Schon in intakten Familien ist die Erziehung immer wieder ein Streitthema zwischen den Erwachsenen und nicht selten mischen sich zudem Großeltern, Freunde und Bekannte mit ein. Was sich jedoch im Rahmen einer liebevollen Paarbeziehung gerne zu einem running gag entspinnt, gerät nach einer Trennung nicht selten zu einem fortdauernden und sehr belastenden Streit.

Von zu-Bett-geh-Zeiten über den Konsum von Süßigkeiten, Fernsehen und Freizeitaktivitäten bis hin zu Kleidung, Weltanschauung und Religion reichen die Konfliktherde und häufig gibt es keinerlei Gewichtung mehr. Dann ist der Fruchtzwerg nach dem Abendessen ebenso förderlich oder schädlich für das Kind wie Frühenglisch oder ein eigens Pony. Allzu häufig geht es dabei allerdings im Kern gar nicht um das Kind, sondern um eine Machtfrage. Wer entscheidet, wie das Kind einmal wird und in welchem Ausmaß? Immerhin geht es um nicht weniger als die erwachsene Person, zu der sich das gemeinsame Kind einmal entwickeln soll.

Grade nach einer Trennung, nachdem man also zumindest in Teilen die Unvollkommenheit des anderen Elternteils als Person sehr bewusst wahrgenommen hat, kommen hier leicht unbegründete Überschätzung der eigenen moralischen und ethischen Fehlbarkeit und durchaus auch persönliche Verletztheiten ins Spiel, die unter dem Deckmantel der Erziehungsfragen ausgetragen werden.

Leidtragende sind, wie so oft, die Kinder, die in aller Regel mit unterschiedlichen Werte- und Regelgefügen deutlich besser umgehen können, als mit latent streitenden Eltern. Eine Katastrophe, wenn dann zudem irgendwann der Versuch, den eigenen Einfluss zu erhalten, bis auf die Kinder durchwirkt, die angehalten werden, sich dem anderen Elternteil einfach zu verweigern, wenn der etwas abweichendes erlaubt oder verbietet.

Entwicklungen, Verwicklungen und die schwierige Frage, wie man etwas, das schon in guten Zeiten ein Problem sein kann in schlechten Zeiten konstruktiv meistern soll suchen wir in Erziehung nach der Trennung

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