Eine Trennung ist, grade wenn eine gemeinsame Basis aufgebaut wurde, gemeinsame Kinder da sind, immer eine emotionale Ausmahmesituation. Die Zeit nach der Trennung ins besonders das Bewältigen einer gemeinsamen Elternschaft auch dann, wenn es keine Beziehung zwischen den beiden Elternteilen mehr gibt, ist eine große Herausforderung. Viele haben mit der Bewältigung dieser Aufgabe große Schwierigkeiten. Manche steigen sogar einfach ganz aus der Elternschaft aus oder es scheint zumindest so.

Was tun, wenn nach der Trennung ein Elternteil regelrecht abtaucht? Sich nicht einbringt oder nur weit unter dem erwarteten Rahmen? Wie animiert man Papa oder Mama dazu, wieder stärker am Leben des Kindes Teil zu haben und wie kommt es überhaupt, dass ein Elternteil scheinbar dem eigenen Kind den Rücken kehrt?

Wenn das Kind einfach egal ist

Vorab soll eine kleine Gruppe betroffener Elternteile aus dem übrigen Artikel ausgeschlossen werden, nämlich diejenigen, die tatsächlich froh sind, die Verantwortung rund um das Kind los zu werden, sich absetzen und folgend in aller Regel auch sämtlichen Verpflichtungen ausweichen, sei das zu leistender Unterhalt oder irgendeine Form der Beziehungspflege zum Kind. Natürlich gibt es auch diese Fälle. Allerdings sind sie äußerst selten und der Vorwurf, jemand entferne sich mutwillig vom Kind oder weiche aus egoistischen Motiven dem Kontakt aus, ist allzu schnell bemüht. Tatsächlich ganz bewusst und gewollt das Kind verlassen – das kommt in der Realität nur äußerst selten vor. In der Regel liegen die Umstände anders und oft genug können die Motive eines Elternteils, der sich nach einer Trennung rar macht, sogar ganz und gar dem Kind zugewandt sein. Aus falsch verstandener Rücksichtnahme zum Beispiel. Da denjenigen, die tatsächlich bewusst den Kontakt zu ihrem Kind abbrechen, weil sie die Verantwortung oder die Umstände scheuen, nicht zu helfen ist und leider auch den zurückbleibenden Elternteilen und Kindern kaum, wollen wir explizit auf diese kleine Gruppe nicht näher eingehen und uns mit denjenigen befassen, bei denen Lösungen möglich sind.

 

Wer trennt sich hier von wem?

Kommt es heutzutage zur Trennung eines Elternpaares, zeigt sich häufig ein problematisches Muster: Einer der Beteiligten nimmt ganz selbstverständlich an, dass das Kind im Zuge der Trennung mit ihm/ihr gehen wird. Früher war das meist die deutlich überwiegend betreuende Person und das wiederum war bis zu Zeiten der gelebten Emanzipation in aller Regel die Mutter. Das Kind gerät gedanklich in die Streitparteien als eine Art Anhängsel hinein.

Auch die Frage, wer sich getrennt hat, bekommt in diesem Kontext schnell ein ganz neues Gewicht. Dann hat sich „Papa/Mama von uns getrennt.“ was natürlich grober Unfug ist. Getrennt haben sich die Erwachsenen. Niemand hat sich vom Kind getrennt. Allerdings taucht dieses Element einer ganz schlichten emotionalen Erpressung regelmäßig auf. Darin steckt der Vorwurf, wie man denn eine Trennung verlangen könne, wenn die Kinder davon betroffen seien. Die Konflikte auf Paarebene, die erst dazu führen, dass die Beziehung an ihre Grenzen stößt, werden umgelegt auf die Eltern-Kind-Beziehung und im Versuch, die Verantwortung für das Scheitern letztlich von sich zu weisen, werden auch die Kinder nur allzu schnell mit hinein gezogen. Oft schon bevor die eigentliche Trennung vollzogen ist. Sie sollen Boten sein und dem anderen die Trennung ausreden. Häufig beginnt hier schon eine Beeinflussung des Kindes, indem erklärt wird, der andere sei im Begriff, das Kind zu verlassen und schere sich gar nicht darum, wie traurig es dann sei.

