Geschichte zu Artikel "familiengericht-deshalb-scheitern-sie-mit-ihrem-antrag"  

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Juergen
(@juergen)
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Beigetreten:vor 7 Monaten 
Beiträge: 1
15/01/2018 10:11 am  

Hallo zusammen,

 

ich habe ein Thema das nicht so ganz hier zum Forum passt aber ich würde gerne darüber erzählen. Vielleicht geht es mir dann besser. Denn ich und meine Frau sind ziemlich verzweifelt. Auf dieses Forum gekommen bin ich über diesen Artikel den ich zufällig gefunden habe.

http://trennungmitkind.com/vor-gericht-was-nun/familiengericht-deshalb-scheitern-sie-mit-ihrem-antrag

Das hört sich gut an, leider klafft zwischen diesem Artikel und der Realität eine Lücke. Deshalb hier unsere Geschichte. Damit man nicht in die Hoffnung verfällt das es ums Kind geht.

Nun zu unserer Situation.

Meine Frau hatte 2010 eine Affäre. Daraus entstand meine Tochter. Meine Frau trennte sich von Ihm, noch bevor sie wusste dass sie schwanger ist. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon verheiratet. Am Anfang gingen wir noch davon aus dass ich der Vater wäre. Blöderweise bekam der Erzeuger aber Wind davon und nach etwas rechnen bestand durchaus die Möglichkeit dass er der Vater ist. Das war 1 ½ Jahre nach ihrer Geburt. Dann ließ er gerichtlich die Vaterschaft feststellen. Gut, er ist es. Er ist Erzeuger, ich rechtlicher Vater. Meine Frau und ich hatten damals eine schwere Zeit, aber letztendlich ist das Kind meine Tochter. Ich habe die Schwangerschaft, die Geburt erlebt. Ich bin in Elternzeit gegangen, habe meine Tochter groß gezogen. Sie ist jetzt 7 und ein wunderbares Mädchen. Aufgeweckt, pfiffig und klug. So haben sich meine Frau wieder zusammengerauft, was wirklich kein Spass war.

Nachdem dann 2013 die Rechte biologischer, nicht rechtlicher Vater gestärkt wurden klagt er auf Umgang. Sein gutes Recht. Unser Recht ist es aber auch zu sagen dass wir das nicht wollen und dazu stehen wir auch. Wir halten beide nichts von diesem Gesinnungsquatsch dass das Kind unbedingt seinen Erzeuger kennen muss. Es vermisst ihn nicht und hat noch nie in Frage gestellt dass ich nicht ihr Vater bin. Wir konnten also bis jetzt auf dem Rechtsweg verhindern dass er sie sieht. Das ging bis jetzt ohne unmittelbares zutun meiner Tochter. Sie wusste  also nichts von dem ganzen Vorgang.

Wir merken natürlich schon länger dass wir das nicht mehr lange schaffen und versuchen seit ca. einem Jahr Antworten auf die folgenden Fragen zu bekommen.

Wie hat der Erzeuger ernsthaftes Interesse gezeigt? Was ist das? Reicht es einen Anwalt zu beauftragen? Er hat sie noch nie gesehen, noch nie mit ihr gesprochen, noch nicht den allergeringsten Kontakt gehabt

Wie ist die sozial Familiäre Bindung definiert? Hier nochmal. Er hat sie noch nie gesehen, noch nie mit ihr gesprochen, noch nicht den allergeringsten Kontakt gehabt

Wie ist der Umgang Kindeswohl dienlich? Das hat uns noch keiner erklärt, mit keinem Wort. Wir wissen nicht was das heißen soll. Wie kann jetzt ein Umgang das Wohl des Kindes verbessern. Sie kennt ihn nicht. Keine Antworten auf diese Fragen. Nichts.

Es wurde auch keine Prüfung veranlasst um die Kindeswohldienlichkeit festzustellen. Obwohl wir das immer wieder gefordert haben. Ebenso wurde unser Vorschlag einen Kinderpsychologen mit der Aufklärung und dem heranführen an den Umgang zu beauftragen vom Gericht nicht einmal beantwortet.

Wir wollten versuchen das ganze außergerichtlich zu klären. Wir hatten einen Vorschlag erarbeitet der vielleicht eine Möglichkeit gewesen wäre das Ganze für meine Tochter erträglicher zu gestalten. Der Verfahrensbeistand, dieser hatte den Anstoß zur AE gegeben, hat den Termin gecancelt, die Gegenseite hat kein Interesse daran. Wir sind auf den Vorschlag der Gegenseite eingegangen dem Erzeuger ein paar Infos zu seiner Tochter zu senden. Ich habe ihn angerufen und versucht mit ihm über den außergerichtlichen Termin zu reden. Es ging um einen Zeitaufwand von ca. 3h die alles fürs Kind einfacher hätten machen können. Das sollte es doch Wert sein. Kein Interesse. Von keiner Seite.

Am 18ten haben wir also einen Gerichtstermin bei dem unsere Tochter vom Richter aufgeklärt wird über ihren Erzeuger. Dabei ist der Verfahrensbeistand. Ein Pädagoge. Dabei wird Umgang festgelegt werden und vermutlich wird der Richter direkt im Gericht die erste Stunde Umgang anordnen. Ich muss meine Tochter also einem ihr vollkommen Fremden überlassen, ohne Vorbereitung. Gegebenenfalls sogar mitgeben. Soviel zum Wohl des Kindes hier in Deutschland der ja angeblich im Mittelpunkt stehen soll. Hier geht es nur darum uns zu zwingen. Weil wir das auf diese Art nicht wollen.

