Weihnachten soll ja besinnlich sein. Oft hält diese Besinnlichkeit allerdings nur, bis die Geschenke des anderen Elternteils und dessen Familie ausgepackt sind und dann geht die Diskussion los. Ist das pädagogisch wertvoll? War das so abgesprochen? Ist in dieser Puppe oder diesem ferngesteuerten Auto womöglich ein ausgebuffter Manipulationsversuch gegenüber dem Kind zu sehen?

Vielleicht durch die starke emotionale Aufladung dieser Festtage oder weil es uns grade an Weihnachten treibt, die Familie zueinander zu bringen und damit auch klar zu definieren, wer dazugehören soll und wer nicht, eskalieren diese Konflikte oft völlig irrational und tragen sich noch über Wochen und Monate ins neue Jahr hinein. Längst überfällige Dialoge über Erziehungsstile werden plötzlich komprimiert auf Weihnachten und einzelne Geschenke projeziert und von eben auf jetzt herrscht ernster Streit.

Andere erleben sich als ausgegrenzt aus dem Ritual des Schenkens und haben das Gefühl, man verwehre ihnen, ihrem Kind einfach eine Freude zu machen. Weihnachten entwickeln einen schalen Geschmack und niemand kann sich so recht erklären, weshalb. Wenn es die neue Bettwäsche oder ein neues Schränkchen doch benötigt, dann kann man das doch zu Weihnachten schenken. Dass dabei etwas fehlt, wird oft nur unbewusst wahrgenommen.

Selbst Trennungseltern, die sonst relativ gut weil friedlich mit der Situation umgehen können finden nicht selten an diesen Festtagen ihre persönlichen Grenzen, denn mit den Geschenken fallen Grenzen – plötzlich dringt etwas vom anderen in den eigenen Einflussbereich, den eigenen Haushalt, die eigene Wohnung ein. Und das ist jedes Jahr wieder neu und fremd, wenn keine Übergangsobjekte gepflegt und bewusst solche Übergänge geschaffen werden. Unstimmigkeiten und Konflikte sind dann regelrecht vorprogrammiert.

Wie man besser mit der Situation umgehen kann und warum die Weihnachtsgeschenke wirklich solches Konfliktpotential bergen, erklären wir in Trennungskrieg unterm Christbaum – Der Streit um die Geschenke.

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