Wenn sich Eltern kurz nach oder sogar schon vor der Geburt des gemeinsamen Kindes trennen, gestaltet sich häufig die Regelung des Umganges mit dem neugeborenen Kind schwierig. Nicht nur erleben viele Mütter Ängste bei dem Gedanken, sich stundenlang oder sogar über Nacht vom Kind zu trennen, hinzu kommen Berührungsängste frisch gebackener Väter, gesellschaftliche Vorurteile, handfester Sexismus und die Frage, wieviel Papa ein kleines Kind überhaupt schadfrei aushalten kann.

Viele Diskussionen, die bereits um Kleinkinder und ältere Kindern nach einer Trennung bekannt sind, verschärfen sich erheblich, wenn das Kind noch unter einem Jahr alt ist.

Lange Zeit spiegelten die zuständigen Gerichte die latente Befürchtung, einen Säugling über Stunden von der Mutter zu trennen, schade dem Kind. Auch spielte bis vor einigen Jahren die Annahme eine Rolle, Kinder könnten sich unmittelbar nach der Geburt nur an eine Bezugsperson binden und diese sei naturgegeben die Kindesmutter. Heute wissen wir aus modernen Forschungsarbeiten, dass es keine biologische Vorzugsstellung der Mutter beim Kind gibt, sondern auch ein Säugling sich mühelos eng an mehrere Bezugspersonen binden kann, wenn die entsprechenden Gelegenheiten geschaffen werden, Nähe und Pflege durch diese Personen zu erfahren.

Auch das moderne Familienbild verlangt ein Umdenken. Kinder sind kein Frauenthema mehr und Väter in Elternzeit haben weitgehend den exotischen Anstrich verloren. Viele Eltern kümmern sich von Beginn an gemeinsam um ihr Kind. Eben dieser Umstand scheint jedoch oft in Vergessenheit zu geraten, wenn es dann zur Trennung kommt.

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