Immer wieder scheitern Elternteile nach einer Trennung mit Kind gefühlt oder tatsächlich beim Versuch, die Ihnen vorschwebende Umgangsregelung gerichtlich durchzusetzen oder in der Folge die Umsetzung sicherzustellen. Häufig allerdings ist Teil des Problemes Informationsmangel bei den Betroffenen und relativ schlichte Formfehler, die im Ergebnis dazu führen können, dass Umgänge nicht oder nicht immer funktionieren, Abläufe nicht klappen wollen oder sogar ein Umgangsboykott scheinbar folgenlos stattfinden kann.

Wir nennen die 5 größten Irrtümer im Umgangsverfahren vor dem Familiengericht, die zu solchen Ergebnissen führen können:

 

1. Das Gericht ist dafür zuständig die fairste Lösung zwischen den Eltern herzustellen

Falsch.
Das Gericht ist dafür zuständig – und das wird ausdrücklich vom Gesetzgeber verlangt – die für das betroffene Kind entwicklungspsychologisch mutmaßlich beste bzw. unschädlichste Lösung zu finden. Das sogenannte Kindeswohl ist der Maßstab. Das kann – im Extremfall – bedeuten, dass ein Gericht einen Umgangsausschluss für die kindeswohldienlichste Lösung erachtet. Mit Schuld oder Unschuld eines der erwachsenen Beteiligten hat das nichts zu tun. Im Gegenteil. Selbst wenn ein Kind durch aktive Entfremdung und Manipulation – also ein klares Fehlverhalten – des überwiegend betreuenden Elternteils den Umgang vehement ablehnt, dann zählt am Ende nur, was es für dieses Kind nun bedeuten würde, zum Umgang “gezwungen” zu werden. Und dieser Zwang kann als zu schädlich und belastend eingestuft werden, woraus eine Umgangsaussetzung per Gericht resultieren kann, wenn selbst begleiteter Umgang nicht mehr möglich ist.

Fairness und insbesondere irgendeine Form von “Gerechtigkeit” zwischen den Elternteilen ist also ausdrücklich nicht Thema vor dem Familiengericht und hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Entscheidungsfindung.

 

2. Wenn sich einer nicht an den Beschluss hält, verhängt das Gericht Ordnungsgelder

Zum Teil richtig.
Ein Gericht kann nicht willkürlich Ordnungsgelder verhängen. Dazu muss einerseits ein solches Ordnungsgeld erst einmal angedroht worden sein – der/die Betroffene musste also wissen, dass bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld droht – nämlich schriftlich und eindeutig innerhalb des zugehörigen Beschlusses, der durchgesetzt werden soll. Andererseits muss ein solches Ordnungsgeld auch durch irgendjemanden beantragt werden. Das Familiengericht ist nicht die Staatsanwaltschaft und vertritt selbst keine der Parteien und auch kein übergeordnetes Recht. Es ist eine Instanz, die nur aktiv wird, wenn man sie zur Hilfe ruft. Wenn es also zum Beispiel zu einem fortgesetzten Umgangsboykott kommt – auch über Jahre – dann wird das zuständige Gericht von alleine gar nichts unternehmen. Irgendjemand muss Antrag auf Ordnungsgeld stellen, damit das Gericht diesen prüfen kann. Das kann einerseits der betroffene Elternteil tun oder theoretisch der Verfahrensbeistand des Kindes- wobei das mehr als selten vorkommt, weil die Verfahrensbeistände darum bemüht sind, Neutralität zu wahren. Weder das zuständige Jugendamt noch Dritte können einen solchen Antrag stellen und eine entsprechende Erwähnung, eine Empfehlung oder ein Vorschlag sind ausdrücklich kein Antrag.

Dieser Punkt ist einer der wohl häufigsten Irrtümer im Umgangsverfahren und führt regelmäßig dazu, dass betroffene Elternteile entrüstet die Untätigkeit der Gerichte anklagen – obschon diese gar nichts tun können. Es fehlt ein schlichtes Schriftstück.

 

3. Der Richter/die Richterin ordnet automatisch das für mich bestmögliche Umgangsmodell an

Wiederum zum Teil richtig.
Maßgabe des Familiengerichtes wenn es um die Regelung von Umgangszeiten geht ist derzeit lediglich die Maßgabe, dass Umgang mit beiden Eltern in der Regel dem Kindeswohl dient. Das Gericht ist also grundsätzlich erst einmal angehalten, überhaupt Umgang herzustellen. Um Umgang auszuschließen braucht es erhebliche Gründe, alle milderen Mittel müssen aussichtslos sein. Darüber hinaus gibt der Gesetzgeber allerdings nichts vor. Theoretisch ist das Gericht also frei in seiner Entscheidung, wieviel Umgang und wann es Umgang anordnet. Nun weiß der jeweilige Richter/die jeweilige Richterin aber natürlich nicht, welchen Umgang der nicht überwiegend betreuende Elternteil überhaupt umsetzen kann. Ist derjenige/diejenige im Schichtdienst tätig? In einer normalen Vollzeitanstellung? Gibt es evtl. Betreuungsmöglichkeiten z.B. durch die Großeltern, die eine atypische Umgangsregelung ermöglichen?

