boykottiert wird, lässt sich im Grunde immer von einem Problem der Bindungstoleranz sprechen, so auch bei Beeinflussung, Manipulation und Entfremdung des Kindes von einer Bezugsperson. Elternexklusiv ist das Problem jedoch nicht. Auch Großeltern und Stiefeltern können von mangelnder Bindungstoleranz betroffen sein.

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Zeugen vor dem Familiengericht?

Regelmäßig ärgern sich betroffene Elternteile erheblich darüber, dass in ihren Augen wichtige Zeugen von den Familiengerichten nicht geladen werden. Dazu gehören nicht nur Fachpersonen wie zum Beispiel die Betreuer des Kindes in der Krippe oder Lehrkräfte, Therapeuten oder Kinderärzte, sondern häufig auch Verwandte, die Großeltern, Freunde oder ein neuer Partner/eine neue Partnerin.

Schnell wird der Vorwurf laut, die Gerichte holten gar nicht alle relevanten Informationen ein.

Tatsächlich gibt es jedoch die Möglichkeit für Betroffene, solche Aussagen Dritter dem/der zuständigen Familienrichter/in vorzulegen – in Schriftform. Durch eine sogenannte Versicherung an Eides statt kann ein Dritter eine verbindliche Stellungnahme gegenüber einem Gericht auch in der Rolle eines Zeugen durchaus machen.

Wichtiger für Betroffene dürfte allerdings sein, sicher zu unterscheiden, welche Zeugen ein Familiengericht inhaltlich überhaupt würde hören wollen, welche Aussagen der eigenen Sache tatsächlich nützen und welche sogar eher schaden können. Denn ohne kritische Reflektion kann eine eidesstattliche Versicherung, die dazu gedacht war zu belegen, dass der andere Elternteil erziehungsungeeignet ist schnell zum Boomerang werden und stattdessen die eigene Bindungstoleranz in Frage stellen.

Welche Zeugen überhaupt nützlich sein können, welche Aussagen ein Familiengericht interessieren und wann sie sogar kriegsentscheidend sein können, erklären wir im in diesem Artikel.

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By |April 28th, 2015|Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Alltagssorge hat auch ein Umgangselternteil

Ein spannendes und klärendes Urteil zum nach wie vor sehr umtriebenen Thema Alltagssorge kommt aktuell vom OLG Brandenburg. Ein umgangsberechtigter Vater wollte seiner Nachbarin den Kontakt zu seinem Kind untersagen, wenn dieses zum Umgang bei ihm ist. Die Nachbarin aber wollte sich daran nicht halten und die Kindesmutter einem solchen Kontaktverbot nicht zustimmen. Die Angelegenheit landete vor dem AG Cottbus und dieses befand, mit welchen Dritten das Kind Umgang habe oder nicht, sei eine Entscheidung, die durch beide sorgeberechtigten Eltern gemeinsam getroffen werden müsse, alleine dürfe der Vater kein Näherungsverbot aussprechen.

Auf die Beschwerde des Vaters beim OLG Brandenburg wurde dieser Beschluss abgeändert und entspricht damit dem Wunsch des Kindesvaters nach einem Näherungsverbot mit empfindlicher Ordnungsgeldandrohung. Nachzulesen im Detail hier: Brandenburgisches Oberlandesgericht 1. Senat für Familiensachen vom 13.01.2015 9 UF 24/124

Natürlich, so das OLG, könne der Vater ein solches Näherungs- und Kontaktverbot alleine aussprechen, denn es handle sich um eine Sache des alltäglichen Lebens, nicht um eine Entscheidung von erheblicher Tragweite für das Kind wie z.B. die Schulwahl oder die Wahl der Religion. Und solche Entscheidungen des alltäglichen Lebens könne derjenige Elternteil alleine treffen, bei dem das Kind zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ist, den diese Alltagsgestaltung also konkret betrifft.

Was das OLG Brandenburg hier im Einzelfall regelt hat allgemeines Gewicht, denn in diesem Beschluss resp. dessen Begründung steckt die klare Aussage: Alltagssorge hat immer derjenige, bei dem das Kind sich zum relevanten Zeitpunkt aufhält. Es ist kein Sonderrecht überwiegend betreuender Elternteile.

