Werden Kinder gegen einen Elternteil beeinflusst, lehnen Sie in der Regel mit der Zeit den Kontakt zu diesem Elternteil “von selbst” ab.

Hierbei treten regelmäßig Fälle auf, in denen der Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt und auch das Kind selbst in auffälliger Weise immer wieder betont, es sei allein Entscheidung des Kindes, den Umgangselternteil nicht mehr sehen zu wollen. Ausdrücklich: Das Kind will nicht. Mit dem betreuenden Elternteil habe das nichts zu tun.

Je nach Fortschritt der Entwicklung wird irgendwann ein Punkt erreicht, an dem Kontakt zwischen dem Kind und dem abgelehnten Elternteil kaum noch oder nur noch mit intensiver Begleitung möglich ist.

Man kann eine stete Eskalation beobachten:

  • Zunächst weint das Kind z.Bsp. bei der Abholung, lässt sich jedoch, sobald der andere Elternteil nicht mehr in der Szene ist, recht gut und schnell auf den Umgangselternteil ein.
  • Dann nehmen, zusätzlich zu dem Weinen und ggf. Widerstreben bei der Abholung, während des Umganges die Forderungen des Kindes – insbesondere bei Konflikten jeder Art – zu, es sofort zum Betreuungselternteil zurück zu bringen.
  • Während der Umgangszeit tauchen zunehmend Ablehnungen auf. Sobald dem Kind langweilig ist, es ein “Nein” hört oder es nicht bekommt, was es will, fordert es sofort, zum Betreuungselternteil zurückgebracht zu werden, bei dem es gleicher Maßen immer vehementer erklärt, keinen Kontakt mehr zu wollen. Oft bestärkt durch den Betreuungselternteil auf die Erzählungen des Kindes hin, wie “schlecht” es vom Umgangselternteil behandelt werde, indem es nicht jederzeit Kekse essen dürfe.
  • Irgendwann ist die Abholung des Kindes nur noch gegen dessen deutlichen Willen möglich. Oft ist das der Punkt, an dem der Betreuungselternteil erklärt, der Umgang widerspreche offenkundig dem Kindeswohl, es werde das Kind nicht zwingen.

Es sind Fälle bekannt, in denen älteren Kindern ein Handy gekauft und mitgegeben wurde mit dem Auftrag, bei jedweden Unstimmigkeiten umgehend den Betreuungselternteil anzurufen, der es dann sofort holen käme.

Andere Kinder wurden angehalten, täglich Rapport beim Betreuungselternteil im Rahmen eines “Gute Nacht Anrufes” zu erstatten, der dann in kritischer Weise bewertete, für wie unpassend er die Aktivitäten halte oder wie schädlich er die Erziehungsmentalität fände, bis das Kind sich so weit in die Idee hineinsteigerte, es ginge ihm schlecht beim Umgangselternteil, dass es zu regelrechten Ausbrüchen nach solchen Telefonaten kam. Teilweise mussten Kinder am späten Abend während Übernachtungsumgängen zurückgebracht werden, weil sie sich nicht mehr beruhigten, haltlos weinten und schrien.

Auch wurden solche Anrufe zur guten Nacht dazu genutzt, dem Kind ausführlich vor Augen zu führen, wie schlecht es dem Betreuungselternteil ohne das Kind ginge, wie einsam er/sie sei und wie sehr er/sie das Kind vermisse. Auch das animierte Kinder dazu, vehement die Zurückbringung zu fordern, bis der Umgangselternteil nachgab.

Diese Beispiele zeigen, wie leicht der “Wille” des Kindes hier den Wünschen des Betreuungselternteils folgt. Es ist gar nicht nötig, einem Kind zu erklären, es solle doch lieber nicht mehr zum anderen Elternteil gehen – sehr subtil und mit wenigen zielgerichteten Fragen und Anmerkungen lässt sich diese “Erkenntnis” beim Kind selbst erzeugen.

Neben den offensichtlichen Auswirkungen für das Kind, nach und nach eine der Eltern-Kind-Beziehungen zu verlieren (deutsche Gerichte werten diesen Umstand inzwischen regelmäßig als kindeswohlgefährdend) etabliert sich zudem ein fast noch schwerwiegenderes Problem:

Das Kind hat selbst entschieden.

Die Verantwortung für die Entwicklung, einen Elternteil aus dem eigenen Leben heraus zu drängen wird dem Kind übertragen. Es ist also selbst “schuld” dass Mama oder Papa in seinem Leben nicht mehr präsent ist. Es wollte ja nicht. Die Folgen einer solchen Entscheidung kann ein Kind nicht ermessen.  Mit dieser “Schuld” wird es leben und aufwachsen bis hin zum Erwachsenenalter, in dem dann nicht wenige Kinder sich den Kontakt zum anderen Elternteil sehnlichst wünschen, aber die Ablehnung des damaligen Umgangselternteiles fürchten, weil es von ihnen abgelehnt wurde.

Bereits 2006 erging durch das OLG Saarbrücken in einem Beschluss, dass der betreuende Elternteil nicht seiner Wohlverhaltenspflicht, also seiner Verpflichtung, den Kontakt aktiv zu fördern, nachkomme, wenn es dem Kind einfach freigestellt sei, ob es Umgang wahrnehmen wolle oder nicht.

Häufig wird auch das Argument angebracht, viele Kinder hätten auch regelmäßig keine Lust, zur Schule oder in den Kindergarten zu gehen. Hierbei hätten die Betreuungselternteile in der Regel jedoch keine Schwierigkeiten, das Kind zu motivieren, auch wenn es selbst nicht ermessen könne, dass es zu seinem Besten ist.

Allerdings liefert diese Argumentation eine gefährliche Hintertür für diejenigen Eltern, die das Kind gegen den Kontakt zum anderen Elternteil beeinflussen. So sind Fälle bekannt, in denen Betreuungselternteile erklärten, sie hätten alles in ihrer Macht stehenden getan, um das Kind zum Umgang zu animieren, hätten ihm teure Geschenke und besondere Unternehmungen versprochen, wenn es den Umgang wahrnehme, hätten dem Kind versprochen, jederzeit telefonisch erreichbar zu sein, es könne ja auch jederzeit wieder zurück, wenn es das wolle.

Nicht nur untergraben solche Ankündigungen die Autorität des anderen Elternteiles vollständig, darüber hinaus wird dem Kind latent der Eindruck vermittelt, Umgang mit dem anderen Elternteil sei etwas Schlimmes und Belastendes. Weshalb sonst sollte man sich derart bemühen, gute Gründe dafür zu finden?

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Das beeinflusste Kind – was tun?

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