Allgemein

Loyalitätskonflikt – wie schütze ich mein Kind?

Der Begriff “Loyalitätskonflikt” fällt nach einer Trennung mit Kind sehr schnell, sei das in einem Beratungsgespräch bei Jugendamt oder Caritas, im Bekanntenkreis oder auch vor einem Familiengericht. Immer wieder hören wir dringliche Warnungen davor und vor den Schäden, die ein Kind nehmen kann, den Belastungen, denen es ausgesetzt wird, wenn es sich in einem solchen Loyalitätskonflikt befindet.

Tatsächlich wissen jedoch die wenigsten Betroffenen tatsächlich, was dieser sogenannte Loyalitätskonflikt wirklich ist, wie er entsteht und welche Möglichkeiten ihnen als Trennungseltern zur Verfügung stehen, um das Kind davor zu beschützen.

Reicht es aus, niemals negativ über den anderen Elternteil zu sprechen? Soll man dem Kind die Wahrheit vorenthalten, wenn es zu Streit um die Umgangsgestaltung kommt? Den anderen Elternteil womöglich sogar “decken”, wenn derjenige eine dem Kind unliebe Entscheidung trifft?

Wo beginn der Loyalitätskonflikt und wo hört er auf? Was geschieht, wenn man nicht rechtzeitig einschreitet?

[Weiterlesen…]

By |Juli 7th, 2015|Allgemein, Trennungskinder|0 Comments

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht

Nach einer Trennung mit Kind sollte durch das Sorgerecht beider Eltern sichergestellt werden, dass weiterhin Vater und Mutter am Leben des Kindes Teil haben, sich informieren und Entscheidungen im Sinne des Kindes treffen können. Besondere Bedeutung erlangt dabei allerdings das Aufenthaltsbestimmungsrecht, denn wer dieses inne hat, der entscheidet, wo das Kind leben soll.

Ob im eigenen Haushalt, bei den Großeltern oder im Heim, durch diesen Entscheidungsrahmen wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht zum wohl wichtigsten empfundenen Teil der elterlichen Sorge für viele von Trennung betroffene Elternteile. Umso schwieriger wird es, wenn die Eltern sich nicht darüber einig sind, wo das Kind leben soll. Wünschen beide Elternteile, dass das Kind nach der Trennung in ihrem Haushalt lebt, muss ein Gericht entscheiden.

Doch oft genug wird auch kurzsichtig das alleinige Sorgerecht oder Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragt als vermeintlicher Ersatz für umfangreichen Umgang oder als eine Art Erziehungsmaßnahme gegenüber dem anderen Elternteil. Ein solcher Antrag allerdings kann gravierende Folgen haben. Denn wird ein Familiengericht genötigt, das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf ein Elternteil alleine zu übertragen, steht danach auch einem Umzug nach Dubai nicht mehr viel im Wege.

Zudem kursieren einige Fehlinformationen dahingehend, welche Entscheidungsgewalt mit dem alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrecht tatsächlich einher geht. Darf dann entschieden werden, wo Umgang stattfinden darf? Wer entscheidet über Urlaubsreisen des Kindes mit dem umgangsberechtigten Elternteil?

[Weiterlesen…]

By |Juli 3rd, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Impfungen sind Alltagssorge – OLG FFM

Eine interessante aktuelle Entscheidung kommt vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Nachdem die Eltern sich zuvor einig darüber waren, die beiden gemeinsamen Kinder nicht im Rahmen der Empfehlungen der “ständigen Impfkommission” gegen u.a. Keuchhusten und Tetanus impfen zu lassen, änderte nach der Trennung und wiederholten Gesprächen mit der behandelnden Kinderärztin die Kindesmutter ihre Haltung und erbat vom Vater die Zustimmung, die Impfungen doch durchführen zu lassen.

Dieser lehnte ab und verwies auf die vorherige gemeinsame Entscheidung sowie Impfrisiken.