Wie realitätsfern die Idee des AG Cottbus tatsächlich war zeigt sich, wenn man sich vorstellt, jedes Elternteil müsse nach einer Trennung bezüglich jeder Drittperson, mit welcher das Kind Umgang hat oder in Kontakt kommt, die Zustimmung des jeweils anderen einholen – und das nicht nur im Falle eines Kontaktausschlusses sondern, im Umkehrschluss, dann natürlich auch wenn Kontakt zu dieser Person erwünscht wäre. Denn weshalb Nichtkontakt zu einer Drittperson erheblichere Auswirkungen für das Kind haben sollte als (regelmäßiger) Kontakt, erschließt sich nicht.

Man stelle sich vor, wieviele Auseinandersetzungen vor die Familiengerichte getrieben würden um die Frage, ob der neue Freund der Mutter oder die neue Freundin des Vaters Kontakt zum Kind haben dürfte.

 

 

By |April 25th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Die/der Ex, ihr/seine Neue/r und mein Kind

Wenn sich Eltern trennen verkompliziert sich die Situation häufig erheblich, sobald neue Partner in das Leben der Erwachsenen treten. Die latente Frage, was der/die Neue darf oder nicht darf, welche Grenzen zu wahren sind und ob und wann einem Elternteil ein Vetorecht zusteht, beschäftigt viele Betroffene.

Die wohl häufigste Frage überhaupt vorab beantwortet:

Darf mein/e Ex den neuen Partner/die neue Partnerin meinem Kind ohne meine Erlaubnis vorstellen?

Die Antwort lautet: Ja.

Es existiert keine belastbare Grundlage für ein Vetorecht des anderen Elternteiles, wenn es darum geht, dass das Kind den neuen Partner/die neue Partnerin kennenlernen soll.

Mit einigen weiteren der wohl häufigsten Fragen rund um Befugnisse, Rechte und Unrechte neuer Partner haben wir uns beschäftigt und uns darum bemüht aufzuzeigen, wo die Alleinentscheidungsbefugnis eines Elternteiles aufhört und zum Beispiel eine gemeinsame Sorge beider Eltern greift – und somit auch ein Vetorecht des anderen Elternteils bestehen kann.

Darf der/die Neue mit zum Elternabend? Darf er/sie mein Kind baden?

Das und mehr erfahren Sie im neuen Artikel: Weiterlesen…

By |April 23rd, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit, Trennungskinder|1 Comment

Trennungmitkind.com nominiert für Liebster-Award!

Nun hat doch tatsächlich Thomas Friedrichs vom Rosenkrieg-Blog Trennungmitkind.com für den Liebster Award nominiert. Was ist das für ein Award? Nun, ein ganz charmanter, denn er ist eine Initiative von Bloggern für Blogger und bedeutet: “Ich finde Deinen Blog klasse und möchte mehr über Dich als Autor erfahren!”

Einen ganz herzlichen Dank für das Lob zu allererst einmal an Dich, lieber Thomas.

Thomas und ich haben uns beim Netzwerken kennengelernt und verweisen bei entsprechenden Schnittstellen gerne auf den Blog des jeweils anderen. Das ergänzt sich ganz fantastisch, weil Thomas im Rosenkrieg-Blog sehr reflektiert und hautnah schildert, wie er als Betroffener Situationen erlebt, die hier auf Trennungmitkind.com aus einer sehr nüchternen, oft juristischen oder fachspezifischen Sicht beleuchtet werden.

Zum Liebster Award gehört es dann, dem Autoren – also mir – 11 Fragen zu stellen, die tiefere Einblicke in dessen Persönlichkeit, Werdegang, Ziele und Motivation schaffen sollen und der Autor – also ich – nominiert im Abschluss selbst 3 bis 6 andere Autoren von interessanten und hilfreichen Blogs.

 

Hier nun Thomas´Fragen und meine Antworten:

1. Was hat dich dazu bewegt, Blogger zu werden?

Eigentlich ein Schock, wenn man so möchte. Ich war schon lange und sehr erfolgreich in meinem Beruf als Headhunterin tätig und selbständig, als sich ein Geschäftspartner das Leben nahm, weil er seine Kinder nach der Scheidung nicht mehr sehen durfte. Das war für mich erschütternd und es ließ mich nicht mehr los. Gleichzeitig steckte ein enger Freund in einer sehr ähnlichen Situation, durfte seine kleine Tochter nicht sehen und ich wollte helfen. Also habe ich mich in die Materie eingearbeitet und über Jahre und Prozesse in mehreren Instanzen hinweg unfassbar viel Wissen über die Vorgänge nach Trennungen und Scheidungen mit Kindern gesammelt.