Entfremdung von Kindern geschieht mit Nichten nur bei und nach Trennungen. Auch in intakten Familien kommen Beeinflussung und Entfremdung vor, insbesondere im Streitfall bei den Erwachsenen. Dann verbündet sich ein Elternteil mit den Kindern gegen den anderen Elternteil.

Ein Jahr lang waren die Kinder egal, dann soll plötzlich wieder Kontakt stattfinden?

Ist dann die Trennung tatsächlich vollzogen, einer der Elternteile ausgezogen und das Kind/die Kinder zwangsläufig zunächst bei einem der Elternteile untergebracht, wird die größte Herausforderung für Trennungseltern deutlich: Es gibt kein wirkliches Ende des Miteinanders.

Zwar hat man sich als Paar getrennt, als Menschen voneinander entfernt und eigentlich möchte man den anderen mutmaßlich am liebsten nie wieder sehen, aber das geht nicht. Denn da sind die Kinder, die Kontakt und Beziehungspflege fordern und brauchen. An genau diesem Punkt übermann dann den oder die ein oder andere/n der Fluchtreflex. Weg von der/von dem Ex, raus aus dem bisher gemeinsam gelebten Alltag und einfach nur auf Abstand. So kommt es dann regelmäßig zu Fällen, in denen ein Elternteil nach der Trennung für Monate, manchmal sogar Jahre einfach abtaucht, dann aber wieder den Kontakt explizit zu den Kindern sucht.

Für die betroffenen Kinder verschlimmert das den Trennungskonflikt natürlich ganz erheblich. Nichts destotrotz gewinnen sie mehr als sie verlieren, wenn der Kontakt zum „verloren gegangenen“ Elternteil später doch wieder hergestellt werden kann. Wichtig ist, dass dann konsequente Kontinuität einkehrt, die Kinder also Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit erleben. Nur wenn immer wieder längere Kontaktausfälle geschehen, weil der Elternteil sich wieder zurückzieht, die Kinder immer wieder ein Trennungstrauma durchleben, sollte darüber nachgedacht werden, ob und wie der Kontakt kindgerecht geregelt werden kann. Hier können mitunter seltene, kurze Termine, die dann jedoch auch absolut zuverlässig eingehalten werden sinnvoller sein als klassische Umgangsregelungen, bei denen sechs von zehn Terminen ausfallen.

 

Ich renne dem/der doch nicht der Kinder wegen nach!

Auch ein leider häufig beobachtetes Phänomen sind betreuende Elternteile, die sich im Stich gelassen fühlen, weil der/die andere nur dann Kontakte und Termine wahrnimmt, wenn sie an ihn/sie herangetragen werden. Sehr oft hört man in diesem Zusammenhang auch den Vorwurf: „Er/Sie fragt nie nach den Kindern, erkundigt sich nie nach Hobbies/Schule/Allgemeinem Wohlbefinden, wenn ich nicht von mir aus alles weiterleiten würde, wüsste er/sie gar nichts!“

Zweifellos gibt es auch unter Eltern einfach faule Menschen, die sich gerne alles nachtragen lassen, wenn denn einer bereit ist, das zu tun.

Meist aber entstehen solche Verhältnisse durch simple Missverständnisse. Die Trennung wird vollzogen, das Kind lebt überwiegend bei einem der beiden ehemaligen Partner und nun muss der andere Elternteil jedes Mal in den Lebensraum und die Privatsphäre des/der Ex gefühlt eindringen, um Kontakt zu den Kindern zu suchen oder Informationen über sie einzuholen. Viele schrecken davor aus schlichter Rücksichtnahme zurück und überlassen es dem/der anderen, diesen Austausch zu steuern und zu gestalten. Im schlechtest denkbaren Fall warten beide darauf, dass der andere sich dessen annimmt und der Kontakt versiegt fast vollständig. Aufgrund eines Missverständnisses. Mit dem Argument der/die wolle doch etwas, also solle der/die sich auch kümmern ist es da nicht getan – denn eigentlich sollten und müssten alle etwas wollen: Kontinuierlichen und umfangreichen Kontakt der Kinder mit beiden Elternteilen. Hier sind die Eltern in der Verantwortung, sinnvolle Lösungen für die Kinder zu entwickeln. Übertriebene Rücksichtnahme kann hierbei sehr kontraproduktiv sein.

