Nach der Trennung der Eltern eines damals zweijährigen Mädchens beantragten zunächst beide Elternteile, damals noch in der Schweiz wohnhaft, das Kind in ihre Obhut zu übergeben. Der Vater wünschte hierbei eine Umgangs- und Ferienregelung für die Mutter während diese keinerlei Kontakt zwischen Vater und Kind vor Vorliegen eines psychologischen Gutachtens forderte und den Verdacht des sexuellen Missbrauchs äußerte. Ein schweizer Kantonsgericht übertrug daraufhin die Obsorge für das Kind zunächst der Mutter und ordnete wöchentliche begleitete Umgangskontakte für den Vater an.

Bereits hiergegen wandte sich die Mutter mit einer Beschwerde.

Der erste begleitete Umgangskontakt wurde durch die Mutter boykottiert. Daraufhin holte der Vater das Mädchen mit Hilfe weiterer Personen unangekündigt aus einer Spielgruppe und tauchte eine Woche lang mit dem Kind unter, bevor sie aufgegriffen wurden. Wieder wurden begleitete Umgangskontakte angeordnet, von denen einer – offenbar nicht vollständig – stattfand, folgend verzog die Mutter mit dem Kind nach Karlsruhe. Die folgenden Termine wurden wiederum nicht umgesetzt. Daraufhin wurde der letzte geltende Umgangsbeschluss des schweizer Gerichtes durch das Familiengericht Karlsruhe mit Zwangsgeldandrohungen versehen, die ein Zwangsgeld von bis zu 10.000,- € für jede schuldhafte Zuwiderhandlung gegen den Beschluss vorsahen.

Nun beantragte der Vater die Festsetzung eines Ordnungsgeldes in Höhe von 10.000,- € pro schuldhaft nicht zustandegekommenem Umgangstermin. Die Mutter trat dem entgegen und erklärte, das inzwischen vierjährige Mädchen wolle keinen Kontakt mehr zum Vater, es sei der wirkliche Wille des Kindes, keinen Umgang wahr zu nehmen, da es durch die Trennung und die einwöchige Entführung durch den Vater traumatisiert sei. Der Vater hingegen erklärte, das Kind wolle durchaus Umgang, die Mutter aber wolle diesen verhindern und das Kind entfremden, es bestehe die Gefahr der Entstehung eines PA-Syndroms, daher müsse der drohenden Entfremdung entschlossen entgegengetreten werden.

Das Gericht gab dem Vater Recht und ordnete Ordnungsmittel in Höhe von 1.400,- € je schuldhafter Zuwiderhandlung – insgesamt 9.800,- € Ordnungsgeld für die Kindesmutter an.

Diese legte Beschwerde beim Oberlandesgericht Karlsruhe ein und erklärte wiederum, es entspreche dem ausdrücklichen Willen des Kindes, den Vater nicht zu sehen, außerdem sei ihrerseits ein Antrag auf Umgangsausschluss anhängig, der zunächst geprüft werden müsse.

Das OLG Karlsruhe sah das anders: Nicht nur könne nicht aufgrund der bloßen Hoffnung mit einem Antrag Erfolg zu haben geltende Beschlüsse außer Kraft gesetzt werden, darüber hinaus sei man davon überzeugt, dass ein vierjähriges Kind mit erzieherischen Mitteln dazu zu bewegen sei, eine ablehnende Haltung abzulegen und überdies nach der Anhörung des Kindes selbst davon überzeugt, dass der Wille des kleinen Mädchens beeinflusst wurde. Die behauptete Traumatisierung des Kindes sei zudem weder aus den Akten noch der Anhörung oder den Berichten der Umgangsbegleitung ersichtlich.

Es bestätigte den Beschluss des Familiengerichtes. So zahlte die Mutter am Ende zusätzlich zu den fast 10.000,- € Ordnungsgeld die Gerichtskosten einschließlich der außergerichtlichen Ausgaben des Vaters für das Beschwerdeverfahren alleine.

 

OLG Karlsruhe Beschluß vom 26.10.2004