Exotisch mutet es an und nachdenklich stimmt es: Das österreichische Landesgericht Kroneuburg hat in einem brandaktuellen Entscheid das getan, was deutsche Familiengerichte ausdrücklich vermeiden – es hat die Schuld in einer über Jahre andauernden Prozesskette rund um Umgangsboykott und Entfremdung unter den beteiligten Eltern verteilt und beziffert. Heraus kommt eine horrende Rechnung für die boykottierende Kindesmutter.

Vor einem deutschen Gericht wäre ein vergleichbarer Ausgang kaum denkbar, da das Zuweisen von Schuld innerhalb aller familienrechtlichen und diesen angeschlossenen Prozesse mit Nachdruck vermieden wird. Allerdings ist uns ein entsprechender Klageversuch durch eine/n Geschädigte/n auch nicht bekannt. Durch Deeskalation und fortgesetzte Motivation und Hilfe zur Kooperation wird versucht, stattdessen wieder eine funktionierende Elternebene aufzubauen. Nach wie vor scheitert hier jedoch die Mehrheit der Verfahren letztlich Allem voran an der vergehenden Zeit. Präjudizierung durch Zeitablauf ist ein erhebliches Problem, dem wenig entgegengesetzt werden kann, denn ist das Kind erst einmal entfremdet und ein Umgangsboykott hat über Monate oder sogar Jahre Bestand, steht z.B. ein Wechsel in den Haushalt des anderen Elternteils kaum noch zur Debatte.

Im hier nun in Österreich verhandelten Fall hatte ein Vater nach Jahren des Boykotts, diversen daraufhin notwendig gewordenen gerichtlichen Verfahren und einer für ihn selbst notwendigen Psychotherapie durch den Kontaktabbruch zum Kind die Rechnung aufgemacht und per Gericht eben diese Kosten in Erstattung von der Kindesmutter eingefordert mit der Begründung, dass ohne die fortgesetzte Blockadehaltung der Kindesmutter und die Manipulation des Kindes, so dass es letztlich selbst den Kontakt ablehnte, all diese Folgekosten nie entstanden wären.

Dass der Vater offenbar die Kosten für von der Mutter verlangte Umgangsbegleitungen zudem selbst tragen musste, fiel hierbei natürlich zusätzlich ins Gewicht.

Und tatsächlich – das Gericht summierte die entstandenen Kosten des Vaters auf und gewichtete die Schuld an der Gesamtsituation wie in Angelegenheiten, die nicht im Familienrecht liegen auch in Deutschland nicht unüblich, mit 1:3 zu Lasten der Kindesmutter.

Im Endergebnis zeigt sich so beeindruckend, welche auch finanzielle Belastung Trennungseltern grade dann tragen müssen, wenn eine Trennung und die folgenden Kindschaftssachen nicht einvernehmlich zu einer Regelung gebracht werden können. Nicht selten wird auch in deutschen Prozessen der Vorwurf laut, die Gegenpartei versuche durch immer wieder unnötige Verfahrenszüge, zusätzliche Unterhaltsforderungen dergleichen, das andere Elternteil finanziell an die Grenze der Handlungsfähigkeit zu treiben.

Hier lässt sich eindrucksvoll beobachten, zu welchem Boomerang ein solches Vorgehen theoretisch werden könnte: Die an den Vater zu erstattende Summe beläuft sich auf 10.983,75 €, außerdem trägt die Mutter auch die Kosten desjenigen Verfahrens zur Gänze alleine, was zusätzlich mit 13.688,61 € zu Buche schlägt.

Eine Gesamtrechnung also von 24.672, 36 €.