Was der Umgangsberechtigte umsetzen kann, weiß das Gericht nicht – es sei denn, es wird informiert. Entsprechend sinnvoll ist es dem zuständigen Gericht klar darzulegen, welcher Umgang maximal(!) durch den Umgangsberechtigten umgesetzt werden kann. Das Ganze hat zudem eine gefährliche Kehrseite: Wird gedankenlos “Regelumgang” beantragt, muss später, wenn einer Erweiterung dieses Umgangs gewünscht wird, erst einmal erklärt werden, warum das nun besser für das Kind wäre. Diese Hürde hat man in der Anordnung von Umgang per se nicht, denn hier gibt schon der Gesetzgeber vor, dass Umgang mit beiden Eltern stattfinden soll.

 

4. Lieber nicht zu viel fordern, sonst bekomme ich gar nichts

Grade in Umgangsverfahren kommt es immer wieder vor, dass betroffene Elternteile aus Angst, zu fordernd zu wirken oder mit ihrem Antrag nicht durch zu kommen mehr oder weniger eigenhändig Minimalumgang beantragen. Nach dem Motto “Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach!” wird mit Mühe Regelumgang beantragt, dieser am Besten noch begleitet. Der Gedanke dahinter mag sein, dass man mit diesem Antrag eigentlich auf voller Linie “gewinnen” müsste. Das wird in aller Regel auch der Fall sein. Der Denkfehler hierbei liegt darin, dass die Alternative ja niemals ein Umgangsausschluss wäre. Sollte der eigene Antrag nicht so durchkommen wie gestellt, bedeutet das nicht, dass gar kein Umgang angeordnet wird sondern schlimmstenfalls einfach weniger oder in anderem Turnus. Auch bewertet das Gericht nicht die Bescheidenheit der Parteien sondern wägt deren Antrag mit dem ab, was realistischer Weise dem Kind dienen sollte.

Wenn also der Betroffene schon selbst deutlich zu erkennen gibt, dass er die Bindung zum Kind für ausbaufähig bis fragil erachtet und dem durch Minimalumgang und Begleitung der Umgänge Rechnung tragen will, wird kaum ein Gericht dem entgegen ausgedehnten Umgang ohne Begleitung anordnen. Hier wird den Betroffenen durchaus eine gewisse Selbsteinschätzung unterstellt. Fordert er/sie also nur Minimalkontakt, wird unterstellt, das würde schon seine Gründe haben. Und wieder wird spätestens beim Versuch, diesen Umgang später auszuweiten das Problem auftreten, dass man sich die Frage gefallen lassen muss, inwiefern das nun dem Kind explizite Vorteile bringen würde.

 

5. Das Jugendamt kann einen geltenden Gerichtsbeschluss ändern oder auch aufheben

Das ist vollkommener Mumpitz und woher dieser sich hartnäckig haltende Irrtum kommt, ist ein Mysterium.
Jugendämter sind selbst nicht mehr oder weniger handlungsbefugt als die Beteiligten selbst. Was ein Jugendamt also tun kann ist selbst Anträge beim zuständigen Gericht stellen. Tatsächlich kommt das in laufenden Umgangs- oder Sorgerechtsverfahren beachtlich selten vor. Zwar wird das involvierte Jugendamt gebeten, Stellung zum Fall zu nehmen – es wird dann in aller Regel eine schriftliche Stellungnahme durch den oder die Sachbearbeiter/in eingereicht – aber tatsächliche Anträge (über die das Gericht dann ebenso entscheiden muss wie über jene der Betroffenen) sind eher eine Ausnahme. Bestenfalls schließt man sich im Zuge der Stellungnahme einem bereits vorliegenden Antrag eines der Betroffenen oder des Verfahrensbeistandes an.

Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Elternteile, bei welchen der Umgang durch einen Gerichtsbeschluss klar geregelt ist, beim Jugendamt vorsprechen und dort versuchen wahlweise eine Ausdehnung, Einschränkung oder sogar einen Ausschluss durchzusetzen. Macht dann ein Mitarbeiter des Jugendamtes unvorsichtiger Weise eine dahingehend interpretierbare Aussage, wird dies als den vorliegenden Beschluss korrigierende oder abändernde Entscheidung des Jugendamtes zum Anlass genommen, den anderen Elternteil unter Druck zu setzen. “Das Jugendamt hat aber gesagt, dass…” Das Problem hierbei ist, dass die Aussage des Jugendamtes ebenso viel oder wenig Gewicht dabei hat wie die der Nachbarin, des Postboten oder meine eigene. Es besteht keinerlei(!) Entscheidungsbefugnis des Jugendamtes in solchen Fragen und erstrecht keine Entscheidungsgewalt die einen Gerichtsbeschluss in irgendeiner Weise tangiert. Wenn eine Änderung an einem geltenden Beschluss angestrebt wird, dann ist dies nur durch eine gerichtliche Abänderung zu erreichen.