Wie bereits in Beeinflussung, Entfremdung, PAS – Was ist das? zu erfahren, ist es sehr wichtig, dass, wie und weshalb klar zwischen Beeinflussung und dem Parental Alienation Syndrome nach einer Trennung mit Kind unterschieden werden muss.

Nicht nur, weil für betroffene Elternteile, die eine Entfremdung des Kindes befürchten, ganz unterschiedliche Handlungsansätze hilfreich sein können sondern auch und grade, weil Beeinflussung im Gegensatz zu PAS nach einer Trennung mit Kind erschütternd häufig vorkommt.

Allerdings muss auch hierbei noch einmal unterschieden werden zwischen der grundsätzlichen Beeinflussung, welcher jedes Trennungskind zwangsläufig ausgesetzt ist – das ist menschlich und für die Kinder schwer aber zu verkraften – unbewusster oder latenter Beeinflussung, welche die mit Abstand größte Zahl an Trennungskindern betrifft und direkter, aktiver Beeinflussung mit und ohne Vorsatz.

Formen der Beeinflussung:

  1. Grundsätzliche Beeinflussung entsteht schon durch die neue Lebenssituation des Kindes – es bleibt bei einem Elternteil, der andere “geht” zunächst. Die Elternteile reagieren nicht mehr freudig aufeinander oder bemühen sich um eine verkrampfte Imitation von Freude – das Kind spürt die Diskrepanzen.Es erlebt in der Regel bei beiden Elternteilen nach der Trennung indirekt Angriffe oder Abwertungen des anderen Elternteils mit und sei dies nur durch Minik und Gestik, weil die Jacke des Kindes nicht gefällt, die der andere gekauft hat.Diese praktisch immer entstehende Beeinflussung ist für das Kind belastend aber nicht problematisch, da sie sich einerseits in der Regel die Waage hält – also beide Eltern sich so verhalten – und das Kind in seinen Bindungen nicht stört. Zudem löst sich dieses Verhalten mit zunehmendem Abstand zur Trennung in der Regel auf.
  2. Unbewusste oder Latende Beeinflussung produziert die deutlich größte “Opfergruppe” nach einer Trennung mit Kind, weil zumeist das Unrechtsbewusstsein des beeinflussenden Elternteiles fehlt oder aus dem Sicherheitsgefühl heraus, nicht “überführt” werden zu können verdrängt wird.In der Regel wird eine grundsätzliche Negativstimmung mit dem abwesenden Elternteil verknüpft, ohne dass “je ein böses Wort” über den Abwesenden verloren wird oder Kritik und Abwertung geschieht stets indirekt.Die Geschenke sind nicht kindgerecht, das Essen dort ist nicht gesund genug, die Hygiene dort ist nicht ausführlich genug oder die Unternehmungen sind überzogen, nicht kindgerecht oder zu riskant.Auffalend ist, dass nie der andere Elternteil direkt kritisiert wird sondern stets nur dessen Handlungen und Entscheidungen und auch diese nicht plump direkt “Das da hat er/sie Dir gekauft?! Was denkt der/die sich?!” sondern verpackt in scheinbar gutmütigen Humor: “Das hast du von Papa/Mama bekommen, ja? Soso. Ohweia.”Hinzu kommt häufig ein Beschmunzeln oder subtiles Entwerten der Bemühungen des anderen Elternteils. Latente Beeinflussung entsteht auch dann, wenn zwar der Elternteil sich richtig verhält, jedoch die Großeltern oder andere Bezugspersonen sporadisch gegen den Abwesenden Stellung einnehmen, zum Beispiel weil das Kind nur ab und zu auf diese Personen trifft.
  3. Aktive Beeinflussung bewusst oder unbewusst findet dann statt, wenn vor oder mit dem Kind negativ, wertend und kritisch über den abwesenden Elternteil gesprochen wird.Diese Beeinflussung kann “aktiv” stattfinden – also wissend, dass man das Kind beeinflusst und mit dem Ziel, das Kind zu beeinflussen oder unbewusst im Sinne dessen, dass der beeinflussende Elternteil sein eigenes Handeln nicht als Beeinflussung des Kindes wahrnimmt. Oft, weil er oder sie glaubt, dem Kind ja nur “die Wahrheit” zu sagen.Die aktive Beeinflussung ist zwingende Voraussetzung für echtes PAS.Dass sich das Kind mit der Zeit vom abwesenden Elternteil zunehmend entfremdet und die Bindung zunehmend Störungen aufweist wird dann darauf zurückgeführt, dass dem Kind nun bewusst geworden sei, “was für eine/r” der andere Elternteil ist”.Das Kind habe sich nun erfolgreich sein eigenes – dem des beeinflussenden Elternteil entsprechendes – Bild vom abwesenden Elternteil gemacht und erkannt, dass der/die, wie Mama/Papa ja schon immer wusste, lügt, betrügt, verantwortungslos oder rücksichtslos, egoistisch, verschlagen, grob oder unsensibel ist. Die entstandene und wachsende Distanz sei dementsprechend völlig nachvollziehbar.