Daraufhin beantragte die Mutter – in deren Haushalt die Kinder seit Trennung leben – bei dem für sie zuständigen Amtsgericht die Übertragung der Gesundheitsfürsorge auf sie alleine. Der Vater beantragt, diesen Antrag zurück zu weisen und behelfsweise der Mutter die Impfung der Kinder ohne seine Zustimmung ausdrücklich zu untersagen.

Nun hat das OLG FFM entschieden: Eine Übertragung von Teilen des Sorgerechtes, in diesem Fall der Gesundheitsfürsorge, auf ein Elternteil alleine sei nicht notwendig, die Kindesmutter könne die Entscheidung über die Impfungen im Rahmen der Alltagssorge alleine treffen, da auch vorwiegend sie mit den Folgen einer Impfung oder Nichtimpfung im Alltag konfrontiert sei. Außerdem ließe die  “Üblichkeit” dieser Impfungen im Sinne dessen, dass die meisten Eltern ihre Kinder impfen ließen den Schluss zu, dass es sich um eine “alltägliche” Angelegenheit handle. Somit wäre die Impfung nach den Empfehlungen der “ständigen Impfkommission” keine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung, sofern keine besonderen Umstände vorlägen wie zum Beispiel eine vorliegende gesundheitliche Problematik, die einer Impfung ein höheres Risiko als gewöhnlich beibrächte. Dann wiederum handle es sich um eine Entscheidung von erheblicher Bedeutung und sei von beiden Eltern gemeinsam zu tragen.

Besonders spannend im hier vorliegenden Fall ist die Tatsache, dass die Eltern nach anfänglichen Umgangsquerelen mittlerweile eine Vereinbarung über den Umgang getroffen haben, dernach am September 2015 ein wöchentliches Wechselmodell gelebt werden soll.

 

 

By |Juni 29th, 2015|Allgemein|0 Comments

“Sag dem Papa/Sag der Mama…!”

“Du sollst mir keine Marmelade auf´s Brot machen, das ist nicht gut für sie Zähne!”

Es gibt so manche Aussage, die man von einem Kind nicht erwartet. Ermahnungen zum eigenen Erziehungsstil gehören fraglos dazu und machen stutzig – welches Kind wehrt sich aus Vernunftgründen gegen Süßes? Ein entsprechend beauftragtes Kind zum Beispiel.

Wenn Elternteile nach einer Trennung den direkten Kontakt zueinander meiden, nicht oder nur ungern mitenander sprechen oder anderweitig kommunizieren, greifen viele aus schlichter Bequemlichkeit auf einen Mittler zurück – das Kind. Ihm werden Anweisungen, Verbote und Gebote mit auf den Weg zum anderen Elternteil gegeben. So spart man sich die frontale Auseinandersetzung und – zudem – hat man dem Kind nur oft genug gesagt, es dürfe dort keine Marmelade essen, wird es die Marmelade irgendwann von ganz alleine verweigern.

Dass hierbei das Kind ganz hemmungslos in die Stellvertreterrolle seiner Eltern getrieben und mit es völlig überfordernden Konflikten konfrontiert wird, nicht nur mittelbar sondern ganz direkt als Teilnehmer an der Diskussion, gerät aus dem Blick. Die Autorität der Eltern leidet, denn das Kind begreift sehr schnell, dass es nahezu alles mit Rückendeckung eines Elternteils erreichen kann, wenn es nur vorgibt, der jeweils andere wolle das Gegenteil durchsetzen.

Welche erheblichen Konflikte so entbrennen können, welche weitreichenden Folgen das nach sich ziehen kann und wie erheblich die Eltern-Kind-Beziehung leidet, wenn das Kind durch den Abwesenden Elternteil in die Partnerrolle gegenüber dem anwesenden Elternteil “befördert” wird, scheint vielen Betroffenen gar nicht bewusst zu sein.

[Weiterlesen…]

By |Juni 8th, 2015|Allgemein, Trennungskinder|0 Comments

Umgangsausschluss?

Frisch nach der Trennung im Streit um Zeiten, Erziehungsmethoden oder auch Dinge, die mit den Kindern gar nichts zu tun haben, ist die Drohung schnell einmal ausgesprochen: “Dann lasse ich den Umgang vom Gericht ausschließen!”