Wir haben natürlich auch versucht sie auf diesen Termin vorzubereiten, sie will aber davon nichts hören und blockt und wechselt das Thema. Sie ist nicht mal aufgeklärt. Wie soll sie da noch einen Erzeuger verstehen?

Was mich am meisten ärgert ist die Tatsache dass wir als Eltern vom Staat rechtswidrig zum Umgang verdonnert werden. Rechtswidrig deshalb weil das Gesetz ausdrücklich das Kindeswohl in den Vordergrund stellt, es wurde uns gegenüber aber zu keiner Zeit auf oben genannte Fragen eingegangen. Aber die  Androhung von Ordnungsgeld kam schnell.

Wenn meine Tochter aber mit der Situation nicht zurechtkommt, dürfen wir uns darum kümmern. Dann ist keiner mehr da. Der Verfahrensbeistand der nur ein Büttel des Richters ist, nicht. Der Richter sowieso nicht. Der Erzeuger eh nicht. Und das Jugendamt reagiert überhaupt nicht auf unsere Anschreiben.

So sieht es aus in Deutschland. Kindeswohl ist nicht relevant. Die Akte muss so schnell wie möglich zu. Fertig.

 

Gruss Jürgen


AntwortZitat
trennungmitkind
(@trennungmitkind)
Mitglied Admin
Beigetreten:vor 4 Jahren 
Beiträge: 19
15/01/2018 5:15 pm  

Sehr geehrter Jürgen,

es ist nachvollziehbar, dass es insbesondere für Sie persönlich schwierig ist mit der Situation umzugehen.

Allerdings hat der Gesetzgeber - meines Erachtens völlig zurecht - festgelegt, dass Umgang mit beiden leiblichen Eltern in aller Regel dem Kindeswohl dient. Damit muss der biologische Vater nicht beweisen, dass der Kontakt dem Kind nützen würde sondern Sie müssten beweisen, dass der Kontakt dem Kind immens schaden würde.

Tatsächlich zeigen sich schädliche Folgen von ausbleibendem Kontakt mit den leiblichen Eltern in aller Regel eben nicht im (insbesonderen jungen) Kindesalter, wenn die Kinder ggf. gar nicht wissen, dass da theoretisch noch ein Vater oder eine Mutter sein müsste. Die großen Probleme kommen später in der Pubertät oder dem jungen Erwachsenenalter, wenn die Kinder bemerken, dass etwas "nicht stimm" bzw. erfahren, dass da noch ein Elternteil ist/leibliche Eltern sind und dann - und das ist das große Problem - lassen sich die vergangenen Jahrzehnte ohne Kontakt nicht mehr nachholen oder reparieren.Im schlechtesten Fall kann es zum irreparablen Bruch in der Beziehung zu den Bezugspersonen, z.B. den sozialen Eltern kommen.

Die Möglichkeit während des Aufwachsens die eigene Ähnlichkeit mit beiden biologischen Eltern wahrzunehmen und sich damit zu identifizieren bzw. abzugrenzen kann nicht nachgeholt werden. Das kann junge Menschen in erhebliche Krisen stürzen. Um genau das zu verhindern wurde in den vergangenen Jahren immer stärker der Fokus auf Umgang mit beiden biologischen Eltern gelegt sofern irgend machbar.

Sie beschreiben bislang vorwiegend Hemmnisse, Ängste und Sorgen, die Sie selbst und ihre Frau betreffen. Inwiefern die Grundsituation für das Mädchen ein Problem sein sollte wird nicht ersichtlich. Die von Ihnen beschriebenen Reaktionen auf Ihre ersten Versuche das Mädchen vorzubereiten können  bei einem gesunden, normal entwickelten Kind diesen Alters eigentlich kaum wirklich auf der Kind zurückgehen - vielmehr scheint mir das Risiko präsent, dass Sie als Eltern ihre Vorbehalte, Ängste und Ablehnungen gegenüber dem biologischen Vater auf das Kind übertragen. Ihre Tochter hat doch gar keinen Grund diesen Mann abzulehnen oder sich vor ihm zu ängstigen.

Immerhin könnten Sie es für das Mädchen auch als wunderbare Möglichkeit betrachten - hier bietet sich eine weitere enge Bezugsperson an, die als soziale Ressource für das Kind da sein möchte. Gleichzeitig sind Sie selbst und Ihre Frau für die Tochter da und ansprechbar.

Worin genau sehen Sie denn eine Kindeswohlgefährdung?

Dass Richter und Verfahrensbeistand genötigt sind, dem Kind zu erklären, dass es da noch einen biologischen Vater gibt, ist - mit Verlaub - ja ihr eigenes Versäumnis. Das wäre meines Erachtens eigentlich Ihre Aufgabe gewesen. Dass Sie selbst die Realität der Situation derart ablehnen, dass Sie es Fremden überlassen Ihrer Tochter zu erklären, dass Sie zwar auch der Papa sind, es aber noch einen Papa gibt, der sie zusammen mit der Mama gemacht hat, gibt Grund zu erheblicher Sorge.

Sie als Eltern sind in der Pflicht und Verantwortung für Ihre Tochter hier die Sorgepflicht auszuüben und dem Mädchen alles Nötige an die Hand zu geben um schadfrei mit der Realität umzugehen. Wenn Sie stattdessen eigene Ängste und Ablehnungen auf das Kind projezieren und damit unbegründete und für das Kind belastende Ängste, Sorgen und Belastungen produzieren, dann entsteht tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung - aber nicht durch den biologischen Vater.

Bitte machen Sie sich sehr bewusst, dass Ihre subjektive emotionale Situation nicht mit der Ihrer Tochter in dieser Sache übereinstimmt.

 

Mit besten Grüßen,

Sonja Hild


AntwortZitat
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