Ob ich bewusst “Blogger geworden” bin, weiß ich gar nicht so genau. Es war mir wichtig, das geballte Wissen, das ich angesammelt hatte, an andere Betroffene weiter zu geben und damit so vielen wie möglich zu ersparen, dieselben Erfahrungen und Fehler erneut machen zu müssen, die ich schon hinter mir hatte. Da kam mir kein besseres Medium in den Sinn, als das Internet. Und wenn Du etwas zu sagen hast, das andere hören/lesen können sollen, lag für mich ein Blog nahe. Der ließ sich schnell einrichten, ich – als digital minderbegabte Persönlichkeit – konnte die Software bedienen, kam damit zurecht und konnte erst einmal diesen Stau an Output in die Welt hinaus lassen.

Wohin es sich entwickeln würde, war für mich so nicht abzuschätzen und ich hätte es mir auch kaum vorstellen können. Welche Macht das Medium Internet tatsächlich entwickelt, war für mich neu, obwohl ich in meiner Generation natürlich mit dem Netz aufgewachsen bin. Aber so aus der Nähe hatte ich es nie erlebt. Heute lesen täglich mehrere hundert Menschen meine Artikel, also tausende pro Monat. Das ist für mich  noch immer absolut unbegreiflich.

2. Was machst du, Morgens nachdem aufstehen, zu aller erst?

Also wenn ich eines keinesfalls bin, dann ein Morgenmensch. Die erste Stunde nach dem Aufstehen dient mir rein zum hochfahren des inneren Betriebssystemes mit Hilfe von Tee, Nikotin und einer nicht zu anspruchsvollen Tätigkeit – Emails lesen zum Beispiel. Merke: Lesen. Auf gar keinen Fall beantworten, denn dazu bin ich in diesem frühen Stadium keinesfalls imstande. Die Sprache hat mich dann noch nicht wieder und insgesamt ist nicht viel mit mir anzufangen, bis der Morgennebel sich aus meinem Kopf verzogen hat. Ich sitze dann zombiesk vor meinem PC und warte, bis sich das Gefühl einstellt, sinnvoll am allgemeinen Leben teilhaben zu können 😉

3. Welche Ausbildung/en hast du in deinem Leben genossen?

Streng genommen mehrere, wenn man sich auf klassische Ausbildungen beziehen möchte, aber für den Blog ist das weniger relevant. Von Haus aus habe ich einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, habe lange Jahre im In- und Ausland in der Key-Account-Betreuung und im Headhunting gearbeitet und habe vermutlich so viele Kommunikations- und Vertriebsschulungen hinter mir wie sonst nur Frontmänner der großen Banken ;). Schon das hatte mit dem ursprünglichen kaufmännischen Ansatz nicht mehr viel zu tun, sondern vielmehr mit der Arbeit mit und am Menschen. Es bot sich mir die Möglichkeit, mich in die objektive Hermeneutik einführen zu lassen. So kam ich auf meinen ganz persönlichen Spleen für Kommunikations- und Interaktionspsychologie. Das ist ein tiefes Interesse, das mich schon lange vor dem Trennungmitkind.com-Blog und dem Themenradius, den ich darin behandle, getrieben hat. Wieviele Bücher ich gelesen habe, Studien, Versuchsberichte etc. weiß ich heute nicht mehr und könnte es nicht beziffern. Es wurde mein Thema und ich habe begonnen, mich in meinem damaligen Beruf auf eine Art Profiling zu spezialisieren, das mich von der Konkurrenz abgehoben hat, so dass ich letztlich als junge Frau erfolgreich selbständig als Headhunterin arbeiten konnte in einem Fachsegment – technische Führungskräfte – das eigentlich von älteren Herren beherrscht wird. Gleichzeitig habe ich von Kindesbeinen an durch meinen heute leider verstorbenen Vater ein sehr solides Grundverständnis für die Funktionsweisen des deutschen Rechtssystems gewinnen dürfen, das ich in den Jahren darauf ebenfalls aus Eigeninteresse immer weiter ausgebaut habe. Sehr sehr wichtig war in diesem Kontext aus heutiger Sicht für mich die Zeit, in der ich als einzige Nicht-Juristin im größten deutschsprachigen Rechtsforum mitmoderieren und sehr viel von Anwälten und Anwältinnen unterschiedlichster Schwerpunkte lernen durfte.