So einfach ist das allerdings nicht. Im Gegenteil.

Der Super-GAU für jeden Umgangsberechtigten, der völlige Ausschluss von Kontakten über einen längeren Zeitraum – kommt selten vor und muss solide begründet werden können. Andernfalls heben Gerichte höherer Instanzen solche Beschlüsse durchaus auch auf und verweisen zurück.

Der Gesetzgeber hat eindeutig Stellung bezogen: Umgang mit beiden Eltern entspricht in der Regel dem Kindeswohl. Wörtlich ist dem §1684 BGB zu entnehmen, dass Umgang nur dann auf Dauer eingeschränkt oder ausgeschlossen werden kann, wenn andernfalls das Kindeswohl gefährdet wäre. Das ist eine vergleichsweise hohe Hürde für Gerichte, die einen Umgangsausschluss tatsächlich in Erwägung ziehen.

Kommt es dazu, befindet man sich meist am Ende einer destruktiven Spirale aus diversen Prozessen um Sorge- und Umgangsrecht, die sich bereits über Jahre hinzieht. Spätestens dann, wenn ein Umgangsausschluss tatsächlich zur Diskussion gestellt wird, ist auch die Beauftragung eines familienpsychologischen Gutachtens nahezu obligatorisch. Nach dem Grundsatz des anzuwendenden mildesten Mittels sind in der Regel schon diverse Lösungsansätze gescheitert oder ergebnislos im Sande verlaufen.

[Weiterlesen…]

By |Juni 5th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Das Bundesverfassungsgericht und der Umgangsausschluss

Ein brandaktuelles Urteil des BVerG macht zurzeit von sich Reden und hat auch die Medien erreicht. Schon schlagen die Wellen hoch, nicht zuletzt aufgrund einer mehr als unglücklichen Schlagzeile der Süddeutschen in der Berichterstattung über diese Entscheidung. Doch was ist tatsächlich passiert, was bedeutet das und wie neu ist diese Entscheidung wirklich?

 

Wenn ein beeinflusstes Kind den Kontakt “von selbst” ablehnt

In dem durch den BVerG-Beschluss bekannt gewordenen Fall spiegelt sich ein Ablauf, den es leider selten aber doch immer wieder gibt: Nach Trennung der Eltern wird ein Kind von dem Elternteil, bei dem es überwiegend lebt, gegen den anderen Elternteil beeinflusst. Umgangskontakte werden verhindert, immer wieder werden neue Verfahren zur Regelung des Umganges angestrebt und verlaufen mehr oder weniger im Sande. Der Kontaktausfall zieht sich also immer weiter und weiter, Kind und Umgangselternteil haben sich irgendwann seit Monaten nicht mehr gesehen, zudem ist das Kind zunehmend durch die Beeinflussung des anderen Elternteils indoktriniert und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem das Kind selbst mit allem Nachdruck ablehnt, den Umgangselternteil noch einmal wieder zu sehen.

Dann kommt es vor, dass im nächsten oder just laufenden Umgangsverfahren vor dem zuständigen Familiengericht plötzlich ein Umgangsausschluss im Raum steht. Und manchmal wird er auch tatsächlich beschlossen. So auch in diesem Fall, der sich folgend über alle Instanzen bis hin zum Bundesverfassungsgericht hocheskaliert hat.

 

Beeinflussung durch einen Elternteil kann einen Umgangsausschluss notwendig machen

Allerdings nicht mit dem beeinflussenden Elternteil, sondern dem anderen, gegen welchen das Kind beeinflusst wurde. Das ist zunächst einmal die Kernaussage des besagten Entscheides und neu ist das tatsächlich nicht. Neu ist vielmehr, dass diese Aussage, die man durchaus in einigen Beschlüssen von Amts- und Oberlandesgerichten finden kann, nun durch das BVerG stärkend aufgegriffen wurde. Bislang war die Tendenz zu beobachten, dass spätestens auf Ebene des BVerG insbesondere Umgangsausschlüsse eher fast schon pauschal aufgehoben wurden – eine ähnliche Tendenz zeigte sich bei Sorgerechtsentzug wegen fortgesetzter Beeinflussung eines Kindes – weil die Grundrechte des betroffenen Elternteils über Gebühr Einschnitte erfahren würden.

