Vorab die für Sie vermutlich wichtigste Information:
Unter heutigen rechtlichen Voraussetzungen ist es beinahe unmöglich, das eigene Kind durch eine Trennung zu “verlieren” bzw. den Kontakt zu diesem Kind zu verlieren.

 

Dennoch geschieht es immer wieder und häufig sind es auch eben diese Fälle, die wir in den Medien verfolgen können oder auf die wir in einschlägigen Internetforen stoßen.

Nach deutschen Gesetzen hat ein Kind das Recht auf Umgang und Bindung zu beiden Elternteilen auch nach einer Scheidung oder Trennung und jedes der Elternteile hat ebenso die Pflicht und das Recht zum Umgang mit dem Kind. Um diese Rechte zu verwirken muss einiges geschehen sein.

Häufig wurden, nicht selten auch auf Anraten Dritter, vermeidbare Fehler begangen, die mitunter kaum noch zu beheben sind. Informieren Sie sich daher gründlich, insbesondere wenn Sie gerichtlich im Rahmen des Kindschaftsrechts vorgehen oder vorgehen müssen.

Streit und Meinungsverschiedenheiten sind zwischen in Trennung lebenden Eltern eher üblich, es gab ja zumeist gute Gründe für das Beziehungsende. Dennoch nehmen manche Trennungskonflikte um die Kinder eine andere, viel ernstere Gestalt an. Plötzlich geht es um Umgangsausschlüsse oder die Übertragung des alleinigen Sorgerechts und es droht, wenn schon nicht das Kind selbst, doch zumindest erheblich an Einfluss auf dessen Entwicklung und Leben verloren zu gehen.

Diese bedrohliche Perspektive treibt Eltern in eine Art Kriegsmodus, der keine Gefangenen erlaubt. Man schießt mit allem, was man hat gegen den ehemaligen Partner und oft genug glaubt man nach einer Weile selbst, was man überspitzt oder übertrieben gegenüber anderen dargestellt hat.

Ein verbreitetes Phänomen, das sich häufig beobachten lässt, ist eine nach der Trennung extrem übersteigerte Sorge, der andere Elternteil könne das Kind nicht gut versorgen oder Gefahren aussetzen. Oft ist die Absurdität der Vorwürfe von außen sehr gut zu erfassen – der oder die Betroffene aber, kann das nicht mehr wahrnehmen. Einige Beispiele:

– der andere Elternteil hat beim Umgang das Kleinkind auf ein Geländer gesetzt (und gut festgehalten), damit es die Enten im Teich besser sehen konnte. Das vermittle dem Kind, über Geländer zu klettern sei erlaubt.

– der andere Elternteil (bei dem das Kind überwiegend lebt) behindere die kindliche Entwicklung, da er/sie den Wunsch des 6jährigen Kindes nach einem weiteren, zeitraubenden Hobby ablehnte. Das Kind ging zu dieser Zeit bereits zwei intensiven Hobbies nach, die den Wochenplan weitgehend ausfüllten.

Aufgrund dessen wollte in diesem Fall der Vater des Kindes das Sorgerecht und das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind alleine auf sich übertragen lassen. Das Kind lebte bis dahin von Geburt an bei der Mutter.

– das Kind käme beim anderen Elternteil in Kontakt mit den Großeltern, welche kein Deutsch sprechen. Dies würde das Kind dazu verleiten, ebenfalls die Sprache der Großeltern zu erlernen, was die Entwicklung der Muttersprache (das Kind war knapp 14 Monate alt und konnte noch nicht sprechen) behindern würde.

In vorgenanntem Fall wollte die Mutter des Kindes den Großeltern sowie dem Vater gerichtlich auferlegen lassen, in Anwesenheit des Kindes und mit dem Kind ausschließlich Deutsch zu sprechen.

– das andere Elternteil (bei dem das Kind nicht überwiegend lebte) habe ein Kindheitstrauma erlitten. Dies mache es grundsätzlich unberechenbar und erfordere daher ausschließlich durch eine Fachkraft begleiteten Umgang zwischen Kind und Elternteil im Umfang weniger Stunden.

Solche und noch deutlich abstrusere Vorwürfe kennen die zuständigen Behörden zu Hauf. Meist lassen sich allzu offensichtlich überzogene Ansprüche an den anderen Elternteil schon im Gespräch auflösen. Manchmal aber muss einem Vorwurf nachgegangen werden. Eine besondere Schwere erfährt hierbei der Vorwurf nach sexuellem Missbrauch oder körperlicher Misshandlung.

Sehen Sie sich hierzu auch an:

Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf zum Wechselmodell (Gesamtmitschnitt Vortrag)