Insofern muss und kann man sagen, was ich hier heute mit Trennungmitkind.com tue, habe ich nie konkre gelernt, es fügt sich eher aus diversen Bereichen schlüssig zusammen. Allerdings möchte ich jetzt zeitnah noch konsequenter Hilfestellungen leisten können. Deshalb bin ich im Begriff, mich hier um spezifische, insbesondere fachpädagogische und auch juristische Weiterbildungen zu kümmern. Ich möchte gerne als Verfahrens- und Umgansgpflegerin auch im gerichtlichen Auftrag tätig werden können und so Menschen helfen, die nicht selbst den Weg zum Blog finden.
4. Du hast drei Wünsche frei, was wünschst du dir?

Eine Instant-Revolutionierung des deutschen Familienrechtes, die viele Problemstellungen, mit denen ich mich heute gemeinsam mit Betroffenen auseinandersetze gar nicht erst aufkommen lässt, dass die Menschen den Drang verlieren, sich gegenseitig zu verletzen und zu schaden und einen Lebensvorrat von diesem fantastischen Eisteepulver, das es nur in der Schweiz zu kaufen gibt.

5. Was ist an deinem Blog so besonders und warum sollten die leute ihn verfolgen?

Es gibt keinen Vergleichbaren. Das höre und lese ich immer und immer wieder sowohl von Betroffenen als auch von Fachkräften, die für Gerichte in Familiensachen tätig sind. Neben all den teils sehr persönlich oder ideologisch eingefärbten Angeboten im Thema fehlte einfach eine nüchterne, sachliche Herangehensweise und auch der ultimative Fokus auf Soforthilfe für Betroffene war nicht da. Viele Verbände und Vereinigungen machen Politik – das ist das große Bild. Gleichzeitig im großen Bild und im Einzelfall wirklich konkret und sinnvoll helfen, halte ich für sehr schwierig. Dazu sind die Interessen dann einfach zu gegensätzlich.

Trennungmitkind.com macht keine Politik, sondern hat sich stur in den Kopf gesetzt, Hilfe zu leisten. Sei das durch Wissensvermittlung, Informationsbereitstellung, durch nützliche Links zu Angeboten anderer Anbieter oder durch ganz konkrete Einzelfallberatung durch mich persönlich. Das Wissen auf dieser Seite kann erheblichen Schaden vermeiden, wenn man es sich rechtzeitig aneignet und das Feld ist weit, es gibt so viel zu erklären, zu ergründen und weiter zu geben.
6. Wer bin ich und wenn ja, wieviel? Diese Frage hat “Richard David Precht” in seinem Buch behandelt und uns an die großen Fragen der Philosophie heran geführt. Was bedeutet diese Frage für dich persönlich?

Sie bedeutet für mich die Wandelbarkeit und den Facettenreichtum der menschlichen Persönlichkeit. Niemand ist “nur” Mann oder Frau, “nur” Vater oder Mutter, “nur” Blogautor oder Postbote, Polizistin oder Bankangestellter. Aber wir versteifen uns häufig auf eine dieser vielen Seiten an uns, wenn die Emotionen überkochen und verlieren unser großes Ganzes aus dem Blick und damit auch die Relation der Dinge, die uns ärgern, verletzen oder umtreiben.

Ein Schritt zurück, damit man wieder Wald statt Baum sieht, hilft oft.
7. Beschreibe deinen Blog in 3 Stichwörtern.

Informativ, nützlich, notwendig
8. Angenommen es gäbe wirklich einen Gott und du darfst diesem eine Frage stellen, welche wäre das?

Würdest Du es nochmal tun?
9. Wie gehst du mit Kritik zu deinem Blog um?