(4.) Das Kind entscheiden lassen ist ein besonderer und daher auch zu thematisierender Fall. Insbesondere weil diese Situation nach einer Trennung mit Kind relativ häufig vorkommt, jedoch aus sehr unterschiedlichen Motiven entstehen kann, verdient sie einen eigenen Unterpunkt. Während manche Elternteile tatsächlich glauben, es sei automatisch Kindeswohl, was Kindeswille ist, benutzen andere Elternteile ganz gezielt den vermeintlichen Willen des Kindes gegen den anderen Elternteil.

Sie überlassen scheinbar dem Kind die Wahl – was per se zu einem Loyalitätskonflikt führen muss, denn das Kind soll sich entscheiden zwischen den Eltern – wissend, dass es sich aufgrund latenter Beeinflussung, aktiver sonstiger Beeinflussung oder schlicht weil es die Frage gar nicht inhaltlich verarbeiten kann, “gegen” den anderen Elternteil entscheiden wird.

Diese extrem heimtückische Form der häufig unbewussten Beeinflussung findet sowohl bei betreuenden als auch bei umgangsberechtigten Elternteilen statt und dreht sich in den meisten Fällen um “Umgang, ja oder nein?”, Übernachtungen beim Umgangselternteil und/oder um die Frage, wo das Kind überwiegend leben möchte.

Wir wollen hier keine Missverständnisse aufkommen lassen – ab einem gewissen Alter sollten auch die Standpunkte betroffener Kinder aktiv einbezogen werden und nicht zufällig gewinnt auch der ausdrückliche Wille eines Kindes grob ab dem 10ten Lebensjahr erheblich an Gewicht bei gerichtlichen Anhörungen.

Einem zwei-, drei- oder fünfjährige, Kind allerdings die Verantwortung aufzubürden, entscheiden zu sollen, ob es Mama/Papa zum Umgang besuchen will, ob es bei Papa oder Mama leben will oder dergleichen und es damit automatisch dazu zu nötigen, Partei für einen Elternteil zu ergreifen, ist aktives Verursachen eines für das Kind belastenden und schädlichen Loyalitätskonfliktes und nicht zu rechtfertigen.

Für den betroffenen Elternteil, gegen den sich die Beeinflussung wendet, ist das Wissen, welche Art der Beeinflussung stattfindet, ein wichtiger Schlüssel, um eigenes Handeln und Reagieren sinnvoll und situationsgemäß abstimmen zu können.

Dazu ist es wesentlich und notwendig, anhand des Verhaltens des Kindes zu bemerken, dass Beeinflussung über das trennungsobligatorische Maß hinaus stattfindet, einordnen zu können, welcher Art diese Beeinflussung ist und sinnvoll damit umzugehen, so dass dem Kind aus dem Loyalitätskonflikt – denn dieser ist das eigentliche Problem, das aus jeder Art der Beeinflussung entsteht – geholfen werden und die Bindung zu beiden Eltern von Störungen und Schäden befreit werden kann.

Ähnlich wichtig, wenn nicht sogar wesentlicher ist es, einordnen zu können, wann ein Kind sich einfach alters- und/oder situationstypisch verhält und kaum von einer Beeinflussung als Ursache ausgegangen werden kann. Ein nicht beeinflusstes Kind wie eines zu behandeln kann ähnlich konstruktive Folgen haben, wie einen Gesunden zu operieren. Zudem der Vorwurf der Beeinflussung gegenüber dem anderen Elternteil selbst unausgesprochen die Atmosphäre zwischen den Eltern vergiftet und zahlreichen Konflikten Tür und Tor öffnet, die dann nicht selten erst zu tatsächlicher Beeinflussung führen.