Wenn über einen Umgangsausschluss nachgedacht wird, prallen grundsätzlich Grundrechte aufeinander – nämlich die des vom Ausschluss bedrohten Elternteils einerseits und die des Kindes auf Unversehrtheit – auch psychisch – andererseits, denn ein Umgangsausschluss kann nur dann in Frage kommen, wenn durch den Umgang für das Kind unmittelbarer und erheblicher Schaden zu erwarten ist.

Im Kontext Beeinflussung muss hier von einem psychischen Schaden zu sprechen sein, von einer mentalen Überlastung des Kindes und einer emotionalen Überforderung. Wenn ein Kind so fortgesetzt und erheblich beeinflusst worden ist, dass es jedweden Kontakt zum anderen Elternteil ablehnt, womöglich sogar panisch reagiert oder mit deutlichen Verhaltensauffälligkeiten, dann kann es so weit eskalieren, dass man zum Schutz des Kindes diesen Kontakt erst einmal ausschließen muss, um erheblichen und womöglich irreparablen psychischen Schaden vom Kind abzuwenden.

 

Recht und Gerechtigkeit

Es ist sehr schwer diesen Rückschluss mit subjektivem Gerechtigkeitsempfinden zu fassen. Da beeinflusst jemand ein Kind derart, dass es seine eigene Mutter oder seinen eigenen Vater rigoros ablehnt, sich vielleicht sogar feindselig oder panisch zeigt und dann wird derjenige auch noch dadurch “belohnt”, dass der Umgang von Rechts wegen ausgeschlossen wird. Tatsächlich ist das auch nicht “fair” und soll es auch gar nicht sein. Fairness oder Gerechtigkeit zwischen den Eltern herzustellen ist gar nicht Aufgabe eines Familiengerichtes, das sich mit einem solchen Fall beschäftigen muss. Erste und wichtigste Aufgabe dieser Gerichte ist es, die Kinder im Gesamtkonstrukt bestmöglich zu schützen und deren Interessen zu wahren.

Nun sagt sich schnell: Im Interesse der Kinder wäre es aber, gar nicht gegen einen Elternteil beeinflusst zu werden! Warum tut man also nichts gegen die Beeinflussung statt am Ende gegen den Umgangsberechtigten?

Tatsächlich weil man es kaum kann und lange Jahre einfach nicht wusste, wie.

Hier zeigt sich auch deutlich eine Bewegung in der familienrechtlichen Landschaft. In der deutlichen Mehrheit der Fälle gehen Beeinflussungen – insbesondere solche die derart weit treiben, dass am Ende ein Umgangsausschluss im Raum steht – vom überwiegend betreuenden Elternteil aus. Das ergibt sich schon durch das deutliche Mehr an Zeit und Zugang zum Kind. Zwar sind auch Fälle bekannt, in denen Kinder durch Umgangsberechtigte so nachhaltig beeinflusst wurden, dass es erst zum Umzug der Kinder zum bis dahin Umgangsberechtigten kam, weil die Kinder mit allem Nachdruck darauf bestanden und in der weiteren Entwicklung dann auch in umgekehrten Rollen bis zum Kontaktabbruch, diese Fälle sind allerdings deutlich seltener.