Inzwischen sehr professionell, hoffe ich. Am Anfang war das nicht so einfach. Zwar haben mich Freunde, auch Internet-affinere Freunde als ich selbst, davor gewarnt, dass mit steigender Bekanntheit bald auch kritische Stimmen laut werden würden, als dann aber tatsächlich teilweise sehr wilde Vorwürfe auftauchten, hat mich das sehr irritiert und auch geärgert. Das Themenfeld in dem ich mich bewege ist emotional sehr aufgeladen und auch hochpolitisch. Dass nicht alle meiner Meinung sind ist normal und damit kann ich gut umgehen. Aber es kommen in regelmäßigen Abständen und je nach aktuellem Artikelthema auch Vorwürfe auf, der Blog sei wahlweise “väterfreundlich” oder “mütterfreundlich” oder “systemfreundlich” und dergleichen. Das ärgert mich. Mit konkreter, greifbarer Kritik kann und will ich konstruktiv umgehen. Aus meinem direkten Netzwerk lesen jederzeit mehrere Fachkräfte unterschiedlicher Bereiche mit und würden mich auf grobe zum Beispiel inhaltliche Fehler sofort ansprechen. Das ist mir sehr wichtig, auch für meine Leser, um die Qualität meiner Artikel zu sichern.

Geärgert, also wirklich richtig geärgert, haben mich Versuche von anderen Anbietern von Betroffenenberatung, in Artikelkommentaren haltlos meine Artikel zu zerreißen, um dann im Fließtext Werbung für die eigene Seite oder ein eigenes Produkt zu platzieren. Das fand ich frech und hochgradig unprofessionell.
10. Alles Ansichtssache, oder?

Absolut. Jeder Mensch generiert seine eigene Realität aus seinem Fundus an Erfahrungen, Wissen, Gefühlen und Wünschen/Zielen. Wir alle leben in einer eigenen kleinen Welt, sind uns dessen aber viel zu selten bewusst. Dabei kann das Ausbrechen aus der eigenen kleinen Blase und ein Blick in die Blase eines anderen viele Missverständnisse ausräumen und es sehr viel leichter machen, gut miteinander aus zu kommen.
11. Was ist dein nächstes Projekt?

Wie erwähnt will ich den konsequenten nächsten Schritt gehen und die Fachweiterbildung zur Verfahrens- und Umgangspflegerin absolvieren. Das, was ich hier tue, ist in meinen Augen einfach zu wichtig, um es halbherzig zu machen. Für den Blog selbst schweben mir diverse Ideen im Kopf herum wie mehr Interaktivität, Austauschmöglichkeiten für Betroffene, vielleicht ein angebundenes Forum oder ein Chat, in dem man sich schneller und einfacher austauschen kann, ohne für eine politische Strömung rekrutiert zu werden. Das sind kleine Verbesserungen für die Leser, die nach und nach kommen werden und irgendwann wohl auch den Umbruch mit sich bringen vom Blog zur Website. Darauf bin ich sehr gespannt und freue mich.

 

 

Noch einmal ganz herzlichen Dank an Thomas Friedrich vom Rosenkrieg-Blog für diese Nominierung. Deine Fragen waren taff aber auch sehr spannend und es hat Spaß gemacht, sich damit auseinander zu setzen.

Ich nominiere für den Liebster Award:

Susanne Petermann vom Stiefmutterblog

Den Herrn Doktor von kinderdoc.wordpress.com

Hans-Georg Nelles von vaeter-und-karriere.de

Eine weitere Wahl wäre eindeutig Lutz Bierend von fatherleft gewesen, aber da Lutz sich schon mit Melanies Fragen befassen darf und auch schon mehrfach nominiert war, belasse ich es hier bei einer Erwähnung ehrenhalber 😉

 

11 Fragen an die Nominierten:

  1. Wenn Dir vor 10 Jahren jemand gesagt hätte “In 10 Jahren bist du Blogger”, was hättest du geantwortet?
  2. Was hat dich an deinen oder bezüglich deiner Leser am meisten überrascht?
  3. Was war der glücklichste Zufall deines bisherigen Lebens?
  4. Wenn du heute deinen Blog noch einmal ganz neu starten würdest – was würdest du anders machen?
  5. Hast du einen “Traum”?
  6. Angenommen morgen würde das Internet abgeschaltet – was würdest du tun?
  7. Was hat dich im Internet bisher am meisten geärgert?
  8. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn…?
  9. Welche Jahreszeit liegt dir am meisten und warum?
  10. Gab es ein alternatives Thema, über das du gerne bloggen würdest oder gebloggt hättest?
  11. Dein Blog in 5 Jahren…?

