Im Mai 2013 ging ein Ruck durch die Welt der deutschen Familiengerichte – und Themenforen für Alleinerziehende – denn durch eine Gesetzesänderung wurden völlig neue Voraussetzungen für unverheiratete Eltern geschaffen. Was war geschehn?

Bis zur Änderung des Gesetzes konnten nicht verheiratete Väter das Sorgerecht für ihr Kind nur dann erhalten, wenn sie dessen Mutter heirateten oder wenn diese dem gemeinsamen Sorgerecht zustimmte. Stimmte die Mutter nicht zu, gab es für den Vater keinerlei Möglichkeit, das gemeinsame Sorgerecht zu erhalten. Das, so befand der europäische Gerichtshof für Menschenrechte, verstießt klar sowohl gegen das Grundgesetz als auch gegen die Verfassung. Somit wurde der deutsche Gesetzgeber gezwungen, etwas zu verändern.

Das führte zunächst zu einer Übergangslösung bis zum Inkrafttreten der Gesetzesänderung, die sehr anschaulich machte, worin der wesentliche Vorteil einer sog. „Negativprüfung“ liegt. In der Übergangszeit nämlich konnte ein Gericht das gemeinsame Sorgerecht ablehnen, sofern nicht die Herstellung der gemeinsamen Sorge dem Kindeswohl diente. Es mussten also erhebliche Vorteile für das Kind durch die gemeinsame Sorge nachgewiesen werden und diese wurden allzu oft damit verneint, dass die gemeinsame Sorge das Konfliktpotential zwischen den Eltern steigere.

Nun, nach Inkrafttreten der Änderung gilt die sog. Negativprüfung – das gemeinsame Sorgerecht darf demnach nur dann verwehrt werden, wenn abzusehen ist, dass die gemeinsame Sorge dem Kind schaden würde. Nun also muss belegt werden, dass durch Beteiligung beider Eltern am Sorgerecht ein Nachteil für das Kind entstehen würde. Das sind völlig andere Vorraussetzungen.

Gleichwie führte die Novellierung zu hitzigen Diskussionen rund um das Sorgerecht und insbesondere leidenschaftlich wurde die Frage behandelt, welche Probleme, Konflikte und Nachteile eine gemeinsame Sorge nicht verheirateter Eltern – zum Beispiel wenn das Kind durch ein einmaliges Beisammensein entstanden ist – mit sich bringe. Eine inhaltliche Gegendebatte, welche praktischen Vorteile die gemeinsame Sorge bereithält konnten wir hingegen leider nicht verfolgen, wobei sie durchaus im Überhang der negativen Schlagzeilen untergegangen sein mag. Oft beschränkten sich die Fürsprecher der gemeinsamen Sorge kurzum auf den Fakt, dass es die gerechtere weil gleichberechtigte Lösung für die Eltern sei.

Dass aber das gemeinsame Sorgerecht viel mehr leisten kann, nicht nur für die betroffenene Eltern sondern grade auch für die Kinder, wollen wir näher erläutern in 10 gute Gründe für das gemeinsame Sorgerecht.