Wenn nun ein überwiegend betreuendes Elternteil ein Kind beeinflusst, welche Möglichkeiten hat ein Gericht, einzuschreiten und diese Einflussnahme tatsächlich zu verhindern? Ordnungsgelder sind eine Möglichkeit, insbesondere wenn Umgänge boykottiert werden, dazu allerdings muss es zum einen zum nachweisbaren Boykott durch den Elternteil kommen und zudem muss der umgangsberechtigte Elternteil entsprechende Ordnungsgelder beantragen – viele tun das nicht oder nur sehr zögerlich. Weiter bleibt im Grunde nur die Möglichkeit, das Kind aus dem Haushalt des beeinflussenden Elternteiles heraus zu nehmen, was eine erhebliche Veränderung für das Kind bedeutet. Zudem – was, wenn der Umgangsberechtigte das Kind in seinem Haushalt nicht aufnehmen kann, zum Beispiel weil die Arbeitszeiten die Betreuung verunmöglichen? Dann bleibt nur noch die Alternative Pflegefamilie bzw. Heimunterbringung. Und dieser massive Einschnitt für das betroffene Kind – Inobhutnahme mit folgender Umgangsregelung mit beiden Eltern, nachdem es bereits eine Trennung hat verkraften müssen, wägen Gerichte in aller Regel als deutlich schädlicher ab, als einen befristeten Umgangsausschluss.

 

Die Sache mit den Vätern

Nun hat sich die Süddeutsche dazu hinreißen lassen, zu titeln: “Im Zweifel gegen den Vater” und damit natürlich gehörig Wind auf die Mühlen der Väterrechtsbewegungen gebracht. Dabei hat das alles mit Mutter, Vater, Mann oder Frau absolut nichts zu tun. Natürlich sind nach wie vor deutlich über 80% aller Trennungskinder überwiegend bei den Müttern wohnhaft – das ist allerdings nicht, wie häufig propagiert, irgendeiner Grundgegenhaltung anti Vater geschuldet, sondern klassischer Rollenverteilung in Familien. Wenn sie nach dem ersten Kind zu Hause bleibt und die Betreuung fast vollständig alleine leistet, während er Überstunden und Dienstreisen wahrnimmt, somit nur noch wenig zu Hause ist, um den Lebensstandard der Familie zu sichern, dann ergibt sich daraus im Trennungsfall aus Perspektive Kind (nicht aus Perspektive “fair”) der logische Schluss, dass eben dieses Kind sofern möglich bei der Mutter leben wird, um die übrigen Veränderungen neben denen, die eine Trennung der Eltern nun einmal mit sich bringt, zu minimieren. Dem Kind soll die sog. “Hauptbezugsperson” erhalten werden.

Aus wissenschaftlichen Arbeiten wissen wir heute – im Gegensatz zu früheren Annahmen – dass ein Kind mit Nichten automatisch eine engere Bindung an die Mutter entwickelt oder sogar unfähig wäre, mehr als eine Hauptbezugsperson zu haben. Hat ein Kind entsprechenden Zugang zu und Zuwendung von beiden Elternteilen, werden auch beide Hauptbezugsperson. Hinweise auf einen biologischen Bonus gibt es nicht.

Diese Realität fließt mehr und mehr nicht nur in unsere gesellschaftliche Lebenswirklichkeit ein, sondern spiegelt sich auch in aktuellen Entscheidungen der Familiengerichte bundesweit. Am Kernproblem aller Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten ändert das allerdings wenig, bestenfalls verlagert sich die Verteilung der Geschlechter hin zu einem subjektiv “besseren” weil ausgeglichenerem Verhältnis. Dass zur Not aber letztlich der geringste Schaden für das Kind in der Situation wie sie nun einmal ist einer fairen, gerechten oder “schöneren” Regelung zu Gunsten der Eltern vorgezogen wird, verändert sich dadurch nicht.

Hier sind andere Faktoren wesentlich: Engere Zusammenarbeit mit beratenden und begleitenden Instanzen, schnelleres und früheres Eingreifen bei hochstrittigen Konstellationen und Mut zur Konsequenz, wenn ein Elternteil mauert. Die Präjudizierung durch Zeitablauf besser in den Griff zu bekommen – das wird Verbesserungen mit sich bringen. Beschleunigte Verfahren und professionsübergreifende Arbeitsgruppen sind hierzu wichtige Schritte in die richtige Richtung aber auch Information und Aufklärung von Fachbeteiligten über Beeinflussung, Entfremdung und in letzter Konsequenz auch PAS.