 

 

Und so gibst du den „Liebster Award“ weiter:

  • Verlinke die Person, die dich nominiert hat auf deinem Blog
  • Beantworte meine 11 Fragen
  • Wähle Blogs aus, die du nominieren möchtest
  • Teile den jeweiligen Bloggern mit, dass du sie nominiert hast
  • Formuliere 11 Fragen, die du den Nominierten stellst
By |April 21st, 2015|Allgemein|0 Comments

Mama ist irre und Papa ein Verbrecher!

Wenn Menschen sich streiten, werden sie gemein. Das gilt leider auch für Menschen, die gemeinsam Kinder bekommen haben und als Paar nicht mehr funktionieren. Die Unmöglichkeit, sich wirklich in aller Konsequenz vom Ex-Partner los zu lösen, weil das Kind da ist, weil man sich nicht einfach für den Rest des Lebens aus dem Weg gehen kann, führt zu zusätzlichen Spannungen in einem ohnehin meist zerrütteten und emotional aufgeladenen Verhältnis.

Der Weg zu offenem Streit ist dann nicht weit und natürlich geht es dann um das Einzige, womit noch immer beide zu tun haben – das Kind.

Zumindest vordergründig geht es um das Kind. Eigentlich geht es um viel mehr und auch der entstehende Schaden ist viel größer als Missmut und Weiterwachsen der ohnehin vorhandenen gegenseitigen Abneigung.

Wenn man sich um Zahnpastatuben, gemeinsame Freizeitgestaltung und persönliche Vorlieben nicht länger streiten kann, weil man kein Paar mehr ist, dann verlagern sich diese Diskussionen schnell gänzlich auf den Rücken der gemeinsamen Kinder. Nun geht es um deren Zahnpasta, deren Freizeitgestaltung und deren persönliche Vorlieben. Diese Art von Streit eskaliert dann in der Regel schnell und fast schon aberwitzig. Die Vorwürfe werden immer haltloser und erheblicher im selben Atemzug und am Ende landet man nicht selten vor Gericht. Bis dahin ist nicht selten die Mutter angeblich schwer psychiatrisch krank oder der Vater ein den Behörden bisher nur mit Mühe nicht ins Netz gegangener organisierter Verbrecher.

Dort stellt sich dann die bange Frage: Was ist eigentlich eine Kindeswohlgefährdung, wo fängt sie an und ist mein/e Ex schlimm genug, um ihm/ihr das Kind weg zu nehmen?

Denn darauf läuft es meist hinaus.

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Begleitperson oder Tonbandaufnahme beim Gutachten?

Das OLG Hamm hat kürzlich mit erfreulicher Vernunft festgehalten, dass zwar kein explizites Recht bestünde, sich bei Explorationsgesprächen mit psychologischen oder medizinischen Sachverständigen in familienrechtlichen Verfahren durch Tonbandaufnahmen oder eine Begleitperson/einen Zeugen abzusichern, ein dem entgegenstehendes Recht des Gutachters/der Gutachterin zumindest bezüglich der Anwesenheit einer dritten, sich nicht beteiligenden Person, besteht allerdings auch nicht.

OLG Hamm · Beschluss vom 3. Februar 2015 · Az. 14 UF 135/14

Demnach spricht zunächst einmal nichts dagegen, dass ein zu begutachtender Vater oder eine zu begutachtende Mutter sich mentale Unterstützung in Form einer dritten Person mitbringt, sofern diese sich vollkommen aus dem Gesprächsverlauf heraushält und somit die Exploration nicht stört.

Anders verhält es sich bei dem Wunsch, ein Tonband mitlaufen zu lassen – hier hat der Gutachter/die Gutachterin natürlich dasselbe Recht wie jeder andere Mensch, sich Aufnahmen der eigenen Person zu verbitten. Allerdings regt das OLG Hamm in o.g. Beschluss an, abzuwägen, welche Vorgehensweise die Exploration stärker beeinträchtigt. Jedenfalls sind Tonaufzeichnungen ohne ausdrückliches Einverständnis des familienpsychologischen Gutachters/der Gutachterin nicht erlaubt.

