Eine erstaunliche, wenngleich nachvollziehbare Entscheidung hat das OLG Bremen nun bestätigt und damit verdeutlicht, dass die Gesetzesnovellierung keinesfalls ein Freifahrtschein für Gelegenheitsväter sein soll.

Im besagten Fall trennte sich ein mutmaßlicher Vater nach Bekanntwerden der Schwangerschaft von der Kindesmutter und der Kontakt sowohl zu dieser als auch zu dem Kind brach vollständig ab. Sieben Jahre lang unternahm der mutmaßliche Kindesvater nichts weiter. Die Kindesmutter ging eine neue Beziehung ein mit einem anderen Mann, den sie ebenfalls für den potentiellen biologischen Vater hielt. Dieser erkannte die Vaterschaft an, nachdem die Mutter erfolgreich die Vaterschaft des jetzigen Antagstellers angefochten hatte. Der neue Lebensgefährte wurde etablierter sozialer Vater des Kindes, erhielt das gemeinsame Sorgerecht durch eine Sorgeerklärung und nachdem die Kindesmutter und der neue Lebensgefährte sich Jahre später trennten, verblieb das Kind bei ihm, wo es bis heute seinen Lebensmittelpunkt hat.

Nun, nach sieben Jahren ohne jedweden Kontakt zu Mutter und Kind und auch ohne jedwede Nachfrage nach dem Kind, begehrte der zweite mögliche Vater ein Umgangsrecht. Das Aufwachsen seiner anderen Kinder aus der zwischenzeitlich geschlossenen Ehe habe diesen Wunsch in ihm bestärkt. Eine bei solchem Antrag zwingend vorzulegende Erklärung an Eides statt, dass intimer Kontakt zur Kindesmutter im relevanten Zeitraum stattgefunden hatte, legte er jedoch dem Gericht nie vor.

Es kam, wie es kommen musste – der Antrag wurde zurückgewiesen. Und mehr noch. Eine Prüfung der biologischen Vaterschaft sah das Gericht als nicht zielführend an.

Flappsig gesagt: So lange niemand weiß, wer nun wirklich der biologische Vater ist, muss auch niemand dem Kind erklären, dass der soziale Vater, der Hauptbezugsperson des Kindes ist, nicht der leibliche Vater ist.

Zu diesem Vorgehen riet auch die Verfahrensbeiständin dringend. Das Kind solle über die Unklarheiten in Bezug auf die Vaterschaft unbedingt im Unklaren gelassen werden.

OLG Bremen 5 UF 89/14 vom 14.10.2014