By |Mai 24th, 2015|Allgemein|8 Comments

Ausgefallenen Umgang nachholen? Muss man das?

Umgangsregelungen, ganz egal ob gerichtlich beschlossen oder allein unter den Eltern nach einer Trennung mit Kind vereinbart, sind oft komplex, umfangreich und gute Regelungen zudem sehr spezifisch. Das muss auch so sein, denn immerhin müssen die Terminplanungen zweier Erwachsener und mindestens eines Kindes irgendwie unter einen Hut – und im Idealfall soll das alles auch noch möglichst stressarm umsetzbar sein.

Es lässt sich in aller Regel nicht über Jahre hinweg völlig verhindern, dass Termine einmal nicht eingehalten werden können. Das kann durch eine schwere Erkrankung des Kindes notwendig werden, durch berufliche Abwesenheiten eines Elternteils, durch Urlaubsreisen oder sonstige unvorhergesehene Zwischenfälle, die zum Beispiel den/die Umgangsberechtigte/n daran hindern, wie geplant den Umgang wahr zu nehmen. Hierbei ist zunächst wichtig zu verstehen, dass Umgangstermine – insbesondere durch einen Gerichtsbeschluss festgelegte – keine Wahlveranstaltungen sind[Weiterlesen…]

By |Mai 11th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Was ist Bindungstoleranz?

Wenn eine Trennung mit Kind eskaliert, sogar bis vor ein Familiengericht kommt um Umgang oder Sorgerecht (neu) zu regeln, dann fällt oft der Begriff “Bindungstoleranz”. Er ist wesentlicher Bestandteil praktisch jedes familienpsychologischen Gutachtens und kann sogar entscheidend für die Frage sein, wo das Kind zukünftig leben und wie das Sorgerecht geregelt werden soll.

Häufig wird Bindungstoleranz sehr unreflektiert in direkten Zusammenhang mit Entfremdung und Beeinflussung gebracht, allerdings handelt es sich um zwei zwar aufeinander aufbauende aber jeweils komplexe Problemstellungen. Eine Entfremdung, Beeinflussung oder auch ein Umgangsboykott ist letztlich die Blüte, die ein eklatanter Mangel an Bindungstoleranz treibt. Die Frage nach Letzterer ist viel mehr die Frage nach dem “Warum?”. Wieso tut jemand so etwas? Was treibt eine entfremdende Person dazu, dem Kind scheinbar sehenden Auges zu schaden und weshalb ist die Bindungstoleranz derart wichtig, dass bei einem erheblichen Mangel sogar ein Entzug des Sorgerechts in Erwägung gezogen werden kann, wenn Umgangspflegschaften und Mediationen keine Ergebnisse erzielen?

So hat bereits in 2009 das OLG Brandenburg einer Mutter das Sorgerecht für ihr Kind gänzlich entzogen und auf den Vater übertragen, nachdem fortgesetzt der Umgang verweigert wurde – aufgrund eines erheblichen Mangels an Bindungstoleranz.

Wenn Umgang verweigert oder boykottiert wird, lässt sich im Grunde immer von einem Problem der Bindungstoleranz sprechen, so auch bei Beeinflussung, Manipulation und Entfremdung des Kindes von einer Bezugsperson. Elternexklusiv ist das Problem jedoch nicht. Auch Großeltern und Stiefeltern können von mangelnder Bindungstoleranz betroffen sein.

[Weiterlesen…]

Alltagssorge hat auch ein Umgangselternteil

Ein spannendes und klärendes Urteil zum nach wie vor sehr umtriebenen Thema Alltagssorge kommt aktuell vom OLG Brandenburg. Ein umgangsberechtigter Vater wollte seiner Nachbarin den Kontakt zu seinem Kind untersagen, wenn dieses zum Umgang bei ihm ist. Die Nachbarin aber wollte sich daran nicht halten und die Kindesmutter einem solchen Kontaktverbot nicht zustimmen. Die Angelegenheit landete vor dem AG Cottbus und dieses befand, mit welchen Dritten das Kind Umgang habe oder nicht, sei eine Entscheidung, die durch beide sorgeberechtigten Eltern gemeinsam getroffen werden müsse, alleine dürfe der Vater kein Näherungsverbot aussprechen.