Geklagt hatte ein Vater, der zuvor mit einem Ablehnungsgesuch bezüglich der bestellten familienpsychologischen Gutachterin nicht erfolgreich gewesen war. Nach Aussage des betroffenen Vaters hatte er durch eine unsachliche Aussage der Gutachterin in einem früheren Explorationsgespräch das Vertrauen in deren Unbefangenheit verloren, sein Antrag scheiterte dann jedoch daran, dass er besagte Aussage nicht belegen konnte. Aufgrund dessen weigerte er sich im weiteren Verlauf ohne eine Form des Beleges weiterhin an Explorationsgesprächen Teil zu nehmen.

Die betroffene Gutachterin lehnte jedoch die Anwesenheit einer dritten Person als Zeuge ebenso wie eine Tonbandaufnahme folgender Gespräche ab.

Fazit: Steht eine familienpsychologische Begutachtung und entsprechende Explorationsgespräche an, darf ein Betroffener/eine Betroffene eine dritte Person zur Unterstützung mitbringen, die sich in Hörweite aufhalten darf, sofern diese ausdrücklich in keiner Form an der Exploration mitwirkt, also den Mund und sich heraus hält. Wen ein Betroffener/eine Betroffene hierzu einläd ist nicht eingeschränkt – es kann also der eigene Anwalt ebenso sein wie ein Großelternteil, ein Freund/eine Freundin oder ein/e Vertreter/in eines Interessenverbandes.

By |April 14th, 2015|Allgemein|1 Comment

Alleiniges Sorgerecht

Kommt es zu einer Trennung mit Kind wird “plötzlich” relevant, wer welche Rechte inne hat und wer nicht. Insbesondere das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder gewinnt erheblich an Gewicht. Dabei herrscht regelmäßig Verwirrung darüber, welche Entscheidungen überhaupt in das Sorgerecht fallen, was bei gemeinsamem Sorgerecht auch nur gemeinsam entschieden werden kann und welche Gründe ein alleiniges Sorgerecht rechtfertigen können, wenn bis zur Trennung das gemeinsame Sorgerecht bestanden hat.

Zudem haben die kürzliche Gesetzesänderung zur Erleichterung der Erlangung der gemeinsamen Sorge für nicht verheiratete Väter und eine sich deutlich verändernde Mentalität der zuständigen Familiengerichte seit der entsprechenden Rüge durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu Verunsicherung geführt.

Wann und unter welchen Umständen ein alleiniges Sorgerecht durchgesetzt werden kann – sei das entgegen der bis dahin bestehenden gemeinsamen Sorge oder in der Form, dass ein entsprechender Antrag, das gemeinsame Sorgerecht herzustellen, abgelehnt wird – und welche Gründe die Sorgerechtsregelung ausdrücklich nicht tangieren, zeigen wir im folgenden Artikel auf.

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By |März 28th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Die 5 größten Irrtümer im Umgangsverfahren

Immer wieder scheitern Elternteile nach einer Trennung mit Kind gefühlt oder tatsächlich beim Versuch, die Ihnen vorschwebende Umgangsregelung gerichtlich durchzusetzen oder in der Folge die Umsetzung sicherzustellen. Häufig allerdings ist Teil des Problemes Informationsmangel bei den Betroffenen und relativ schlichte Formfehler, die im Ergebnis dazu führen können, dass Umgänge nicht oder nicht immer funktionieren, Abläufe nicht klappen wollen oder sogar ein Umgangsboykott scheinbar folgenlos stattfinden kann.

Wir nennen die 5 größten Irrtümer im Umgangsverfahren vor dem Familiengericht, die zu solchen Ergebnissen führen können:

 

1. Das Gericht ist dafür zuständig die fairste Lösung zwischen den Eltern herzustellen

Falsch.
Das Gericht ist dafür zuständig – und das wird ausdrücklich vom Gesetzgeber verlangt – die für das betroffene Kind entwicklungspsychologisch mutmaßlich beste bzw. unschädlichste Lösung zu finden. Das sogenannte Kindeswohl ist der Maßstab. Das kann – im Extremfall – bedeuten, dass ein Gericht einen Umgangsausschluss[weiterlesen…]

By |März 24th, 2015|Allgemein|0 Comments