Das OLG Hamm hat kürzlich mit erfreulicher Vernunft festgehalten, dass zwar kein explizites Recht bestünde, sich bei Explorationsgesprächen mit psychologischen oder medizinischen Sachverständigen in familienrechtlichen Verfahren durch Tonbandaufnahmen oder eine Begleitperson/einen Zeugen abzusichern, ein dem entgegenstehendes Recht des Gutachters/der Gutachterin zumindest bezüglich der Anwesenheit einer dritten, sich nicht beteiligenden Person, besteht allerdings auch nicht.

OLG Hamm · Beschluss vom 3. Februar 2015 · Az. 14 UF 135/14

Demnach spricht zunächst einmal nichts dagegen, dass ein zu begutachtender Vater oder eine zu begutachtende Mutter sich mentale Unterstützung in Form einer dritten Person mitbringt, sofern diese sich vollkommen aus dem Gesprächsverlauf heraushält und somit die Exploration nicht stört.

Anders verhält es sich bei dem Wunsch, ein Tonband mitlaufen zu lassen – hier hat der Gutachter/die Gutachterin natürlich dasselbe Recht wie jeder andere Mensch, sich Aufnahmen der eigenen Person zu verbitten. Allerdings regt das OLG Hamm in o.g. Beschluss an, abzuwägen, welche Vorgehensweise die Exploration stärker beeinträchtigt. Jedenfalls sind Tonaufzeichnungen ohne ausdrückliches Einverständnis des familienpsychologischen Gutachters/der Gutachterin nicht erlaubt.

Geklagt hatte ein Vater, der zuvor mit einem Ablehnungsgesuch bezüglich der bestellten familienpsychologischen Gutachterin nicht erfolgreich gewesen war. Nach Aussage des betroffenen Vaters hatte er durch eine unsachliche Aussage der Gutachterin in einem früheren Explorationsgespräch das Vertrauen in deren Unbefangenheit verloren, sein Antrag scheiterte dann jedoch daran, dass er besagte Aussage nicht belegen konnte. Aufgrund dessen weigerte er sich im weiteren Verlauf ohne eine Form des Beleges weiterhin an Explorationsgesprächen Teil zu nehmen.

Die betroffene Gutachterin lehnte jedoch die Anwesenheit einer dritten Person als Zeuge ebenso wie eine Tonbandaufnahme folgender Gespräche ab.

Fazit: Steht eine familienpsychologische Begutachtung und entsprechende Explorationsgespräche an, darf ein Betroffener/eine Betroffene eine dritte Person zur Unterstützung mitbringen, die sich in Hörweite aufhalten darf, sofern diese ausdrücklich in keiner Form an der Exploration mitwirkt, also den Mund und sich heraus hält. Wen ein Betroffener/eine Betroffene hierzu einläd ist nicht eingeschränkt – es kann also der eigene Anwalt ebenso sein wie ein Großelternteil, ein Freund/eine Freundin oder ein/e Vertreter/in eines Interessenverbandes.