Auf die Beschwerde des Vaters beim OLG Brandenburg wurde dieser Beschluss abgeändert und entspricht damit dem Wunsch des Kindesvaters nach einem Näherungsverbot mit empfindlicher Ordnungsgeldandrohung. Nachzulesen im Detail hier: Brandenburgisches Oberlandesgericht 1. Senat für Familiensachen vom 13.01.2015 9 UF 24/124

Natürlich, so das OLG, könne der Vater ein solches Näherungs- und Kontaktverbot alleine aussprechen, denn es handle sich um eine Sache des alltäglichen Lebens, nicht um eine Entscheidung von erheblicher Tragweite für das Kind wie z.B. die Schulwahl oder die Wahl der Religion. Und solche Entscheidungen des alltäglichen Lebens könne derjenige Elternteil alleine treffen, bei dem das Kind zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ist, den diese Alltagsgestaltung also konkret betrifft.

Was das OLG Brandenburg hier im Einzelfall regelt hat allgemeines Gewicht, denn in diesem Beschluss resp. dessen Begründung steckt die klare Aussage: Alltagssorge hat immer derjenige, bei dem das Kind sich zum relevanten Zeitpunkt aufhält. Es ist kein Sonderrecht überwiegend betreuender Elternteile.

Wie realitätsfern die Idee des AG Cottbus tatsächlich war zeigt sich, wenn man sich vorstellt, jedes Elternteil müsse nach einer Trennung bezüglich jeder Drittperson, mit welcher das Kind Umgang hat oder in Kontakt kommt, die Zustimmung des jeweils anderen einholen – und das nicht nur im Falle eines Kontaktausschlusses sondern, im Umkehrschluss, dann natürlich auch wenn Kontakt zu dieser Person erwünscht wäre. Denn weshalb Nichtkontakt zu einer Drittperson erheblichere Auswirkungen für das Kind haben sollte als (regelmäßiger) Kontakt, erschließt sich nicht.

Man stelle sich vor, wieviele Auseinandersetzungen vor die Familiengerichte getrieben würden um die Frage, ob der neue Freund der Mutter oder die neue Freundin des Vaters Kontakt zum Kind haben dürfte.

 

 

By |April 25th, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit|0 Comments

Die/der Ex, ihr/seine Neue/r und mein Kind

Wenn sich Eltern trennen verkompliziert sich die Situation häufig erheblich, sobald neue Partner in das Leben der Erwachsenen treten. Die latente Frage, was der/die Neue darf oder nicht darf, welche Grenzen zu wahren sind und ob und wann einem Elternteil ein Vetorecht zusteht, beschäftigt viele Betroffene.

Die wohl häufigste Frage überhaupt vorab beantwortet:

Darf mein/e Ex den neuen Partner/die neue Partnerin meinem Kind ohne meine Erlaubnis vorstellen?

Die Antwort lautet: Ja.

Es existiert keine belastbare Grundlage für ein Vetorecht des anderen Elternteiles, wenn es darum geht, dass das Kind den neuen Partner/die neue Partnerin kennenlernen soll.

Mit einigen weiteren der wohl häufigsten Fragen rund um Befugnisse, Rechte und Unrechte neuer Partner haben wir uns beschäftigt und uns darum bemüht aufzuzeigen, wo die Alleinentscheidungsbefugnis eines Elternteiles aufhört und zum Beispiel eine gemeinsame Sorge beider Eltern greift – und somit auch ein Vetorecht des anderen Elternteils bestehen kann.

Darf der/die Neue mit zum Elternabend? Darf er/sie mein Kind baden?

Das und mehr erfahren Sie im neuen Artikel: Weiterlesen…

By |April 23rd, 2015|Allgemein, Recht & Gerechtigkeit, Trennungskinder|1 Comment