 

Es hat sich eben so ergeben.

Nach einer Trennung meidet man den ehemaligen Partner in aller Regel. Auch dann, wenn wegen gemeinsamer Kinder ein wirklicher Kontaktabbruch gar nicht möglich ist. Mitunter treibt das sehr abenteuerliche Blüten, indem Trennungseltern zwar „irgendwie entstandene“ Umgangsregelungen leben und es so „machen wie es immer schon war“, tatsächliche Planung und Organisation zur Entlastung aller Beteiligten aber nicht stattfindet. Man redet einfach nicht miteinander, man macht einfach. Aus dem Wunsch heraus, sich nicht mehr mit dem anderen auseinandersetzen zu müssen, werden konkrete Planungsgespräche vermieden und einfach darauf gewartet, dass sich irgendetwas ergibt.

Das führt regelmäßig zu enormem Frust auf allen Seiten, weil es an klaren Regeln und Richtschnüren fehlt. Kommunikation findet praktisch nicht statt, kommt es daraufhin zu Fehleinschätzungen kommt es zu Streit und am Ende herrscht plötzlich Krieg und niemand weiß, warum.

Besonders heikel wird es, wenn – sehr oft mit Hinzukommen eines neuen Partners – dann einer der Beteiligten nach Monaten oder Jahren aktiv Organisation und Planungssicherheit verlangt. Nicht nur wird ggf. sofort der neue Partner als Ausgangspunkt für diesen Angriff auf bestehende Systeme wahrgenommen, darüber hinaus wird auch sehr schnell mit „Bisher lief es doch gut, warum etwas verändern?!“ aus Prinzip ein konstruktives Gespräch abgewehrt. Auch hier spielt der Wunsch, sich möglichst wenig mit dem ehemaligen Partner auseinandersetzen zu müssen eine große Rolle.

Die so entstehenden Ergebnisse werden allerdings in aller Regel den Bedürfnissen der betroffenen Kinder bei Weitem nicht gerecht.

 

Quicktips:

  • Unterstellen Sie ihrem ehemaligen Partner/ihrer ehemaligen Partnerin keine Motive, Wünsche und Ansichten, sondern fragen Sie nach. Oft sind simple Missverständnisse das Problem.
  • Setzen Sie sich aktiv mit der Trennungs- und Nachtrennungssituation auseinander und entwickeln Sie – ggf. mit Hilfe von außen – wirklich tragfähige Lösungen für die Kinder.
  • Reden Sie miteinander. Ein offenes, klares und konstruktives Gespräch kann Ihnen unzählige Streitgespräche, böse Briefe, E-Mails und SMS ersparen.
  • Entwickeln Sie klare Regeln und Regelungen. Wenn sich alle Beteiligten mühelos orientieren können, kommt es zu vielen Problemen gar nicht erst.
  • Die Ideallösung für Trennungskinder ist in aller Regel lebhafter, häufiger und verlässlicher Kontakt mit beiden Elternteilen. Das muss konkret Zielsetzung aller beteiligten Erwachsenen sein.
  • Arbeiten Sie miteinander, nicht gegeneinander. Auch hier – umso mehr Sie frühzeitig lösen und klären, umso weniger Ärger haben Sie später damit. Lassen Sie sich beraten, wenn Sie alleine keine tragfähige Lösung entwickeln können, sei das aus Mangel an Ideen oder weil kein konstruktives Gespräch möglich ist.
  • Kommt es zum Kontaktabbruch, kümmern Sie sich zeitnah darum, das zu ändern. Ihre Kinder können sich ein paar Monate oder Jahre „mal sehn“ emotional nicht leisten. Sie haben am Ende den Schaden – nicht die Eltern.